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SCHÖNER REDEN SCHREIBEN

02.03.2015 - Artikel

Texten bis zum Umfallen - in der Schreibwerkstatt beschäftigten sich die Attachés der 69. Crew mit den Grundlagen guten Schreibens und lernten amtsinterne Formate kennen.

Texten bis zum Umfallen - in der Schreibwerkstatt beschäftigten sich die Attaché(e)s der 69. Crew mit den Grundlagen guten Schreibens und lernten amtsinterne Formate kennen.

Die 69. Crew bei der Schreibwerkstatt
Texten bis zum Umfallen - die 69. Crew im kreativen Chaos© AA/Florian Ries

Im Auswärtigen Amt ist vieles besonders und manches anders. Dass wir als Neuankömmlinge einiges zu lernen haben würden, war uns Attachés klar. Dass die Grundschulkompetenz SCHREIBEN dazugehört, überraschte uns aber doch. In der Schreibwerkstatt lernten wir die amtsinternen Formate kennen und durften uns zusätzlich als Redenschreiber versuchen.

Auch wenn es uns – und mit dem Pronomen „uns“ ist die Hälfte unserer 69. Attaché-Crew im Auswärtigen Amt gemeint, welche, während die andere Hälfte sich im Verhandeln übte, an einer hilfreichen Schreibwerkstatt teilnahm – in eben dieser Veranstaltung mit Nachdruck empfohlen, ja sogar beinahe eingedrillt wurde, unter keinen Umständen – außer in begründeten Ausnahmefällen, die in der Realität eigentlich nie vorkommen – schwer verständliche Schachtelsätze mit langen Wegen zwischen Subjekt und Prädikat zu verwenden, dabei auch nur sparsam Substantivierungen und Fremdworte zu verwenden und stattdessen lieber in aktiven Sätzen mit plastischen Verben unsere Botschaft an den Mann, die Frau und das Kind zu bringen, gleichzeitig immer darauf achtend, dass besagte Sätze auf keinen Fall zu nichtssagenden Omnibus-Phrasen mit mehr als fünfundzwanzig Worten aufwachsen würden, konnten wir es uns an dieser Stelle in unserem grenzenlosen Enthusiasmus und unserer überschwänglichen Mitteilungswilligkeit nicht versagen, einen ebensolchen Satz in die Welt zu setzen.

Nein, so geht das nicht! Auf ein Neues: Wir texteten drei Tage lang, was das Zeug hält. Aus langen, geschwurbelten, phrasentriefenden Ungeheuern machen wir ab heute kurze und aktive Sätze. Kurze Sätze. Pro Satz weniger als 25 Worte. Uns mit Schachtelsätzen wie dem obigen in Mann'sche Sphären aufschwingen - das geht nur noch außerhalb der Dienstzeit.

Weniger schreiben und mehr Inhalt vermitteln

Wie schreiben wir klar und strukturiert? Kann Information auch interessant verpackt sein? Weniger schreiben und gleichzeitig mehr Inhalt vermitteln: Nur so können wir in Zukunft den Amts-Triathlon aus Drahtbericht, Leitungsvorlage und Vermerk gewinnen.

Mit der Rede ist das auch so eine Sache. Schreiben für jemand anderen. Und dann auch noch so, dass sich die Zuhörer angesprochen und gut unterhalten fühlen. Das, so lernten wir, klappt am besten mit bildhafter Sprache.

Wenn die gute Rede der See in Tegel wäre, dann wäre jede Metapher eine Insel. Die Ruderboote wären Botschaften, die gut sichtbar den See durchpflügen, während der Redenschreiber als Steg ins Wasser ragt. Wir Attachés hängen wohl eher als verwitterter Steg im Trüben und hoffen darauf, den Winter zu überstehen. Die Villa am Wasser ist unsere Rednerin. Wartend und hoffend, dass der See heute glasklar und ergreifend schön ist.

Von Dorota Berezicki und Mariko Higuchi (mit Dank an Heiko Schwarz für den Schachtelsatz)

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