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Bericht aus dem Auslandspraktikum: Oman

16.05.2017 - Artikel

Ein Teil der zweijährigen Ausbildung im mittleren Dienst ist das Praktikum an einer deutschen Auslandsvertretung. Christof berichtet hier von seinen Erfahrungen in Oman.

Ein Teil der zweijährigen Ausbildung im mittleren Dienst ist das Praktikum an einer deutschen Auslandsvertretung. Christof berichtet hier von seinen Erfahrungen in Oman.

Fort Nakhal/Oman
Fort Nakhal/Oman© AA/C. Assing

Am Morgen meiner Abreise schneit es zum ersten Mal in diesem Winter. Ein blasser weißer Teppich liegt wie dünnes Baumwolltuch über dem tiefschwarzen Tegeler Forst, der die Akademie Auswärtiger Dienst umgibt. Sieben Stunden später gleiten die automatischen Glastüren des Internationalen Flughafen Maskat zur Seite und geben den Blick frei auf das Land, das für die kommenden neun Monate mein Zuhause sein wird: Das Sultanat Oman. Zwischen der Gebirgskette des Hajar und dem Golf von Oman zieht sich die Capital Area in einem schmalen Band die Küste entlang. Üppige Palmhaine und satte Wiesen, breite Strände und Promenaden. Doch Maskat gibt sich bescheiden, Wolkenkratzer und Prunk wie in den benachbarten Emiraten am Golf sucht man hier vergebens. Dafür aber findet man noch immer das alte, authentische arabia felix in den ursprünglichen Bergdörfern des unzugänglichen Jebel Akhdar-Gebirges, in den vom Staub der Zeit bedeckten Wüstenstädten und Festungen, die von den Abenteuern Sindbad des Seefahrers berichten, im Trubel der Basare im Landesinneren, in den zahllosen Wadis mit ihren schroffen Canyons und kristallklaren Badeseen, im roten Sand der Wahiba-Wüste und natürlich im entspannten, gastfreundlichen Wesen der Omanis.

Arbeit an der Botschaft: Vielfältig und fordernd

Oman liegt im Südosten der arabischen Halbinsel. Die Hauptstadt ist Maskat.
Oman liegt im Südosten der arabischen Halbinsel. Die Hauptstadt ist Maskat.© AA/C. Assing

Die kommenden Monate arbeite ich mich in meinen neuen Beruf ein. In der Zahlstelle und Registratur erlerne ich das Führen der Buchhaltung an einer Botschaft sowie das Verwalten sämtlichen Schriftverkehrs und des Aktenbestands, der Liegenschaften, des Fuhrparks, der Lokal Beschäftigten. In der Passstelle bearbeite ich Passanträge und kümmere mich um die Bedürfnisse der Deutschen, die hier in Oman leben oder Urlaub machen. Krankheits- und leider auch Todesfälle und damit verbundene Rückführungen nach Deutschland gehören ebenso zum Alltag wie der Beistand im Falle der Verhaftung eines Deutschen. Und da Deutschland ein immer beliebteres Reiseziel wird, heißt es besonders während der unerträglich heißen Sommermonate tausende von Visumsanträgen im Akkord zu bearbeiten. Doch nie kommt der Spaß zu kurz, nie geht mir die Freude an meiner Arbeit verloren, was ich zu einem erheblichen Teil meinen überaus sympathischen Kollegen an der Botschaft verdanke. Sie alle haben mich vom ersten Tag an als vollwertigen Mitarbeiter aufgenommen. Das Arbeitsklima ist immer konstruktiv und außergewöhnlich angenehm; schnell bin ich mir sicher, mit meiner Bewerbung für das Auswärtige Amt vor über zwei Jahren eine goldrichtige Entscheidung getroffen zu haben.

Nicht nur Aktenberge: Zeit, das Gastland zu erleben

Nur ein geringer Teil der omanischen Bevölkerung lebt noch als Nomaden.
Nur ein geringer Teil der omanischen Bevölkerung lebt noch als Nomaden.© AA

Neben aller Routine ist es doch eine sehr abwechslungsreiche Arbeit- besonders bleibt mir dabei die regionale Botschafterkonferenz in Erinnerung, die ich zusammen mit dem Botschafter organisieren durfte, und so „Protokoll-Luft“ geschnuppert habe. Angesichts der Kriege in Jemen und Syrien und der Vermittlerrolle, die das Sultanat und auch Deutschland spielen, weht immer wieder ein Hauch von großer Weltpolitik durch die Botschaft Maskat. Ich wälze zwar schwindelerregende Aktenberge, treibe aber auch im Sog des Indischen Ozeans durch gewaltige Korallengärten, tauche mit neugierigen Schildkröten und beobachte das archaische Schauspiel ihrer Eiablage an einsamen Stränden im Vollmondschein, brause mit hohem Tempo im Fischerboot durch den Golf - hart schlägt der Bug gegen die Wellen, Delfine springen aus der Gischt an steuerbord, das Salz des Meeres benetzt die Haut und tränkt die Tücher, die ich mir wie die einheimischen Fischer gegen die sengende Sonne um den Kopf gewickelt habe. Ich plaudere mit Beduinen im Flackerlicht des Lagerfeuers, zwischen Kamelen und Zelten, über uns der Schein der Milchstraße, unter uns der noch warme, weiche Wüstensand. Und noch ehe ich es mich versehe ist meine Zeit in Oman schon wieder um und ich finde mich im herbstlichen Berlin wieder. Nur der Wüstensand in meinen Schuhen zeugt noch davon, dass es nicht nur ein Traum aus tausend und einer Nacht war.

Nach dem Auslandspraktikum geht es weiter

Jebel Shams
Jebel Shams© AA

Mittlerweile ist schon wieder Dezember, wieder liegt ein Hauch von Schnee auf den kahlen Zweigen. Vor genau einem Jahr begann mein Praktikum an der Botschaft Maskat. Unglaublich, wie die Zeit verfliegt! Die Hälfte des sieben-monatigen Schlusslehrgangs ist geschafft, die ersten Klausuren in den Rechtsfächern geschrieben und die Sprachprüfungen absolviert. Nur noch zwei Monate bleiben bis zu den Laufbahnprüfungen. Soeben habe ich, gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten, meinen Posten für die kommenden drei Jahre erfahren. Ein neues Abenteuer auf der anderen Seite der Welt erwartet mich in Mittelamerika!

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