Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Und doch wieder Hausaufgaben...

28.07.2014 - Artikel

Zwei Schüler, die schon einmal Lehrer waren: Annika und Sebastian berichten, wie es sich anfühlt, vom Lehrerpult wieder zurück auf die Schulbank zu wechseln

Zwei Schüler, die schon einmal Lehrer waren: Annika und Sebastian berichten, wie es sich anfühlt, vom Lehrerpult wieder zurück auf die Schulbank zu wechseln:

„Heute Abend hab’ ich leider keine Zeit, ich muss noch Hausaufgaben machen.“
Irgendwie fühlt sich dieser Satz komisch an. Unsere Freunde müssen oftmals schmunzeln, wenn sie das zu hören bekommen. In der Tat scheint es etwas seltsam: Anfang 30, mit abgeschlossenem Studium und Berufserfahrung in Schülerzeiten zurück versetzt zu werden. Hausaufgaben – das war nun wahrlich schon ziemlich lange her. Zumindest aus der Schülerperspektive. Aus der Lehrerperspektive gilt das nicht für alle von uns.

Denn zwei von uns waren in unserem vorherigen Leben Lehrer. Okay, vielleicht eher anderthalb: Sebastian war richtiger Lehrer und Annika war für Teach First Deutschland an einer Berliner Brennpunktschule tätig, als quasi-Lehrerin.

Von der Schule in die Schule

Attachés der 69. Crew
Zurück auf die Schulbank© Florian Ries

Wir kommen also von der Schule in die Schule : Seit Anfang Mai 2014 drücken wir die „Schulbank des Auswärtigen Amts“. Ähnlich wie der Stundenplan von unseren ehemaligen Sechst- oder Siebtklässlern in Münster und Berlin bekommen auch wir Woche für Woche einen Plan vorgelegt. Straff organisiert, ordentlich getaktet, mit Pausen als überlebensnotwendigen Elementen. Und als wir bei hochsommerlichen Temperaturen in überhitzten Seminarräumen Zeiten des Hitzefreis herbei gesehnt haben, da mussten auch wir lachen und dabei an unsere ehemaligen Schüler denken.

Aber wie und warum kommen Lehrer ins Auswärtige Amt? Fachlich ähneln unsere Lebensläufe denen unserer Kollegen: Ein Hochschulstudium aus Bereichen wie Politik, Sprachen, Wirtschaft, Jura oder Geschichte, sowie akademische oder berufliche Auslandsaufenthalte. Insofern waren auch wir für den Auswahltest ganz gut gerüstet. Hinzu kommen einige Gemeinsamkeiten zwischen Lehrern und Diplomaten. Für beide ist der Umgang mit Menschen entscheidend. Schon für Bismarck war Diplomatie die „Arbeit am Menschenfleisch“. Nicht zuletzt ist es für beide zentral Inhalte plausibel und überzeugend vermitteln zu können.

Abwechslungsreich sind sicherlich beide Berufe – in der Schule bedingt durch die Begegnung mit Jugendlichen, im Auswärtigen Amt durch den Austausch mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen. Hier kommt noch hinzu, dass man durch den Postenwechsel alle drei bis fünf Jahre ganz neue berufliche Kontexte vorfindet und die gelernten Fremdsprachen in einem authentischen Umfeld benutzt.

Der Koch freut sich, wenn er bekocht wird

Ob wir sie nicht vermissen, unsere Schüler, werden wir oft gefragt. Ob uns nicht das Unterrichten fehlt. Oder auch der praktische Bezug. Das Konkrete, das Handfeste. Und wie wir überhaupt auf Außenpolitik kommen. Und dann auch noch das Auswärtige Amt.

Na klar vermissen wir unsere Schüler: Der tagtägliche Umgang mit Menschen, die erst noch dabei sind die Welt und ihren eigenen Platz in ihr zu entdecken, motiviert und bereichert. Menschen in ihrer Entwicklung zu beobachten, zu sehen wie sich Charaktere formen und sie zu befähigen, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden, sind erfüllende Aufgaben. Weniger erfüllend sind Korrekturen mehrerer Klassensätze am Wochenende oder langatmige Lehrerkonferenzen nach einem anstrengenden Unterrichtstag.

Mit dem Unterrichten geht es uns wie dem Koch: Der freut sich in der Regel, wenn er bekocht wird und sich die Mühe der Auswahl, der Vorbereitung und des Anrichtens sparen kann. Allerdings hat er natürlich auch hohe Ansprüche an das fertige Gericht, da er genau weiß, wie man es zubereitet. Und so sitzen wir eben manchmal schmunzelnd in unseren Seminaren und Vorlesungen – und würden gerne die eine oder andere Zutat hinzufügen.

Während der verbleibenden zehn Monate (vier haben wir bereits hinter uns) sind wir nun die Schüler, die schon einmal Lehrer waren. Nur noch für uns selbst verantwortlich, mit Input aus Geschichte, Europa, Völkerrecht, Wirtschaft und Politik. Wir haben also wirklich den ganzen Tag Zeit nur fürs Lernen. Das ist schon was. Schülerdasein reloaded. Dass wir nicht alle Schülerattitüden verlernt haben, ist auch irgendwie sympathisch. Und sich über hausaufgabenfreie Zeiten zu freuen, hält hoffentlich jung.

von Annika Engels und Sebastian Kleve

Verwandte Inhalte

Schlagworte

nach oben