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Tafelspitz und Atomwaffensperrvertrag

09.04.2015 - Artikel

Die Attachés der 69. Crew berichten von ihrer fünftägigen Lehrbesichtigungsfahrt nach Wien und den Gesprächen in Bratislava.

In diesem Beitrag geht es um die Lehrbesichtigungsfahrt eines Teils der 69. Crew nach Wien und Bratislava. In einem weiteren Beitrag wird im Übrigen die zweite Gruppe von ihrem zeitgleichen Besuch in Genf und Bern berichten.

"Nichts trennt Deutsche und Österreicher so sehr wie die gemeinsame Sprache." Was Karl Kraus Ende des 19. Jahrhunderts konstatierte, meint mancher auch heute noch zu beobachten: Eine Illusion von Nähe durch gemeinsames Vokabular, hinter der sich kulturelle Abgründe verbergen. Wenn das auch übertrieben sein mag, kokettiert wird doch immer wieder gerne mit der Behauptung. Und so waren wir auf unsere Wien-Reise gespannt: In fünf Tagen würden wir Gelegenheit haben, hinter viele Kulissen zu schauen. Wie oft würden wir der Worte des österreichischen Schriftstellers dabei gedenken müssen?

Die halbe Crew in der Wiener Hofburg bei der OSZE
Die halbe Crew in der Wiener Hofburg bei der OSZE© AA/Florian Ries

Zunächst einmal: Wien empfing uns mit offenen Armen, viel Kaffee und Burgenland-Wein und vor allem – Sonnenschein. Das Wetter war so gut, dass das Programm von dem sehnsuchtsvollen Blick nach draußen ablenken musste. Aber schließlich hatten wir es selbst zusammengestellt – getragen von großer Hilfsbereitschaft seitens unserer jeweiligen Gastgeber – und konnten so vielen Wunschterminen entgegensehen.

Grundsätzlich teilten diese sich in drei Gruppen: In Besuche unserer eigenen Vertretungen – der Botschaften in Wien und Bratislava sowie der Ständigen Vertretung bei den Internationalen Organisationen in Wien; in bilaterale Treffen im österreichischen und slowakischen Außenministerium sowie in Gespräche bei Internationalen Organisationen. Letzteres gestaltete sich besonders spannend und abwechslungsreich: Wien ist ein "Bauchladen der Internationalen Organisationen", wie es einer unserer Gesprächspartner ausdrückte. Das klingt flapsig, meint aber vor allem: Hier ist ein breites Spektrum von Verbänden, Nichtregierungsorganisationen oder Interessensvertretungen ansässig. Wien ist einer der vier weltweiten Hauptsitze der Vereinten Nationen, in deren Umfeld sich zahlreiche weitere Organisationen angesiedelt haben.

Internationale Organisationen: Der Wiener Bauchladen

Für unsere Reise hieß das: Wir lernten bei der "Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen" (Comprehensive Nuclear-Test Ban Organisation, CTBTO), seit wann Nuklearwaffentests erfolgreich kontrolliert und vermieden werden. Mit Vertreterinnen und Vertretern der Internationalen Atomenergiebehörde sprachen wir über ihre Arbeit, besonders in diplomatisch schwierigen Fällen wie Iran. In der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wohnten wir der wöchentlichen Konferenz der Mitgliedstaaten bei, Thema natürlich: Ukraine. Und schließlich stand bei den Vereinten Nationen noch ein Vortrag zur Drogenpolitik mit Blick auf Afghanistan auf dem Programm.

An Themenvielfalt mangelte es also nicht. Und zudem wurden wir auch in den beiden Außenministerien in Wien und Bratislava sehr herzlich aufgenommen und mit viel Zeit und Informationen bedacht. Schließlich ist Deutschland mit Österreich, wenn man die Größe des Nachbarstaates berücksichtigt, schon rein handelsmäßig so eng verdrahtet wie mit keinem anderen Land. Und noch ein Punkt wurde uns im Laufe der Reise mehr und mehr bewusst: die Lage Österreichs in der Mitte Europas, die Nähe der "neueren" EU-Mitgliedstaaten – und deren Blick auf aktuelle Fragestellungen.

Wiens und Bratislavas Blick auf Europa

Und dann haben solche "Klassenfahrten" natürlich angenehme Nebeneffekte. Man lernt sich (noch) besser kennen – und wir haben festgestellt, auch nach neun Monaten "Klausur" im Tegeler Forst einander noch nicht überdrüssig zu sein!

Ach ja, die Gräben. Nein, eigentlich gebe es die nicht, wurde uns allenthalben versichert. Eine Einschränkung dazu wurde dann doch noch in der deutschen Außenhandelskammer erwähnt: "Nun gut, wenn wir ankommen und den Österreichern erzählen wollen, wie man’s besser macht, das kommt nicht so gut an." Ach? "Naja, aber das ist eigentlich überall so." Eben. Wir merken uns also: Mit ein bisschen Zurückhaltung hat ein Deutscher in Österreich keine Probleme. Stattdessen wahrscheinlich viel Spaß. Wir jedenfalls hatten ihn.

Blogeintrag von Kirsten Staudt

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