Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Campus-Tag: Fokus Jurist und Diplomat

27.06.2016 - Artikel

Für vertrags- und arbeitsrechtliche Sachverhalte bedarf es juristischer Expertise. Daher möchte das Auswärtige Amt qualifizierte Juristinnen und Juristen für sich gewinnen. Während des Campus-Tags am 21.06. gab es dazu besondere Informationsangebote.

In welchem rechtlichen Rahmen können Auslandseinsätze der Bundeswehr durch den Bundestag mandatiert werden? Wie beurteilt das Auswärtige Amt die völkerrechtliche Lage im südchinesischen Meer? Spannende Fragen, mit denen sich besonders Juristinnen und Juristen im Auswärtigen Amt auseinandersetzen müssen. Auch für vertrags- und arbeitsrechtliche Sachverhalte bedarf es juristischer Expertise. Daher sucht das Auswärtige Amt auch qualifizierte Juristinnen und Juristen für den Einsatz in Berlin und an den deutschen Auslandsvertretungen. Während des Campus-Tags am 21.06. gab es dazu besondere Informationsangebote.

Teilnehmerin des Campus-Tags bei einem simulierten Auswahlverfahren
Teilnehmerin des Campus-Tags bei einem simulierten Auswahlverfahren© AA

Konkretes Beispiel: Eine Kollegin berichtet von ihrem Werdegang

Viele der interessierten Besucherinnen und Besucher mit rechtswissenschaftlichem Hintergrund hatten sich bereits im Vorfeld über die Tätigkeit im Auswärtigen Amt informiert. Für sie ging es während des Campus-Tags darum, die Informationen durch konkrete Beispiele und Erfahrungen aus der diplomatischen Praxis anschaulich zu ergänzen.

Genau diese Erwartungen erfüllte Annette Weerth, die von ihrem eigenen beruflichen Werdegang im Auswärtigen Dienst berichtete. Zunächst war sie an der Ständigen Vertretung beim Europarat in Straßburg u.a. für die beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängigen Fälle zuständig. Dann bearbeitete sie in der Personalabteilung in Berlin arbeits- und beamtenrechtliche Fälle, bevor sie "ganz unjuristisch" eine Station als Wirtschaftsreferentin in Santiago de Chile absolvierte. Aktuell ist sie wieder in Berlin und kümmert sich im Referat für internationales Strafrecht um internationale Fahndungen und Rechtshilfeersuchen. Die vielfältigen Stationen illustrieren zweierlei: Zum einen unterliegen auch Juristen der normalen Rotation, d.h. dem Postenwechsel alle 3-4 Jahre und zum anderen müssen sie wie alle anderen Kolleginnen und Kollegen das Zeug zum Generalisten haben.

Flexibles Einarbeiten in neue Sachverhalte

Der Leiter der Akademie, Botschafter Freitag, stellte eine Kernkompetenz von Diplomatinnen und Diplomaten heraus: "Sie müssen sich schnell in neue Sachverhalte einarbeiten können, da Sie im Laufe Ihrer Karriere ganz unterschiedliche Themen bearbeiten werden. Sie fangen jedoch nicht bei Null an. Sie führen die Arbeit der Kollegen fort, bringen neue Perspektiven ein und gestalten mit. Als deutscher Diplomat vertreten Sie nicht die Interessen irgendeines Mandanten, sondern sprechen für Deutschland. Das ist schon etwas Besonderes."

Vorlesung am Campus-Tag über das Auswärtige Amt
Vorlesung am Campus-Tag über das Auswärtige Amt© AA

Als Hürde wird bisweilen die 14-monatige Ausbildung an der Akademie Auswärtiger Dienst gesehen, die sich an ein langes Studium, das Referendariat und manchmal eine Promotion anschließt. Im Gespräch stellte sich jedoch schnell heraus, dass dies häufig weniger eine Abschreckung, sondern eher einen Anreiz darstellt. "Ich würde mich freuen, meine juristischen Fachkenntnisse durch Wissen aus Politik, Geschichte und Wirtschaft zu ergänzen. Ich glaube, die Ausbildung an der Akademie ist in diesem Sinne eine tolle Chance", so ein Besucher, der vor Kurzem seine Bewerbung eingereicht hat. Ein weiterer Punkt, der Juristen regelmäßig beschäftigt: Gibt es eine Notenbeschränkung bei der Bewerbung? "Nein, die gibt es nicht", so Botschafter Freitag. Gewiss zählten auch die Noten im Bewerbungsprozess, aber was nütze dem Amt ein Einser-Jurist, der nicht anpassungsfähig ist und dem es an sozialer und interkultureller Kompetenz mangelt?

Ausbildungsstation im Auswärtigen Amt als erster Eindruck

Abschließend gab es noch einen Tipp für diejenigen, die noch das zweite Examen noch vor sich haben: Eine gute Möglichkeit für angehende Volljuristen, das Auswärtige Amt näher kennenzulernen, ist eine Ausbildungsstation im Juristischen Vorbereitungsdienst in deutschen Auslandsvertretungen oder in der Zentrale des Auswärtigen Amts. Während solcher Station gewinnt man einen direkten Einblick in die Arbeit des Auswärtigen Amtes und kann danach klarer beurteilen, ob man sich das Leben als Diplomat vorstellen kann.

Blogeintrag von Fabrizio Micalizzi

Verwandte Inhalte

Schlagworte