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UNHCR-Geberkonferenz: Deutschland sagt VN-Flüchtlingshilfswerk 119 Mio. Euro zu

Reintegrationszentrum Kananga, Demokratische Republik Kongo: Schwester Adolphine, die hier mit Frauen arbeitet, die Opfer sexueller Gewalt wurden, im Gespräch mit UNHCR-Mitarbeiter John

Reintegrationszentrum Kananga, Demokratische Republik Kongo: Schwester Adolphine, die hier mit Frauen arbeitet, die Opfer sexueller Gewalt wurden, im Gespräch mit UNHCR-Mitarbeiter John, © UNHCR, Olivia Acland

02.12.2020 - Artikel

Die Folgen der Covid-19-Pandemie treffen Flüchtlinge und Vertriebene besonders hart. Deutschland ist der zweitgrößte Geber des VN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, setzt seine enge Partnerschaft auch im kommenden Jahr fort.

Nach Angaben des UNHCR sind weltweit 80 Mio. Menschen gewaltsam vertrieben – diese Zahl ist vergleichbar mit der Größe der deutschen Bevölkerung. Mehr als die Hälfte dieser Menschen (knapp 46 Mio.) sind innerhalb ihres Herkunftslandes vertrieben. Der Großteil der weltweiten Flüchtlinge lebt in Entwicklungsländern. Sie sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt, Krankheit oder Ausbeutung zu werden. Die Covid-19-Pandemie verschärft ihre Situation weiter: So haben beispielsweise 70 Länder weltweit den Zugang in nationale Asylsysteme eingeschränkt, als Teil ihrer Maßnahmen, die Pandemie einzudämmen. Darüber hinaus verlieren die oft im informellen Sektor beschäftigten Flüchtlinge häufig ihre Verdienstmöglichkeiten.

Den Schutz und die Versorgung von Flüchtlingen weltweit sichern

Am 02.12.2020 fand die jährliche Geberkonferenz des UNHCR virtuell statt. Ziel der Konferenz war es, UNHCR mit ersten Zusagen Planungssicherheit für seine Arbeit im kommenden Jahr zu geben. UNHCR sieht für 2021 einen Finanzierungsbedarf in Höhe von 8,6 Mrd. USD, insgesamt sagten die Geberstaaten zunächst 932 Mio. USD zu. Deutschland hat UNHCR heute 119 Mio. Euro zugesagt. Die letztendlich bereitgestellte Fördersumme für 2021 wird, wie auch in den letzten Jahren, diesen Betrag um ein Vielfaches übersteigen. Somit wird Deutschland voraussichtlich auch 2021 – wie in den Jahren zuvor – zweitgrößter Geber des UNHRC sein.

Zum Vergleich: Der Finanzierungsbedarf des UNHCR für 2020 belief sich auf rund 9,1 Mrd. USD. UNHCR konnte bislang rund 5 Mrd. USD einwerben und hatte damit nach eigenen Angaben ein finanziell vergleichsweise gut ausgestattetes  Jahr. Deutschland trug als zweitgrößter bilateraler Geber maßgeblich dazu bei und stellte mehr als 440 Mio. EUR bereit, darunter 55 Mio. EUR aus dem Nachtragshaushalt für das Covid-19-Sonderhilfsprogramm des UNHCR. Für das kommende Jahr hat UNHCR im November 2020 einen Bedarf in Höhe von 8,6 Mrd. USD gemeldet.

Psychologische Betreuung für Opfer sexueller Gewalt in der Region Kasai

Reintegrationszentrum Kananga, Demokratische Republik Kongo: eine der Frauen, die im Zentrum Backkurse anbieten
Reintegrationszentrum Kananga, Demokratische Republik Kongo: eine der Frauen, die im Zentrum Backkurse anbieten© UNHCR, Olivia Acland

Mit Projekten in Krisenregionen weltweit hilft UNHCR Menschen auf der Flucht, wieder ihren Weg in ein normales Leben zu finden. Viele haben besonderes Leid erfahren und brauchen ihren Bedürfnissen entsprechende Betreuung.

Unter Binnenvertriebenen in der Demokratischen Republik Kongo beispielsweise gibt es viele, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Im Rahmen eines Reintegrationskurses des UNHCR können sie die Herstellung von Seife lernen, um wieder neu ins Leben zu starten. Dadurch können sie etwas Geld verdienen und so für sich und ihre Angehörigen sorgen.

Seit Anfang 2020 unterstützt UNHCR Mädchen und Frauen in der Region Kasai, die auf der Flucht sexuelle Gewalt erfahren mussten. Psychologinnen und Psychologen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter helfen in UNHCR-Programmen den Frauen bei der Bewältigung ihrer Traumata. Dabei stellen sie sicher, dass sie Zugang zu Gesundheitsversorgung und die Möglichkeit zu einer Ausbildung haben. „In einer Region, in der die Opfer von Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen durch traditionelle Bräuche stigmatisiert werden, werden die meisten Überlebenden geächtet und an den Rand der Gesellschaft gedrängt, ohne jegliche Unterstützung“, erklärt Ali Mahamat, Chef des für die Kasai-Region zuständigen UNHCR-Büros. Die Ausbildung wird durch Alphabetisierungskurse ergänzt, während UNHCR Bargeldhilfe bereitstellt, damit die Frauen die nötigsten Bedarfe selbst decken können.

Stipendien für Flüchtlinge

Seit 1992 fördert das Auswärtige Amt die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein (DAFI) beim UNHCR. Darüber vergibt der UNHCR Stipendien an junge Flüchtlinge. Ein solches Stipendium ermöglicht den jungen Flüchtlingen, einen Universitätsabschluss zu erlangen. Dieser gibt ihnen eine Zukunftsperspektive und eine Chance auf ökonomische Selbstständigkeit. Zusätzlich gibt es unterstützende Programme, die sich explizit an benachteiligte Frauen richten. Das Studium können die Geförderten direkt in den jeweiligen Aufnahmeländern absolvieren, die durch die Stipendien entlastet werden. Bisher sind über 18.000 Stipendien in über 50 Ländern (Stand Mai 2020) vergeben worden. Gerade während der Covid19-Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig Hochschulbildung für Flüchtlinge ist, v.a. in medizinischen und pflegenden Berufen.

Mehr dazu: https://www.unhcr.org

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