Hauptinhalt

Einweihung der Akademie Auswärtiger Dienst, 18.05.2006

18.05.2006

Sehr geehrte Frau Staatsekretärin Ahlers,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Wanjura,
lieber Herr Knieß,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie Auswärtiger Dienst,
liebe Anwärterinnen und Anwärter,
sehr verehrte Gäste,

ich freue mich, Sie heute hier zu begrüßen und mit Ihnen die Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin-Tegel auf dem Gelände der Villa Borsig eröffnen zu können.

Lange, manch einem zu lange hat es gedauert, bis die Aus- und Fortbildungsstätte endlich von Bonn nach Berlin umgezogen ist. Und all diejenigen unter Ihnen, die in den letzten Jahren noch fern von der Zentrale in Ippendorf gearbeitet haben, werden mir zustimmen, wenn ich sage: Dieser Umzug ist ein großer Fortschritt für die Aus- und Fortbildung im Auswärtigen Amt.

Aber wie in Bonn die Akademie – damals noch prosaisch Ausbildungsstätte genannt – bewusst nicht am Rhein lag, sondern etwas abgeschieden am Rande des Kottenforstes, so haben wir es auch in Berlin gehalten: Nicht in der quirligen Mitte, sondern am Rande. Sie brauchen sich nur umzuschauen, um zu merken, in welch ungewöhnlich schöner Umgebung die Aus- und Fortbildung für das Auswärtige Amt stattfinden wird. Die Lage ist schlicht traumhaft. Ich selbst habe das Anfang dieses Jahres bei einer Konferenz mit meinen drei Kollegen aus den baltischen Staaten hier schon einmal erfahren können. Und ich plane auch in Zukunft, mit dem ein oder anderen Kollegen hier zu tagen: Die Villa Borsig ist ja auch das Gästehaus des Bundesaußenministers.

Hier am idyllischen Tegeler See vergisst man fast, dass man in der einer pulsierenden Großstadt ist. Ich höre, dass mitunter auch Seeadler und Füchse vorbeischauen. Die weitläufige Liegenschaft wird nicht zu Unrecht schon als "der schönste Campus Berlins" bezeichnet.

Ich kann alle unter Ihnen, die dieses schöne Gelände noch nicht kennen, nur ermuntern, sie sich einmal in Ruhe anzusehen – mit der gebotenen Vorsicht vor marodierenden Wildschweinen allerdings, besonders nachts: denn die insektenfreundliche Wegbeleuchtung hätte "die Leuchtkraft von Glühwürmchen", wie unlängst in der Hauszeitschrift zu lesen war…

Jetzt, wo der Sommer kommt, bin ich fast ein bisschen besorgt, dass die unberührte Landschaft am Wasser den Lerneifer bei dem ein oder dem anderen Anwärter einschränken könnte. Und ob diese perfekte Idylle wohl die richtige Vorbereitung für Minsk, Kairo, Bagdad oder Kabul ist?

Andererseits – und das beruhigt mich wieder ein bisschen – befinden Sie sich in bester akademischer Umgebung. Direkt um die Ecke liegt der kleine Herrensitz, den wir als Schloss Tegel kennen. Dort verbrachten mit den Brüdern Humboldt zwei der bedeutendsten deutschen Gelehrten ihre Kindheit und Jugend.

Alles in allem sind Sie, liebe Anwärterinnen und Anwärter, schon ein wenig zu beneiden: Wo in Deutschland wird heutzutage ein Studium in einer vergleichbaren Atmosphäre geboten?

Sie haben bei der Ankunft gesehen: Noch sind nicht alle Bauarbeiten an den Gebäuden abgeschlossen. Passenderweise ist gerade das Haus "Europa", das sich hier gleich links anschließt, noch nicht ganz fertig gestellt. Diese Tatsache verwundert mich nicht. Europa ist ja in vieler Hinsicht eine Baustelle, die uns noch lange beschäftigt halten wird – gerade uns in Deutschland, denn wir haben im kommenden Jahr Ratspräsidentschaft. Und dass das Haus „Europa" auch das größte Gebäude auf dem Gelände der Akademie ist, passt ebenfalls: Die EU ist nun einmal unser größtes außenpolitisches Projekt.

Ob es die Europapolitik ist oder internationales Krisenmanagement – ob es Ausländer- und Visarecht ist oder interne Verwaltung: Die Aufgaben des Auswärtigen Dienstes sind enorm vielfältig. Und für diese Aufgaben müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut vorbereitet werden. Die Aus- und Fortbildung für alle Laufbahnen im Auswärtigen Amt ist dafür die zentrale Einrichtung. Ihre Qualität ist ein echter Erfolgsfaktor. Schließlich ist unser Dienst in ungewöhnlichem Maße auf Kompetenz und Einsatzbereitschaft seiner Mitarbeiter angewiesen. Und gerade die hohe Qualifikation unserer Kolleginnen und Kollegen ist die Grundlage für unsere weltweit erfolgreiche Arbeit.

Deshalb haben wir seit der Wiedereinrichtung des Auswärtigen Amtes nach dem Krieg die amtseigene Ausbildung. Sie liefert den Anwärtern in allen Bereichen ihres zukünftigen Berufslebens das nötige Handwerkszeug.

Dabei ist die diplomatische Akademie relativ unabhängig: Die Verantwortung für die Ausbildung des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes sowie für die Rekrutierung der Anwärterinnen und Anwärter liegt zum größten Teil in den Händen der Akademie und Ihres Leiters. Ich glaube, dieses System hat sich über die Jahrzehnte bewährt. Das zeigt nicht zuletzt die ungewöhnlich niedrige Fluktuation in unserem Dienst. Sie ist ein Zeichen für die hohe Berufszufriedenheit und damit ein Beweis dafür, dass das anspruchsvolle Auswahlverfahren und die hervorragende Ausbildung ihren Zweck erfüllt haben. Dabei dürfen wir das "soziale Element" nicht vergessen: Es sind die Ausbildungsjahre, in denen sich eine Corporate identity entwickelt. Es ist der vielbeschworene – und von außen bisweilen etwas misstrauisch betrachtete – Crew-Geist, der durch ein ganzes Berufsleben hinweg hält.

Als Sie, liebe Anwärterinnen und Anwärter, ausgewählt wurden, haben Sie uns überzeugt, dass Sie die Qualifikationen und Fähigkeiten mitbringen, die unser Dienst benötigt. Ich wünsche mir, dass Sie sich Ihr Engagement und Ihre Leistungsbereitschaft, die Sie bisher gezeigt haben, bewahren. Denn wir werden nur dann gemeinsam erfolgreich sein, wenn Sie alle Ihren Beruf nicht nur als einen bloßen Job ansehen, sondern wenn Sie bei allen Aufgaben mit Überzeugung und Herzblut engagiert sind. Wer sich einem solchen Verfahren stellt, wer eintritt in den Auswärtigen Dienst, der hat nicht nur eine Berufs-, er hat auch eine Lebensentscheidung getroffen. Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls auf die Zusammenarbeit mit Ihnen.

An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, allen denjenigen meinen Dank auszusprechen, die den Bau der Akademie begleitet haben und den Umzug von Bonn nach Berlin so schnell und reibungslos durchgeführt haben. Herrn und Frau Sting gilt mein Dank für mehr als sechs Jahre Engagement und Einsatz als Architekten der Akademie.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung danke ich für die Begleitung des Vorhabens, sowie den Mitarbeitern des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung für die Überwachung der Bautätigkeit. Nicht zu vergessen auch all diejenigen, die sich um die Innenausstattung der Akademie sowie die Außenanlagen gekümmert haben.

Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Akademie Auswärtiger Dienst gilt mein Dank für ihren hohen persönlichen Einsatz, der für die erfolgreiche Durchführung dieses Umzugs unerlässlich war.

Und so eine Einweihung ist auch ein Anlass, den Ausbildungsleitungen und den langjährigen Rechts- und Sprachdozenten einmal meinen ganz besonderen Dank auszusprechen. Ihrer großen Bereitschaft, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und die neue Akademie als Chance zu betrachten verdanken wir es, dass die Ausbildung aller Anwärter weiterhin auf dem exzellenten Niveau stattfindet, auf dem wir sie alle kennen.

Ich danke Ihnen allen noch einmal ganz herzlich, dass Sie zum Teil von weit her gekommen sind, um an dieser Feier teil zu nehmen. Ich freue mich, dass Sie der Akademie Auswärtiger Dienst verbunden sind.

Vielen Dank.

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere