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Die Liste

21.02.2017 - Artikel

Im Sommer 2017 ist es für die "71. Crew" soweit. Der erste Auslandsposten kommt, doch wie entscheidet man sich?

Arbeiten in New York oder Rio, Tokyo oder Rom? Für viele Menschen ein Traum. Deutsche Diplomatinnen und Diplomaten ziehen in der Regel alle drei bis fünf Jahre um und werden an deutsche Auslandsvertretungen versetzt. Im Sommer 2017 ist es für uns soweit: es geht auf unseren ersten Posten! Aussuchen kann man sich seinen Posten nicht, wohl aber Wünsche äußern. Dies geschieht auf Grundlage der berühmt-berüchtigten Vakanzenliste, auf der alle frei werdenden Posten stehen.

Lange fieberten wir der Liste entgegen. Was wohl draufstehen würde? Vor ein paar Monaten war es dann endlich soweit. Aber bei so viel Auswahl – wie entscheidet man sich bloß für seine Traumposten?! Eine Kategorisierung:

So könnte es auf dem nächsten Posten aussehen: Ein Blick aus dem Fenster der Botschaft Paris auf das Palais de la Découverte.
So könnte es auf dem nächsten Posten aussehen: Ein Blick aus dem Fenster der Botschaft Paris auf das Palais de la Découverte.© AA/Botschaft Paris

Der Telefonierer

Der Kollege greift zum Hörer. Nach intensiver Recherche im Intranet und Abgleich verschiedenster Zahlenreihen der Stellennummer hat er es geschafft, sich die Telefonnummern sämtlicher KollegInnen zu beschaffen. Tagelang blockiert er das Telefon und klingelt sich in den Unterrichtspausen von A nach B, von Kollegin Meier zu Kanzler Müller. Man sieht ihn durchaus auch frühmorgens schon zum Hörer greifen: "Kuala Lumpur hat gleich Feierabend", erklärt er, "du weißt schon - die Zeitverschiebung."

Das persönliche Gespräch ist auf jeden Fall hilfreich, um alle Detailfragen zu einem Posten mit der Person zu besprechen, die sich am besten damit auskennt!

Auch die Familie hat Einfluss auf die Postenwahl...
Auch die Familie hat Einfluss auf die Postenwahl...© AA

Das Baby-Orakel

Wer nicht alleine umzieht, sondern mit Familie, muss etliche weitere Faktoren bedenken: Gibt es einen Kindergarten oder eine deutsche Schule? Wie sieht die gesundheitliche Versorgung aus? Der Kollege hat kurzerhand beschlossen, seinen Sohn entscheiden zu lassen. Der Sohnemann zögerte nicht lange und deutete mit seinem kleinen Fingerchen zielsicher auf Shanghai. Asien it is! Oder so...

Die Partner-Powerpoint

Wer mit seinem Partner oder seiner Partnerin ausreist, muss gleich zwei Wünsche unter einen Hut bringen – manchmal gar nicht so einfach. Dabei hat jeder Posten so viele Vorzüge! Die Kollegin hat also eine wunderschöne PowerPoint-Präsentation erstellt, um ihre bessere Hälfte zu überzeugen. Hoffentlich lässt sich auch die Personalabteilung darauf ein...

Erster Posten Inland: Ein Teil der Crew wird nach Ende der Ausbildung als Referent oder Referentin in der Zentrale des Auswärtigen Amts eingesetzt.
Erster Posten Inland: Ein Teil der Crew wird nach Ende der Ausbildung als Referent oder Referentin in der Zentrale des Auswärtigen Amts eingesetzt.© Thomas Köhler/photothek.net

Die Abenteurerin

Die Welt ist so groß und schön, spannend ist es überall – warum also nicht das Schicksal entscheiden lassen? Einfach alles angeben und schauen, wohin es einen verschlägt? Die Personalabteilung wird schon wissen, was für uns am besten ist. Und schließlich ist das ganze Leben ein großes Abenteuer, bei dem man auch Neues und Unerwartetes entdecken will!

Der Realist

Gerne wollte der Kollege ins Ausland. Aber verschiedene Gründe halten ihn in Berlin, unter anderem die Arbeitsstelle des Partners, die Kinder, die neue Wohnung. Also hat er entschieden, sich die Inlandsliste genauer anzusehen. Schließlich gehört der Dienstsitz in Berlin, auch "Zentrale" genannt, zum ganz gewöhnlichen Versetzungsturnus. Doch was verbirgt sich hinter all den Kürzeln wie 404-6, E12-2 oder S08? Der Kollege vertieft sich ins Organigramm des Auswärtigen Amtes und entdeckt fast täglich neue, spannende Aufgabenfelder. Mit leuchtenden Augen berichtet er von der Nutzung grenzüberschreitender Flüsse, Visaverhandlungen der Europäischen Union, Sicherheitspolitik in Nahost. In Berlin gibt es mehr Traumposten, als wir gedacht hätten! Und alle, die gerne ins Ausland möchten, sind dankbar für jeden, der freiwillig in Berlin bleibt.

Die Excel-Liste

Aufgabenfeld, Sprachkenntnisse, klimatische Gegebenheiten, kulturelles Leben, Sicherheitslage, Umfeld, gesundheitliche Einschränkungen, Entfernung zum Heimatland, Wohnsituation, Lernkurve, Karrierechancen, Arbeitsmöglichkeiten des Partners/der Partnerin – es gibt bei der Entscheidung eine Vielzahl an Faktoren zu berücksichtigen. Daher hat eine Kollegin die ultimative Excel-Master-Tabelle erstellt! Alle entscheidungsrelevanten Faktoren wurden berücksichtigt, je nach Präferenz verschieden gewichtet, alles kalkuliert – ein Knopfdruck, und der Laptop spuckt die Wunschposten aus. Faszinierend!

Oder doch Nordamerika? Hier sehen Sie den Blick aus dem Fenster des Generalkonsulats in Houston.
Oder doch Nordamerika? Hier sehen Sie den Blick aus dem Fenster des Generalkonsulats in Houston.© AA/GK Houston

Das Bauchgefühl

Hunderte Posten, tausende gute Gründe, die dafür oder dagegen sprechen. Nach intensiver Recherche, genauer Sortierung der Fakten und sorgfältiger rationaler Abwägung hatte der Kollege seine Präferenzen identifiziert. Aber irgendwie war ihm beim Blick auf die Wunschposten nicht ganz wohl. Manchmal fühlt man sich an einem bestimmten Ort einfach zu Hause, manchmal ist man neugierig auf eine bestimmte Kultur – nicht immer lässt sich das rational begründen. Also passte er kurzerhand seine sorgfältig erstellte, kopfbasierte Liste an und ließ im letzten Moment dann doch das Bauchgefühl sprechen.

Das Warten/Vorbereitung

Das Schwierigste ist am Ende für viele die Zeit nach der Bewerbung: das Warten. Bei so vielen Kolleginnen und Kollegen mit unterschiedlichsten Wünschen und Lebenssituationen hat die Personalabteilung nämlich einiges zu tun. So gut es geht werden im Planungsprozess die Wünsche der Beschäftigten mit den dienstlichen Anforderungen der Posten in Einklang gebracht.

Als Weihnachten und der Jahreswechsel hinter uns liegen, werden die ersten Posten bekannt: Niger, Senegal, Nigeria! Westafrika bekommt also eine gute Prise von unserer "71. Crew" ab. Für die Ersten beginnt die Vorbereitungsphase.

Familie und Freunde werden informiert und es gilt, sich mit der Auslandsvertretung in Verbindung zu setzen und sich um Organisatorisches zu kümmern. Eine neue Wohnung muss gefunden werden, die alte Wohnung gekündigt und ein Umzugsunternehmen beauftragt werden. Wird eventuell vor Ort ein Auto gebraucht? Wie ist es mit den Versicherungen, gelten sie am neuen Wohnort? Welche Impfungen sind erforderlich, welche Seminare müssen besucht werden? Wie heißt überhaupt die Landeswährung?

Viele neue Fragen, die uns jetzt bewegen. Bis zum Ausfüllen der nächsten Liste in drei Jahren…

Von Rebecca Dovergne und Tjalke Weber

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