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Diplomatisches Kerngeschäft: Rechts- und Konsularwesen

11.02.2016 - Artikel

Zu den Aufgaben des Auswärtigen Dienstes gehört unter anderem die Hilfe für Deutsche im Ausland. Juristische Grundkenntnisse sind hierfür unabdingbar und so erlangten wir in acht Wochen Einblicke in das Rechts- und Konsularwesen.

„Herzlich willkommen zum Höhepunkt Ihrer Ausbildung!“ Mit diesen verheißungsvollen Worten begrüßte uns an einem grauen Oktobermorgen eine gut gelaunte Rechtsdozentin. Lag in ihren Worten etwa ein ironischer Unterton? Wir waren uns nicht sicher. Acht Wochen Rechts- und Konsularwesen standen auf unserem Stundenplan.

Die Gesetzesmaterialien sind zahlreich.
Die Gesetzesmaterialien sind zahlreich.© AA

„RK“, wie Rechts- und Konsularwesen „im Amt“ abgekürzt wird, zählt zum diplomatischen Kerngeschäft. Zu den Aufgaben des Auswärtigen Dienstes gehört es unter anderem, Deutschen im Ausland Hilfe und Beistand zu leisten. Und wer an einer Auslandsvertretung Deutsche mit einem neuen Reisepass, der Nachbeurkundung einer Geburt oder der Beglaubigung einer Willenserklärung versorgen möchte, kommt um juristische Grundkenntnisse nicht herum. Für Nicht-Deutsche wiederum haben unsere Auslandsvertretungen im Bereich RK vor allem Eines zu bieten: Visa. Und dafür braucht man, genau, Kenntnisse im Ausländerrecht.

Grundlagen in zahlreichen Rechtsgebieten

Für all diese Aufgaben gibt es im Auswärtigen Amt wahre Experten: unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem gehobenen Dienst, die sich in einem dualen Studiengang drei Jahre lang unter anderem darauf spezialisieren. In unserem Vorbereitungsdienst sind immerhin acht Wochen Blockunterricht vorgesehen, die die Grundlagen im Asylrecht, Ausländerrecht, Familienrecht, Internationalen Privatrecht, Staatsangehörigkeitsrecht, Allgemeinen Verwaltungsrecht und Zivilrecht vermitteln. Für die Volljuristen der Crew eine wichtige Vertiefung ihrer Kenntnisse aus Studium und Referendariat. Für die Nicht-Juristen der Crew acht Wochen, um wenigstens einige Einblicke in eine Welt der Paragraphen zu erhaschen, die ihnen bislang doch recht fremd war.

Crew-Mitglieder mit unterschiedlichem Studienhintergrund

Vorlesungs-Alltag.
Vorlesungs-Alltag.© AA

Während frühere Crews noch mehrheitlich aus Juristen bestanden, sind wir heute deutlich diverser aufgestellt. Viele von uns haben einen Abschluss in Politikwissenschaften oder Internationalen Beziehungen und auch Mathematiker, Kunsthistoriker oder Unternehmensberaterinnen bereichern unsere Crew. Ganz ohne Juristen kann und will das AA dennoch auch heute nicht auskommen. Es gibt Aufgaben an den Botschaften und Konsulaten, für die das zweite juristische Staatsexamen Voraussetzung ist (bei Interesse bitte im Beurkundungsgesetz nachschlagen). Und so kam es, dass wir eine temporäre Spaltung unserer Crew in Kauf nehmen mussten. Zwischen Juristen- und Nichtjuristengruppe lagen räumlich zwar nur wenige Hörsäle, zwischen ihren juristischen Vorkenntnissen aber Welten.

Egal, ob mit oder ohne Vorkenntnisse: Wir haben „RK“ überlebt. Und sind nicht nur um intensive Klausurerfahrungen reicher, sondern auch um einige skurrile Erkenntnisse. Jedenfalls müssen wir jetzt bei jedem morgendlichen Brötchenkauf daran denken, dass bei dieser scheinbar simplen Transaktion mehr als ein halbes Dutzend Willenserklärungen abgegeben werden. Für den einen oder anderen hatten die RK-Wochen aber auch ganz praktischen Nutzen. Fragen Sie mal den Kollegen, der im Ausland geheiratet hat und seine Eheschließung nun auch im Inland anmelden will...

Blogeintrag von Matthias Nothacker

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