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Unverzagt, mitten im Krieg

21.11.2017 - Artikel

Mit einer kleinen Gruppe haben wir die Ukraine besucht. Besonders beeindruckt hat uns die aktive Zivilgesellschaft dort.

Borschtsch, Maidan, Klitschko - unsere Fahrt in die Ukraine hatte viele Höhepunkte kulinarischer, politischer und sportlicher Art. Insgesamt zehn Attachés durften eine Woche lang in die ukrainische Kultur und Politik eintauchen und sich auch mit ukrainischen Jungdiplomaten austauschen. 

Unsere Gruppe mit stellvertretender Ausbildungsleiterin Ellen Harte (5.v.l.) vor der Sophienkathedrale in Kiew. 
Unsere Gruppe mit stellvertretender Ausbildungsleiterin Ellen Harte (5.v.l.) vor der Sophienkathedrale in Kiew. © Deutsche Botschaft Kiew

Kiew liegt nur zwei Flugstunden von Berlin entfernt. Aber wer hier aus dem Flugzeug steigt, betritt eine andere Welt: Orthodoxe Kirchen mit elegant getünchten Backsteingebäuden, innen mit Fresken verschönert, oben mit opulenten Goldkuppeln verziert, dominieren das Stadtbild der Hauptstadt der Ukraine. Trotz der oberflächlichen Idylle sind es bewegte Zeiten, in denen wir uns in Kiew einfinden. In der Ostukraine herrscht immer noch Krieg, die Annexion der Krim ist gerade mal drei Jahre her. Am Maidan, dem Platz der Unabhängigkeit, erinnern große Plakate und Gedenktafeln an die Opfer der Euromaidan-Proteste vor drei Jahren, während vor dem ukrainischen Parlament wieder demonstriert wird. 

Durch den Krieg ist die Ukraine enger zusammengerückt, sagen unsere Gesprächspartner. Die Menschen identifizieren sich heute mehr als Ukrainer. In einem Restaurant im unterirdischen Shoppingcenter unter dem geschichtsträchtigen Maidan werden von Wein bis zur Wurst ausschließlich ukrainische Produkte verarbeitet, die Wände sind behangen mit Revolutionsdevotionalien.

“Propaganda-Krieg” und Kampf gegen Korruption

Große Sorgen bereitet den Ukrainern nicht nur der immer noch andauernde militärische Konflikt im Osten des Landes. Aus zahlreichen Gesprächen wird ersichtlich, dass sich die Ukrainer um das Bild ihres Landes im Ausland sorgen. Sie sprechen von einem “Propaganda-Krieg” Russlands in den Medien. Dabei zeigen insbesondere die Gespräche mit jungen Studierenden und Aktivisten, dass die Ukraine über eine äußerst wache und aktive Zivilgesellschaft verfügt, die sich politisch engagiert und bemüht ist, die Situation im Land zu verbessern.

Wichtige Themen in unseren Gesprächen mit Abgeordneten der Rada, dem ukrainischen Parlament, sowie mit Politikern in der Region Lemberg sind Korruptionsbekämpfung und Dezentralisierung. Insbesondere junge Abgeordnete, die durch die pro-europäischen Maidan-Proteste politisiert worden sind, prangern die noch weit verbreitete Korruption an und zeigen sich entschlossen, dem großen ökonomischen und politischen Einfluss einiger Oligarchen entgegenzutreten.

Harte Verhandlungen um die Rolle der Ukraine in Europa

Die Ukraine orientiert sich immer mehr nach Westen. Passend dazu verhandeln wir im von der ukrainischen Diplomatenakademie organisierten Verhandlungstraining mit jungen ukrainischen Diplomaten einen möglichen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Zollunion. Dabei spielt die deutsche Delegation die ukrainische Seite, die Ukrainer nehmen die Rolle der Europäischen Union ein - eine hilfreiche Übung für beide Gruppen, um die Erfahrungen und Positionen der anderen Seite nachvollziehen zu können.

Die Reise in die Ukraine fand anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Ukraine statt. Wir hoffen aber, dass der Austausch mit der Ukraine auch zukünftig Bestandteil der Attaché-Ausbildung sein wird. Weitere Eindrücke von unserer Reise finden sich in der Bildergalerie.



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