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„Der Kampf um seine Rechte war immer auch ein Kampf um seine Würde.“

Heiko Maas beim Festkonzert Mandela 100 mit dem MIAGI Youth Orchestra im Konzerthaus Berlin

Heiko Maas beim Festkonzert „Mandela 100“ mit dem MIAGI Youth Orchestra im Konzerthaus Berlin, © MUTESOUVENIR | KAI BIENERT

02.08.2018 - Rede

Rede von Außenminister Heiko Maas am 2.8. in Berlin bei einem Konzert zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela, der 27 Jahre seines Lebens in den Gefängnissen des südafrikanischen Apartheidregimes verbringen musste.

Wie viele Nachrichten haben Sie heute schon verschickt? Per SMS, WhatsApp oder was es dafür heute alles gibt?

Vielleicht, vor diesem Konzert, um sich noch zu verabreden? Oder ein Bild vom Gendarmenmarkt in der Abendsonne?

Wir kommunizieren ständig, alle. Kommunikation ist lebensnotwendig.

Ich frage mich: was schreibt man, wenn man nur zwei Briefe pro Jahr schreiben darf? Wenn man weiß, dass jeder Brief, adressiert an einen geliebten Menschen, auch von Dritten mitgelesen wird? Oder schlimmstenfalls nur von einem Zensor gelesen wird, seinen eigentlichen Empfänger aber nie erreicht?

So ging es Nelson Mandela. Vor zwei Wochen wurde anlässlich seines 100. Geburtstags eine Auswahl der Briefe veröffentlicht, die er während seiner 27-jährigen Haft schrieb.

Briefe an seine Familie – nach zehn Jahren in Haft waren es immerhin sechs pro Monat, die gestattet wurden –, aber auch an Anwälte, Unterstützer, Freunde und Behörden.

Die Briefe handeln von Liebe, vom Tod der alten Mitstreiter und vom Kampf um die Freiheit. Sie geben uns Einblick in Mandelas Mut, in seine Menschlichkeit und seine Beharrlichkeit.

Mandela beschwert sich darin auch, wenn ihm der Kugelschreiber weggenommen wurde oder seine Tochter seine Geburtstagswünsche nicht erreicht haben.

Der Kampf um seine Rechte, er war immer auch ein Kampf um seine Würde.

Als ich 1989 mein Studium aufnahm, saß der bekannteste Gefangene der Welt bereits 26 Jahre hinter Gittern. Und ich habe mich oft gefragt: Was macht das mit einem Menschen?

Wie schafft man es, darüber nicht zynisch zu werden?

Mandelas Briefe zeigen, wie er es vermochte, selbst unter widrigsten Umständen die Hoffnung nicht zu verlieren.

 Er schrieb an seine Frau Winnie:

„Zumindest gibt einem die Gefängniszelle die Gelegenheit, täglich sein gesamtes Verhalten zu prüfen, Schlechtes in einem zu überwinden und zu entwickeln, was gut ist.“

Ein Mensch, der so lebt, schreibt und denkt, der lässt sich nicht brechen. Weil er seine Hoffnung nie aufgibt.

Im selben Jahr, in dem Mandela nach 27 Jahren Gefangenschaft endlich seine Freiheit wiedererlangte, überwand unser Land seine jahrzehntelange Teilung. Die deutsche Wiedervereinigung und die Freilassung Mandelas 1990 waren weltweit Momente der Hoffnung.

Und fast 30 Jahre später kann man sagen: Unsere Hoffnungen sind größtenteils aufgegangen. Südafrika ist zu der demokratischen Regenbogennation geworden, die Nelson Mandela immer erträumte. Und Deutschland ist in Frieden und Freiheit vereint.

Doch damit ist längst nicht alles gut. Wir erleben heute in Europa und der Welt, wie Demokratien sich in Richtung Autokratien entwickeln, wie Populisten Gesellschaften spalten und radikalisieren.

Polemik und Anfeindungen ersetzen auch bei uns immer häufiger den Dialog und die Verständigung. Und auch bei uns werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt oder aufgrund ihrer Religion angefeindet.

Nelson Mandela stand und steht bis heute für etwas völlig anderes:

  • Er hat verfeindete Gruppen versöhnt.
  • Er hat politischen Wandel auf friedliche Weise erstritten
  • Und er hat vergeben, obwohl er selbst über Jahrzehnte unter dem Schrecken der Apartheid gelitten hat.

“Wir werden alle vom selben Sommer gewärmt und im selben Winter frieren wir, und es ist die Anerkennung dieses gemeinsamen Menschseins, die uns zusammenleben lassen wird.“

Die Menschlichkeit, die aus diesem Zitat  Mandelas spricht, die sollte uns auch und gerade heute inspirieren.

Inspirieren und dazu ermutigen, für die Werte einzutreten, die auch unser Land ausmachen: Toleranz, Vielfalt und Freiheit.

Das südafrikanische Jugendorchesters MIAGI fördert junge Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten in ihren Talenten. Wozu sie fähig sind und was sie leisten können, haben sie schon jetzt unter Beweis gestellt. Nelson Mandela hätte das gefallen. Es ist diese Chancengleichheit, für die er sein Leben lang gekämpft hat und deshalb glaube ich, dass sich der Geburtstag von Nelson Mandela kaum besser feiern lässt, als so wie das heute hier geschieht.

Vielen Dank für die Einladung und viel Freude bei der Musik von MIAGI!

Festkonzert Mandela 100 mit dem MIAGI Youth Orchestra im Konzerthaus Berlin
Festkonzert „Mandela 100“ mit dem MIAGI Youth Orchestra im Konzerthaus Berlin© MUTESOUVENIR | KAI BIENERT



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