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Grußwort von Staatsminister Erler anlässlich des 1. Jahrestags der Kooperation zwischen dem DAI und dem DEI, 13.03.07

13.03.2007

Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Dr. Huber,
sehr geehrter Herr Bischof Dr. Friedrich,
sehr geehrter Herr Professor Viehweger,
verehrter Herr Professor Parzinger,
sehr geehrter Herr Professor Markschies,
sehr geehrte Frau Dr. Häser,
Exzellenzen,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren!

Ich freue mich, heute bei Ihnen zu sein und Sie als Gastgeber im Europasaal des Auswärtigen Amts begrüßen zu können. Ich tue dies gerne, denn das Deutsche Archäologische Institut ist dem Auswärtigen Amt ein langer und vertrauter Partner.

Tür und Tor sind ihm stets weit geöffnet, was der engen Verbindung zwischen unseren Häusern entspricht. Auch dem Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) fühlen wir uns in besonderer Weise verbunden; seine Förderung ist Teil unserer Kulturarbeit mit den christlichen Kirchen.

Heute sind wir zusammengekommen, um die Kooperation zwischen dem DAI und dem DEI zu würdigen, die im vergangenen Jahr offiziell begründet wurde. Das Auswärtige Amt war daran nicht ganz unbeteiligt und könnte daher mit Fug und Recht gewissermaßen als Taufpate bezeichnet werden.

Dies sage ich nicht ohne Stolz, denn ich kann mir gut vorstellen, dass sich die neue Partnerschaft zwischen DAI und DEI für beide Seiten als sehr nützlich erweisen wird. Über die rein administrativen Aspekte der satzungsmäßigen Verschränkung beider Institutionen hinaus wird dem DAI eine Ausweitung seiner Präsenz und dem DEI eine Verstärkung seiner Forschungstätigkeit ermöglicht.

Wir dürfen gespannt sein, was sich aus dem Zusatz "Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts" ergeben wird, der sowohl in Amman als auch in Jerusalem am Institutsgebäude des DEI angebracht wurde. In Jordanien ist die Orientabteilung des DAI ja schon lange etabliert – wenn auch nicht mit einer eigenen Außenstelle. In Israel und Palästina jedoch betritt das DAI Neuland. Wird es seinen Aktionsradius im Vorderen Orient ausweiten? Wie werden die Wissenschaftskollegien vor Ort reagieren? Müssen wir gegebenenfalls auch mit politischen Implikationen rechnen?

Damit komme ich zu einem Punkt, der immer wieder hervorgehoben werden muss. Das DAI ist ein wichtiger Akteur unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Es steht nicht nur für Spitzenforschung auf Weltniveau, sondern spielt auch eine wichtige Rolle im interkulturellen Dialog. Das DAI und das DEI genießen - wenn auch mit größenbedingten Unterschieden - international hohes Ansehen und haben in der globalisierten Wissenschaftswelt schon lange tragfähige Netzwerke aufgebaut. Sie setzen Standards und stoßen mit ihren Arbeitsergebnissen immer wieder auf großes Interesse - nicht nur in der deutschen Öffentlichkeit. Im Übrigen haben beide auch früher bereits an geeigneten Schnittstellen direkt zusammengearbeitet und ihre Kräfte gebündelt. Ich nenne hier die bauhistorischen Untersuchungen der Orientabteilung im jordanischen Umm Qais und verweise darauf, dass die Direktorin des DEI in Amman gleichzeitig als Projektleiterin für das DAI auch in Oman aktiv war und immer noch ist.

Gerade heute wird deutlich: Die wissenschaftliche Arbeit zur Erforschung der geschichtlichen und kulturellen Grundlagen moderner Zivilisationen fordert und fördert den Dialog der Kulturen. Sie ist nicht möglich ohne die Bereitschaft zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit über Grenzen hinweg, und sie gibt dieser Zusammenarbeit zugleich neue Inhalte und weitere Ziele. Dabei geht es um Fragen, die nicht nur direkt die Wurzeln der jeweiligen nationalen und kulturellen Identität berühren, sondern die auch direkt die Quelle unserer Zivilisationen in der Alten Welt betreffen.

Archäologie ist Grundlagenwissenschaft - ihr Nutzen ist nicht direkt in Euro und Cent bestimmbar. Aber: ohne Kenntnis unseres "Woher" gibt es auch keine Orientierung für unser "Wohin". Es mag gelegentlich nicht so leicht sein, der Öffentlichkeit den Sinn unseres Engagements in der Archäologie zu vermitteln. Aber das wachsende Interesse, das heutzutage in gut besuchten Ausstellungen sichtbar wird und sich auch in Fernseh- und Kinoproduktionen wiederspiegelt, widerlegt alle Zweifler.

Wir durften ja sogar im November hier im Haus die Vorpremiere einer ZDF Produktion zum jüngsten Fund des DAI-Präsidenten im mongolischen Altai-Gebirge miterleben. Der tatsächliche Sendezeitpunkt dann – Prime Time am Dienstagabend im ZDF – spricht für sich.

Die ewige Frage des "Woher" wird die Menschheit auch in Zukunft umtreiben. Dabei brauchen wir wahrlich nicht zu befürchten, dass uns Forschungsdrang und Erforschenswertes ausgehen.

Die Orientabteilung des DAI und das DEI sind in den Kernländern des Nahen und Mittleren Ostens im Einsatz. Archäologen mit ihren hochmodernen Instrumenten erkunden das Gelände und verhelfen uns zu neuen Erkenntnissen über die Kultur Mesopotamiens, über die Region von Gadara oder Aqaba, über Orte wie Tell Zira´a, Tell Hujayrat oder Umm Quais. Aus der Vergangenheit sind - neben Jersualem selbst - DEI-Grabungen in Kinneret, in der Nähe von Petra oder bei Irbid zu nennen. Das DAI greift noch weiter aus. Es hat nicht von ungefähr eigene Außenstellen in Damaskus und in Bagdad. Weitere Ausführungen dazu überlasse ich besser den Spezialisten, die heute und morgen noch zu Wort kommen werden.

Der "Orient", meine Damen und Herren, ist ein schillernder, von Mythen besetzter Begriff. Gibt es diesen Orient überhaupt? Ist er nicht vielmehrhistorische Kategorie oder gar literarischer Topos? Der wissenschaftlichen Auseinandersetzung verdanken wir es jedenfalls, dass der vermeintlich archaische Begriff "Orient" mit neuem Leben gefüllt wird.

Und sprechen wir nicht vielleicht auch in eher nostalgischer Rückwendung vom West-Östlichen Diwan, selbst wenn wir uns hochpolitischen Inhalten wie dem Dialog der Kulturen zuwenden?

Das DEI hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte und Kulturgeschichte des Heiligen Landes unter besonderer Berücksichtigung der biblischen Epochen und der Entstehung des Christentums wissenschaftlich zu untersuchen. In seiner Stiftungsurkunde wird explizit davon gesprochen, - ich zitiere -

"… auf dem Gebiet der biblischen und kirchlichen Altertumswissenschaft die Beziehungen zwischen den Stätten der heiligen Geschichte einerseits und der gelehrten Forschung und dem Interesse der christlichen Frömmigkeit in der evangelischen Kirche andererseits zu pflegen, zu beleben und zu regeln."

Gegründet wurde das DEI am 19. Juni 1900 auf der Synode in Eisenach, die Stiftung später durch einen kaiserlichen Hoheitsakt bestätigt. Wir haben es also mit einem historischen Schwergewicht zu tun.

Auch das Deutsche Archäologische Institut ist ein solches. Als eines der ältesten deutschen Forschungsinstitute bereits im Jahr 1829 in Rom gegründet, seit 1832 in Berlin ansässig, ist es im Jahr 1874 in die Trägerschaft des Deutschen Reichs übergegangen und wurde beim Auswärtigen Amt angesiedelt.

Dafür sind wir dankbar, und darauf sind wir stolz! Wissenschaftlicher Austausch und werteorientierter Kulturdialog – ich betone dies zum Ende meines Redebeitrags gern noch einmal – wie sie durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DAI - und des DEI - vorgelebt werden, sind ein wichtiges Ziel unserer Außenpolitik. Sie bringen Menschen einander näher und fördern den Austausch unserer Gesellschaften. Sie bilden das tragfähige Fundament, auf dem wir internationale Beziehungen erfolgreich gestalten können.

In diesem Sinne wünsche ich der neuen Partnerschaft Glück und Erfolg! Vielen Dank!

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