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Ohne Frauen kein Frieden – die Agenda Frauen, Frieden und Sicherheit

02.11.2020 - Artikel

Vor 20 Jahren hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Verabschiedung der Resolution 1325 die Bedeutung von Frauen in Friedensprozessen betont.

Doch auch zwei Jahrzehnte später sind Frauen viel zu selten Teil formeller Friedensverhandlungen. Deutschland engagiert sich weltweit für die Agenda „Frauen, Frieden und Sicherheit“.

Als der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 31. Oktober 2000 eine Resolution verabschiedete, die sich mit der Rolle von Frauen in Frieden- und Sicherheitsprozessen beschäftigte, wurde dies von vielen als Sensation gefeiert: Zum ersten Mal bestätigte der Sicherheitsrat, dass die Beteiligung von Frauen zur Schaffung und Erhaltung von Frieden nötig ist. Konfliktprävention, Friedensprozesse und Konfliktnachsorge wurden damit als Frauen- und somit Menschenrecht verstanden. Und mehr noch: Erstmals zeigte der Sicherheitsrat auf, dass sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt nicht unvermeidbare Begleiterscheinung von Kriegen ist, sondern ein Verbrechen, das systematisch bestraft und beseitigt werden muss.

Unsichtbarer Einsatz für den Frieden

Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt: Die kamerunische Organisation HOFNA unterstützt mit deutscher Hilfe Frauen im Norden des Landes und Binnenvertriebene in anderen Landesteilen dabei, sich ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben aufzubauen,
Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt: Die kamerunische Organisation HOFNA unterstützt mit deutscher Hilfe Frauen im Norden des Landes und Binnenvertriebene in anderen Landesteilen dabei, sich ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben aufzubauen,© HOFNA

In vielen Krisengebieten leisten Frauen schon lange wichtige Arbeit in Friedensprozessen, doch häufig ungesehen: Frauen verhandeln mit Milizen, um ihre Kinder zu befreien. Sie schafften geschützte Räume in Krisengebieten, um ihre Gemeinschaften zu schützen. Sie verhandeln humanitäre Korridore, um die Lebensmittelversorgung zu gewährleisten, oft lange bevor internationale Hilfsorganisationen eintreffen.

Dies steht in starkem Kontrast zu formellen Friedensverhandlungen, in denen Frauen nach wie vor weitestgehend keine offizielle Rolle spielen. Zwischen 1992 und 2019 waren durchschnittlich nur 13 Prozent der Verhandlungsführenden weiblich – obwohl Studien belegen, dass eine Beteiligung von Frauen die Chancen auf einen nachhaltigen Frieden steigert und zu Abkommen führt, die mehr Regelungen enthalten, von denen Frauen und Männer gleichermaßen profitieren.

Ziel der Resolution 1325 zum Thema „Frauen, Frieden und Sicherheit“ ist es, diese Kluft zu schließen. Sie wurde im Verlauf der Jahre durch die Folgeresolutionen 1820, 1888, 1889, 1960, 2106, 2122, 2242 sowie die von Deutschland eingebrachte Resolution 2467 und 2493 konkretisiert.

Schwerpunktthema der deutschen Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat

Die Bundesregierung setzt sich seit Verabschiedung von Resolution 1325 für die Umsetzung der Agenda Frauen Frieden und Sicherheit ein, sowohl vor Ort in Krisengebieten, in multilateralen Organisationen und auf regionaler Ebene.

„Frauen, Frieden und Sicherheit“ ist ein thematischer Schwerpunkt der deutschen Mitgliedschaft im Sicherheitsrat 2019 und 2020. Deutschland konnte in diesem Zeitraum eine neue Resolution zur Unterstützung Überlebender sexualisierter Gewalt und zur verbesserten Rechenschaftlichkeit der Täter verabschieden. UN-Friedensmissionen spielen eine wichtige Rolle in der Stabilisierung von Krisenregionen. Deshalb trug Deutschland dazu bei, die Teilhabe von Frauen in Krisenprävention und Friedensprozessen, sowie einen verbesserten Schutz vor sexualisierter Gewalt in den Mandatsverlängerungen der Missionen zu verankern. Durch den deutschen Ko-Vorsitz der zuständigen Arbeitsgruppe des Sicherheitsrates und durch gezieltes Einladen von Stimmen aus der Zivilgesellschaft wurden wichtige, auch länderspezifische Sitzungen des Sicherheitsrats mit Expertise zu Frauen, Frieden und Sicherheit unterstützt.

Deutschland setzt sich auch in anderen Gremien der Vereinten Nationen, etwa im UN-Menschenrechtsrat oder der Peacebuilding Commission, für die Ziele der Agenda ein.

Netzwerke in Afrika und Lateinamerika

Mitglieder des African Women Leaders Network, eines Netzwerks afrikanischer Frauen, hier bei einer AWLN-Konferenz zum „Jahr der Geflüchteten, der Rückkehrerinnen und Rückkehrer und binnenvertriebener Personen“, 2019
Mitglieder des African Women Leaders Network, eines Netzwerks afrikanischer Frauen, hier bei einer AWLN-Konferenz zum „Jahr der Geflüchteten, der Rückkehrerinnen und Rückkehrer und binnenvertriebener Personen“, 2019© Verlaine Soobroydoo

Auch über den UN-Kontext hinaus engagiert sich Deutschland für die Agenda Frauen, Frieden und Sicherheit. Als Mitinitiator des African Women Leaders Network fördert Deutschland Frauen bei der Transformation in afrikanischen Ländern, insbesondere in den Bereichen Regierungsführung, Frieden und Stabilität. Das 2019 gegründete deutsch-lateinamerikanische Netzwerk Unidas fördert ebenfalls Vernetzung und unterstützt feministische Projekte lateinamerikanischer Organisationen

Einsatz in Krisenregionen

In Krisenkontexten stärkt Deutschland die politische Teilhabe von Frauen zum Beispiel über den Women’s Peace and Humanitarian Fund, den Deutschland als zweitgrößter Geber maßgeblich mitgestaltet. Zudem arbeitet Deutschland auch mit der lokalen Zivilbevölkerung zusammen, um sexualisierter Gewalt vorzubeugen und Überlebende zu stärken. Gemeinsam mit einer Vielzahl an Projektpartnern wie der Mukwege Foundation, medica mondiale, der International Organisation for Migration und dem All Surviors Project trägt Deutschland zur medizinischen und psychosozialen Unterstützung Überlebender sexueller Gewalt bei und unterstützt ihren Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten.

Deutschland setzt die Rechte von Frauen in fragilen Kontexten um. Über Projekte der Menschenrechtsförderung arbeiten zivilgesellschaftliche Organisationen mit den deutschen Botschaften vor Ort zusammen. 2020 wurden dazu unter dem Menschenrechtstitel rund 50 Menschenrechtsprojekte gefördert. Außerdem schützt und fördert Deutschland inklusive Formate für Friedensprozesse, sowie Friedensaktivistinnen und Menschenrechtsverteidigerinnen durch Projektförderung, direkten Austausch und Kontakte mit den deutschen Botschaften.

Diese und weitere Maßnahmen sind im 2. Aktionsplan der Bundesregierung zu Frauen, Frieden und Sicherheit (2017-2020) skizziert. Ein Umsetzungsbericht, der die Aktivitäten der vergangenen vier Jahre im Detail darlegt, und der 3. Aktionsplan der Bundesregierung zu Frauen, Frieden und Sicherheit (2021-2024) sind in Vorbereitung.

Weitere Informationen

Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung von Resolution 1325 zu Frauen, Frieden, Sicherheit des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen für den Zeitraum 2017 - 2020

Umsetzungsbericht zum Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung von Resolution 1325 des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen für den Zeitraum 2013 - 2016

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