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Eine (Eisen-)Brücke für die deutsch-chinesische Freundschaft

07.03.2018 - Artikel

Kurz nach dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas brachen sieben von uns Attachés als Teil einer Delegation junger deutscher Diplomaten nach Peking auf.

Die Reise war Teil des Austauschprogramms zwischen Auswärtigem Amt und chinesischem Außenministerium. Sie bot uns die Gelegenheit, die aktuellen politischen Entwicklungen der aufstrebenden Weltmacht mit unseren chinesischen Kollegen zu diskutieren und dieses faszinierende Land besser kennenzulernen.

Von Politik bis Pekingente

Sie füllt 66 Seiten Papier, nimmt vorgelesen drei Stunden in Anspruch und erklärt der Welt die Zukunft Chinas: Die Rede des Parteivorsitzenden und Staatspräsidenten Xi Jinping auf dem 19. Parteitag begleitete uns auf Schritt und Tritt. In zahlreichen Gesprächen stellten uns Vertreter von Außenministerium, Zentralkomitee, Denkfabriken und Unternehmen ihre Interpretation der Langzeitpläne bis zum hundertjährigen Parteijubiläum 2049 vor.

Von den neuesten Verästelungen der Seidenstraßeninitiative bis zu den fünf Prinzipien friedvoller Koexistenz als Leitlinien chinesischer Außenpolitik diskutierten wir Unterschiede und Gemeinsamkeiten u.a. in Hinblick auf Nordkorea, das Südchinesische Meer und die Entwicklung der Europäischen Union. Eine Einordnung erhielten wir durch Botschafter Clauss und während der Tagesausklänge im Kollegenkreis der Botschaft, sei es bei einem Spaziergang durch Houhai oder einem Feierabendbier in einer der zahlreichen Mikrobrauereien am Arbeiterstadion.

Attachés in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens mit Blick auf die Verbotene Stadt.
Attachés in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens mit Blick auf die Verbotene Stadt.© AA

Im abwechslungsreichen Programm kam auch die chinesische Kultur nicht zu kurz. Bereits direkt nach der Ankunft standen uns die Tore der Verbotenen Stadt offen, gefolgt von einem Kungfu-Abenteuer im „Roten Theater“. Und was wäre China ohne seine unvergleichliche Küche? Eine kulinarische Reise führte uns von Pekinger Enten über Rinderbrühe aus Lanzhou zu den südostasiatisch geprägten Köstlichkeiten aus Yunnan. Beim Getränkeausschank machte sich dann aber doch die Anti-Korruptions-Kampagne bemerkbar: Statt des gefürchteten Hirseschnapses „Baijiu“ reichte ein Schluck Wein zum Anstoßen.

Eine Reise nach dem Westen

Einen besonderen Höhepunkt bildete unsere dreitägige Reise in die westchinesische Provinz Gansu. Hier bestätigte sich das Bild, welches unsere Gesprächspartner vorher von China gezeichnet hatten: Das eines Landes riesiger Disparitäten, in vielen Teilen mehr Entwicklungsland als Hightech-Nation.

Die eiserne Zhongshan-Brücke über den Gelben Fluss in Lanzhou als Zeichen deutsch-chinesischer Kooperation im Brückenbau.
Die eiserne Zhongshan-Brücke über den Gelben Fluss in Lanzhou als Zeichen deutsch-chinesischer Kooperation im Brückenbau.© AA

Das Auslandsamt der Provinz Gansu zeigte uns eine Besonderheit deutsch-chinesischer Kooperation. Die Zhongshan-Brücke wurde 1909 von einem deutschen Unternehmen in Lanzhou gebaut. Damit war sie die erste feste Überquerung über den reißenden Gelben Fluss. Ausgestattet mit einer hundertjährigen Garantie überstand sie Fluten, Kriege und Schiffsunglücke.

Die Provinz Gansu zeichnet sich durch eine hohe ethnische Vielfalt aus. Im Autonomen Bezirk Gannan der Tibeter besuchten wir das Kloster Labrang, ein geistiges Zentrum des tibetischen Buddhismus. Auf 3500m Höhe zeigte das Dorf Gaxiu, wie sich die Regierung die Ansiedelung tibetischer Nomaden vorstellt. Zu guter Letzt zeigte uns eine Schar herzlicher Ärzte in einem lokalen Krankenhaus die uralte Tradition tibetischer Medizinkunst.

Da das Austauschprogramm dem besseren Verständnis beider Seiten dienen sollte, bedankten wir uns auf der Rückfahrt am 11.11. um 11.11 Uhr bei unseren chinesischen Begleitern mit einem Einblick in die deutsche Karnevals- und Liederkultur.
Nach einer intensiven und erlebnisreichen Woche traten wir mit vielen neuen Eindrücken die Heimreise nach Reiherwerder an. Im März können wir uns revanchieren, dann kommen einige chinesische Kollegen zum Völkerrechtsseminar nach Berlin.

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