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Das Weimarer Dreieck mit Leben füllen

28.03.2018 - Artikel

Mitten im kalten Januar zog es 22 Attachés der 72. Crew Richtung Osten, um Polen, einen der wichtigsten Nachbarn Deutschlands, kennen zu lernen.

Dabei setzten wir uns im Rahmen eines Besuchs der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau auch mit der eigenen Geschichte auseinander. Im Weimarer-Dreieck-Format lernten wir zudem unsere polnischen Kolleginnen und Kollegen kennen. Zurück kehrten wir mit dem Vorsatz, in unserer späteren Arbeit die Beziehungen im Weimarer Dreieck zu pflegen und zu stärken.

Nur drei Tage für eine Reise nach Polen! Bereits in der Planungsphase wurde deutlich, dass diese kurze Zeit eine intensive werden würde.

Trotz der Vergangenheit in die Zukunft blicken

Kranzniederlegung durch Attachés
Kranzniederlegung durch Attachés© Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau

Nach Ankunft in Krakau am Montagmorgen stand uns ein Tag bevor, der den dunklen Kapiteln der deutschen Geschichte gewidmet sein sollte. Unser erstes Ziel: die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim, die uns auf den Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau vorbereitete. 1947 ins Leben gerufen, engagiert sie sich dafür, Brücken zwischen jungen Deutschen und Polen zu bauen. Ziel ist es, die Geschichte der Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg aufzuarbeiten und den Blick auf eine Zukunft in Frieden und Freundschaft zu richten.

Unsere Führung durch das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz begann mit dem Stammlager oder Auschwitz I. Ein besonders emotionaler Moment war dabei die Kranzniederlegung an der Todeswand zwischen Block 10 und 11, vor der tausende Exekutionen von Häftlingen vollstreckt wurden. Wortlos vor Entsetzen und Trauer, und mit dem Gefühl “Nie wieder!”, besuchten wir auch das Vernichtungslager Birkenau, das wohl bekannteste Symbol der industrialisierten Menschenvernichtung durch die Nazis.

Anschließend hatten wir das Privileg, mit dem Auschwitz-Überlebenden Karol Tendera ein langes, offenes Gespräch führen zu dürfen. Die Begegnung erfüllte uns mit Erfurcht und Bewunderung für Karol Tendera und seine Fähigkeit, zu vergeben und trotz allem an das Gute im Menschen zu glauben.

Im Zeichen des Weimarer Dreiecks

Die 72. Crew in der Botschaft Warschau
Die 72. Crew in der Botschaft Warschau© AA

Am zweiten Tag unserer Reise ging es vor allem um eins: Das Weimarer Dreieck mit Leben zu füllen. Bereits am Morgen gab es ein herzliches Wiedersehen mit unseren homologues aus Frankreich, mit denen wir gemeinsam vom französischen und deutschen Botschafter über aktuelle Arbeitsthemen informiert wurden. Danach war es endlich an der Zeit, unsere polnischen Kolleginnen und Kollegen an der Diplomatischen Akademie in Warschau zu treffen.

Trotz kleiner Verschiedenheiten in unseren Ausbildungsprogrammen beschäftigen uns zum Ende der Ausbildung ähnliche Fragen: Wann werden wir wissen, ob wir ins Ausland versetzt oder in unseren Hauptstädten arbeiten werden? Werden wir unserer bisherigen Spezialisierung folgen können? Und wie lernt man am effektivsten eine neue Sprache?

Als dieser Tag, an dem wir auch den polnischen Europaminister Konrad Szymański treffen, sich dem Ende neigt, sind wir uns sicher: Der gute Kontakt zu den polnischen und französischen Kollegen wird uns in unserer diplomatischen Karriere außerordentlich nützlich sein. Bei einem traditionellen polnischen Abendessen und einem Spaziergang durch das nächtliche Warschau vertiefte sich der Austausch noch in gemütlicher Atmosphäre.

Ein demokratischer und menschenrechtlicher Parcours

Sehenswürdigkeiten der Warschauer Stadt
Sehenswürdigkeiten der Warschauer Stadt© AA

Zum Abschluss unserer Polenreise konnten wir einen Einblick in die Institutionen gewinnen, die für Demokratie und Menschenrechte stehen – Werte, die uns als zukünftigen deutschen Diplomatinnen und Diplomaten ganz besonders am Herzen liegen. So diskutierten wir mit dem polnischen Beauftragten für Bürgerrechte Dr. Adam Bodna und den Mitarbeitern aus dem Office for Democratic Institutions and Human Rights (ODIHR) der OSZE über aktuelle Herausforderungen und wie sie angegangen werden können.

Am Abend, auf dem Rückflug nach Tegel, beschäftigen uns noch die vielen Eindrücke, die wir auf dieser kurzen, aber intensiven Reise gewonnen haben. Als Teil des Weimarer Dreiecks fühlen wir uns den Werten der Europäischen Union wie Demokratie und Menschenrechte verpflichtet und hoffen, dass wir, und auch nachfolgende Crews, einen Teil zum Gelingen der europäischen Integration beitragen können.

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