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Ansprache von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Gedenkfeier für die Opfer des Hubschrauberabsturzes in Sarajewo am 17. September 1997

17.09.2007

Sehr verehrte Angehörige, sehr verehrte Frau Wagner, sehr verehrte Frau Michel-Schmid,

sehr verehrte Damen und Herren,

wir sind zusammengekommen, um gemeinsam des 17. September 1997 zu gedenken. Eines Tages, der für immer ein Tag der Trauer in der Geschichte dieses Hauses sein wird. Es war an diesem Tag, dass ein Hubschrauber der Vereinten Nationen in Bosnien und Herzegowina abstürzte. Alle 12 Insassen starben. Unter ihnen waren unsere Kollegen Gerd Wagner, Thomas Reinhardt und Jürgen Schauf.

Botschafter Dr. Gerd Wagner war  Stellvertreter des Hohen Repräsentanten für die Umsetzung des Dayton-Abkommens. Er war mit den schwierigen Bedinungen in seinem Gastland intim vertraut und hatte ein tiefes Verständnis für die Menschen in Bosnien. In den wenigen Wochen seines Wirkens erzielte er wichtige Erfolge. Er starb im Alter von 55 Jahren.

Dr. Thomas Reinhardt war 39 Jahre jung, als er nach Sarajewo ging. Diejenigen, die ihn kannten, haben ihn in Erinnerung als einen hoch intelligenten, tatkräftigen Kollegen, der auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurück scheute. Seinen Dienst in Sarajewo trat er am 15. September 1997 an – nur zwei Tage vor jenem unglücklichen Tag.

Auch Kriminaloberkommissar Jürgen Schauf, abgeordet aus dem Bundeskriminalamt, zögerte nicht, als man ihm die schwierige Aufgabe in Sarajewo antrug. Eingesetzt für den persönlichen Schutz des stellvertretenden Hohen Repräsentanten, war Jürgen Schauf im September 1997 erst 36 Jahre alt.

Heute, auf den Tag genau zehn Jahre nach diesem schweren Unglück, gedenken wir des tragischen Schicksals von Gerd Wagner, Thomas Reinhardt und Jürgen Schauf.

Vielen im Auswärtigen Amt sind die Ereignisse des 17. September 1997 auch heute noch sehr nahe. Sie erinnern sich an die furchtbare Nachricht vom Absturz des Hubschraubers, an die Unfassbarkeit des Geschehenen. Sie erinnern sich an das Gefühl der Ohnmacht, auch an die große Anteilnahme für die Hinterbliebenen. Und sie erinnern sich an die eigene Trauer um die verunglückten Kollegen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir gedenken in dieser Stunde auch der drei Polizeibeamten an der deutschen Botschaft Kabul – Mario Keller, Jörg Ringel und Alexander Stoffels – , die am 15. August dieses Jahres bei der Ausübung ihres Dienstes Opfer eines feigen Anschlags wurden. Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden dieser drei jungen Männer. Wie teilen ihr Leid und empfinden tiefes Mitgefühl.

Sehr verehrte Frau Wagner, sehr verehrte Frau Michel-Schmid,

wir danken Ihnen, dass Sie heute nach Berlin gekommen sind. Gerd Wagner, Thomas Reinhardt und Jürgen Schauf sind hier im Auswärtigen Amt unvergessen. Das möchten wir Ihnen heute versichern.

Ihnen und Ihren Ehemännern ist die Entscheidung, 1997 nach Bosnien zu gehen, ganz sicher nicht leichtgefallen – genau so wenig, wie den drei Polizeibeamten, die 10 Jahre später nach Kabul gingen. Sie wussten, dass es eine Entscheidung für eine schwierige Aufgabe war – für eine nach normalem menschlichen Ermessen fast unlösbare Aufgabe: Institutionen zu schaffen in einem Staat, der unter der erdrückenden Last grausamer Konflikte litt. Den Frieden zu bewahren in einem Land, dessen Bevölkerungsgruppen hoffnungslos verfeindet schienen!

Nicht wenige waren damals der Ansicht, dass ein solches Unterfangen von vornherein zum Scheitern verurteilt sei. Gerd Wagner, Thomas Reinhardt und Jürgen Schauf gehörten nicht dazu. Sie haben an die Zukunft von Bosnien und Herzegowina geglaubt. Selbstlos und mit großem Einsatz haben sie dafür gearbeitet, dass die Menschen dort eine neue Chance bekommen, dass sie die Kraft finden zur Aussöhnung, dass sie den Mut entwickeln für eine gemeinsame Zukunft.

Und sie haben recht behalten. Die Entwicklung Bosniens geht – bei allen noch vorhandenen Problemen, die wir nicht unterschätzen – in die richtige Richtung. Seine Zukunft liegt – wie die des gesamten westlichen Balkans – in Europa. Der Weg der Reformen ist steinig, aber er wird beschritten. Der Versöhnungsprozess ist mühsam, aber er dauert an.

Es waren der selbstlose Einsatz, die Überzeugung und der Mut von Menschen wie Gerd Wagner, Thomas Reinhardt und Jürgen Schauf, die diese  Entwicklung möglich gemacht haben.

Dass wir heute auf über 10 Jahre Frieden in Bosnien-Herzegowina zurückblicken, das ist vor allem das Verdienst von Menschen wie ihnen.

Die Tragik ihres Todes verringert das nicht. Es lindert nicht den Schmerz, den der Verlust ihren Familien auch heute noch bereitet. Ihr Schicksal führt uns eindringlich die Gefährdungen vor Augen, unter denen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes an schwierigen Posten in der ganzen Welt – und immer häufiger auch in Krisengebieten – ihren Dienst versehen.

Der Auswärtige Dienst lebt von dieser Bereitschaft seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Einsatz auch unter schwierigsten Bedingungen. Gerd Wagner, Thomas Reinhardt und Jürgen Schauf stehen – genauso wie die drei Polizeibeamten in Kabul – in herausragender Weise für diese Bereitschaft.

Wir werden diesen Kollegen ein ehrendes Angedenken bewahren.

Zum Gedenken an Gerd Wagner, Thomas Reinhardt und Jürgen Schauf, an Mario Keller, Jörg Ringel und Alexander Stoffels darf ich Sie bitten, sich zu erheben. – Wir ehren sie und gedenken ihrer schweigend.

Ich danke Ihnen.

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