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Dankesrede des Bundesaußenministers anlässlich der Verleihung des Ordens "Stara Planina" in Sofia

21.09.2007

Sehr verehrter Herr Präsident,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

"Ne stoitje sami" - Ihr seid nicht allein! -

Wir alle erinnern uns an die bewegenden Momente am 1. Januar dieses Jahres, als wir gemeinsam hier in Sofia den Beitritt Ihres Landes zur Europäischen Union feierten. Das war ein großer und wichtiger Tag – ganz gewiss für Bulgarien, ganz sicher aber auch für Europa!

Wir erinnern uns allerdings auch, dass einige unsere Freude an diesem Tag nicht teilen konnten. 5 Krankenschwestern aus Ihrem Land und 1 Arzt wurden, nach über 8 Jahren Haft, immer noch zu Unrecht in Libyen festgehalten. Die Solidarität einer ganzen Stadt, ja eines ganzen Landes für das Schicksal dieser 6 Menschen hat mich an jenem Tag sehr beeindruckt. Ich erinnere mich an die eindringliche Botschaft der unzähligen Schleifen, die die Menschen in dieser Stadt, die Vertreter der Regierung und auch alle europäischen Außenministerkollegen, die an diesem Tag angereist waren, trugen: "Ihr seid nicht allein!"

Herr Präsident,

ich empfinde es als eine große Ehre, heute diesen Orden zu empfangen. Ich nehme es als Zeichen der Anerkennung für alle, die über Jahre hinweg, sichtbar und hinter den Kulissen, im zähen Ringen mit immer neuen Widerständen, unermüdlich dafür gearbeitet haben, dass das Martyrium der Krankenschwestern und des Arztes endlich endete. Als EU-Präsidentschaft sahen wir uns in einer besonderen Verantwortung, und wir sind besonders froh über den am Ende glücklichen Ausgang dieser viel zu langen Leidensgeschichte.

Unser gemeinsamer Erfolg zeigt die Kraft, die Europa hat. Manche sehen, zu Recht, in Europa vor allem eine Gemeinschaft der Werte. Andere betonen, und auch das ist richtig, dass Europa vor allem eine Gemeinschaft des Rechtes ist. Am Beispiel des gemeinsamen Ringens um die Freilassung der Krankenschwestern haben wir aber gesehen, dass Europa noch etwas anderes ist: Es ist vor allem eine Gemeinschaft der gelebten Solidarität. Ein Bund, in dem wir für einander einstehen und in dem wir uns in Zeiten der Not aufeinander verlassen können.

Herr Präsident,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich erinnere mich noch sehr deutlich an die Welle der Freude und Erleichterung, die an dem Tag durch ganz Europa ging, als die Krankenschwestern und der Arzt endlich nach Bulgarien zurückkehren durften. Ich weiß, dass sie an diesem Tag zwar die physischen und psychischen Fesseln ihrer Gefangenschaft los geworden sind; die seelischen Schmerzen, die diese Zeit hinterlassen hat, kann ich nur ahnen. Niemand kann ihnen diese Jahre ihres Lebens zurückgeben.

Ich freue mich, dass einige von Ihnen heute abend gekommen sind. Ich wünsche Ihnen sehr, dass es Ihnen gelingt, die Wunden der unverschuldeten Leidenszeit zu heilen und bald zu einem normalen Leben zurückzukehren. Ich hoffe, dass Ihnen der Gedanke, dass so viele Menschen in Europa an ihrem Schicksal Anteil nahmen und nehmen, dabei hilft.

Sehr verehrter Herr Präsident,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

der 1. Januar 2007 war ein historischer Tag – für Bulgarien und für Europa. Vielleicht ist es zu früh, heute schon eine Bilanz zu ziehen. Dennoch: In meinen Augen ist die noch junge Mitgliedschaft Bulgariens in der EU bisher eine Erfolgsgeschichte. Wir haben jedenfalls zu danken für die Unterstützung, die wir durch Sie, Herr Präsident, durch ihre Regierung und vor allem durch ihren Außenminister während unserer Präsidentschaft erfahren haben.

Deutschland war ein enger Partner Bulgariens auf dem Weg nach Europa. Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass das auch in Zukunft – innerhalb der Union – so bleiben wird!

Ich danke Ihnen.

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