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Eine besondere Reise

19.09.2018 - Artikel

Wir dürfen den Außenminister bei seinem Besuch im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau begleiten − ein spannender und eindrucksvoller Tag liegt vor uns!

Vor dem Abflug zur ersten Dienstreise
Vor dem Abflug zur ersten Dienstreise© AA

Wir sind kaum angeschnallt, da rollt der Airbus der Luftwaffe auch schon auf die Startbahn des militärischen Teils des Flughafens Berlin-Tegel. Neben Außenminister Maas, einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Journalistinnen und Journalisten sind auch wir dabei − Anwärterinnen und Anwärter aus allen drei Laufbahngruppen des Auswärtigen Amts, darunter drei Attachés der 73. Crew.

Nach kurzem Flug landen wir in Krakau, werden u. a. vom deutschen Botschafter in Polen sowie unserem Generalkonsul in Krakau begrüßt und fahren mit der Delegation in einer Polizeikolonne nach Auschwitz.

Mit einem mulmigen Gefühl gehen wir nach unserer Ankunft durch das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“. Marian Turski, ein ehemaliger Gefangener des Konzentrationslagers, begleitet die Delegation auf dem Rundgang durch das Lager.

In einer der zu Ausstellungsgebäuden umgewandelten Baracken sehen wir erschrocken auf die nicht enden wollenden Berge der Schuhe und Koffer der Opfer. Betroffen gehen wir weiter durch die Ausstellung, die unter anderem auch abgeschnittene Haare, Kinderkleidung, Brillen und weitere persönliche Gegenstände der Opfer zeigt. Diese werden in einem Lager aufbewahrt, das im Auschwitzjargon als ‚Kanada‘ bezeichnet wurde, weil die Häftlinge die vielen Wertgegenstände mit dem Land Kanada verbanden, einem Symbol für Reichtum.

Außenminister Heiko Maas bei der Kranzniederlegung an der Todeswand im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz I.
Außenminister Heiko Maas bei der Kranzniederlegung an der Todeswand im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz I.© Xander Heinl/photothek.de

Schweigend stehen wir schließlich da, als der Bundesaußenminister einen Kranz an der Todeswand niederlegt, an der tausende Menschen erschossen wurden.

Die Ausstellung, die Gaskammer, das Krematorium, die Baracken und die Schienen, die in den Tod führten – all das werden wir nicht mehr vergessen. Selbst an diesem Ort zu sein, die Erklärungen der Mitarbeiterin der Gedenkstätte zu hören und die persönlichen Gegenstände der Opfer zu sehen macht uns sehr betroffen und demütig, sollen wir doch in Zukunft Deutschland und die Deutschen in der Welt vertreten − dies ist ohne Geschichtsbewusstsein nicht möglich.

In der Internationalen Jugendbegegnungsstätte diskutieren wir nach dem Besuch von Auschwitz-Birkenau mit jungen Menschen aus Polen, der Ukraine und Deutschland über die Lehren dieser dunklen Vergangenheit für unsere Zukunft. „Nie wieder“ ist für uns nicht nur eine Aufforderung, sondern auch ein Bekenntnis zu unserer Verantwortung. Eine mahnende Botschaft gibt uns auch Außenminister Maas mit auf den Weg, als er sagt, die Minderheit der Rassisten sei nur deshalb so laut, weil die breite Mehrheit der Gesellschaft still bleibt. Dieser Entwicklung gilt es entschieden entgegenzutreten.

Den Abschluss unserer Reise bildet der Besuch im Franziskanerkloster Harmeze. Während Außenminister Maas hier seinen polnischen Amtskollegen zu politischen Gespräche trifft, werden wir durch die sehr beeindruckende Bilderausstellung des Künstlers und Auschwitz-Überlebenden Marian Kolodziej geführt.

Die Ausstellung ist eine künstlerische Auseinandersetzung Kolodziejs mit seiner Zeit im Konzentrationslager und eine Hommage an Pater Maximilian Kolbe, der sein Leben für das eines Mithäftlings geopfert hatte. Die Bleistiftarbeiten zeigen das unbeschreibliche Leid in einer sehr eindrucksvollen und eindringlichen Art und Weise.

Auf dem Rückweg ist es still − unsere Gedanken kreisen um das heute Gesehene und Gehörte.

Mit der Landung in Berlin-Tegel geht diese in vielerlei Hinsicht besondere Reise für uns zu Ende. Wir schließen diesen Bericht sinngemäß mit den Worten des Ministers, dass es bei Auschwitz kein Schlusswort geben kann.

Natalie Zange, Alina Leo und Werner-Ciprian Fugel

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