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Außenpolitik für die Kamera - Attaché(e)s beim Medientraining

26.09.2014 - Artikel

Zum Aufgabenfeld der angehenden Diplomatinnen und Diplomaten der 69. Crew wird auch die Zusammenarbeit mit Medienvertretern gehören. Sie werden die deutsche Außenpolitik erklären müssen und sollen dabei auch dann bestehen, wenn vielleicht einmal eine Kamera auf sie gerichet ist. Um sie auf diese Herausforderung vorzubereiten, durchlaufen die Attaché(e)s im Rahmen ihres Vorbereitungsdienstes ein dreitägiges Medientraining. Lorenz Strittmatter berichtet von seinen Eindrücken.

'Außenpolitik als Produkt. Außenpolitik vermarkten. Außenpolitik verkaufen.' Es waren ungewohnte Töne, die der Medientrainer zur Eröffnung des dreitägigen Trainings anschlug.

Klar war uns bereits zu Beginn, dass Außenpolitik verständlich dargestellt werden muss. Klar war aber auch, dass das "Produkt Außenpolitik" nicht mit einem Fruchtjoghurt zu vergleichen ist. Wie also vermittelt man Außenpolitik überzeugend? Unser dreitägiges Medientraining bewegte sich in einem Spannungsfeld.

Nach lebhafter Diskussion stand die Zielrichtung unseres Kurses fest: Wir wollen lernen, Deutschlands Positionen zu vertreten, zu erklären, nötigenfalls zu verteidigen. Und dabei glaubwürdig bleiben, nicht belehrend auftreten oder uns hinter Floskeln verstecken.

Floskeln und "Amtssprech" ablegen lernen

Bei den ersten Gehversuchen vor der Kamera stellte sich leider schmerzlich schnell heraus, dass der untrainierte angehende Diplomat durchaus zu Phrasen und Standardfloskeln neigt, wenn es ernst wird.

Dann "geht der Staatsekretär in die Fläche" und die "aktuell noch andauernden Untersuchungen werden intensiviert fortgesetzt". Diesen 'Amtssprech' galt es abzulegen und stattdessen überzeugende Botschaften anzubringen.

Im Interview mit der Trainerin
Im Interview mit der Trainerin

Drei Tage lang wurden wir wieder und wieder ins erbarmungslose Scheinwerferlicht geschickt. Die Themen: Schuleröffnungen, Seuchenbekämpfung und Waffenlieferungen.

Themen, die uns und Deutschland angehen. Die teilweise sehr kompliziert sind. Und gerade deshalb anschaulich und verständlich erklärt werden müssen.

Alle müssen ins erbarmungslose Scheinwerferlicht

In Beispielsituationen ging es zur Sache. Mit kurzer Vorbereitung gaben wir Interviews zu Szenarien, welche die deutsche Außenpolitik bewegen oder in den vergangenen Jahren bewegt haben.

Zart angefasst wurde dabei keiner. Eben noch ein freundliches Lächeln auf den Lippen der Journalistin, dann saust schon die Frage wie ein Schwert herab: "70 Jahre nach Kriegsende werden jetzt endlich die letzten Zwangsarbeiter entschädigt. Schämen Sie sich, dass das so lange gedauert hat?"

Dann heißt es: unsere Anstrengungen betonen, aber auch zu Fehlern stehen. Verantwortung übernehmen für andere, auch als Spätgeborener. Denn das ist der Auswärtige Dienst: Deutschland vertreten, auch wenn es an Deck stürmisch wird.

Und das ist für unsere Crew die Lehre des Medientrainings: dass wir Deutschland dann am besten vertreten können, wenn wir unsere Botschaften klar senden und Außenpolitik verständlicher machen. Nicht, um etwas zu verbergen, sondern um uns zu zeigen. Nicht als Vermarktungsstrategie, sondern als Dienst an den Bürgerinnen und Bürgern, denen wir verpflichtet sind. So machen wir Außenpolitik für alle besser.

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