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Deutsches Archäologisches Institut entdeckt älteste befestigte Siedlungen in Vorderasien

16.09.2016 - Artikel

Forscher des DAI haben in Jordanien eine prähistorische Befestigungsanlage ausgegraben - eine überraschende Entdeckung, die viele Fragen aufwirft.

In einer Basaltwüste in Jordanien haben die Forscher eine prähistorische Befestigungsanlage ausgegraben – eine überraschende Entdeckung, die viele Fragen aufwirft.

Blick auf Tulul Al-Ghusayn aus südlicher Richtung.
Blick auf Tulul Al-Ghusayn.© R. Bewley, courtesy of APAAME

Der nördliche Teil der Badia-Wüste im Nordosten Jordaniens ist ein faszinierender, aber unwirtlicher Ort: Erloschene Vulkankrater und Millionen Basaltbrocken bedecken den Boden, das Klima ist extrem heiß und trocken. Doch schon vor tausenden Jahren lebten hier Menschen – das belegt nun die wegweisende Entdeckung der Forscher des DAI: Auf einigen erloschenen Vulkanen entdeckten sie Siedlungen aus dem vierten Jahrtausend vor Christus. Sie zählen damit zu den frühesten Befestigungen in Vorderasien überhaupt.

Terrassengärten mit ausgeklügelter Bewässerung

Bei Oberflächenuntersuchungen und Grabungen wurden nicht nur Befestigungsmauern und einfachen Wohnbauten, sondern auch Terrassengärten identifiziert. Sie wurden über ausgeklügelte Bewässerungssysteme künstlich mit dem wenigen Niederschlagswasser bewässert, etwa um Getreide anzubauen.

Freigelegte Wohnstätte in Tulul al-Ghusayn.
Freigelegte Wohnstätte in Tulul al-Ghusayn.© B. Müller-Neuhof/DAI

Für die Archäologen besonders interessant: Wie schafften es die Menschen damals, in der extrem trockenen Region Siedlungen aufzubauen? Mit welchen Techniken optimierten sie ihre Ressourcennutzung? Die Archäologen werden darum in Zukunft vor allem das Land- und Wassermanagement der Siedlungen weiter erforschen. Die Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) erforscht seit 2010 die Badia-Region im Nordosten Jordaniens und stößt immer wieder mit Expeditionen in die einzigartige Wüste vor.

Neue Region im Blickfeld

Mit den neusten Entdeckungen rückt bei der Erforschung der vorderasiatischen Zivilisationen im vierten Jahrtausend vor Christus eine bisher nur am Rande betrachtete Region in das Blickfeld. Bislang hatte die Forschung dabei vor allem die kulturellen Entwicklungen in Mesopotamien und der Südlichen Levante im Blick. Die neuen Entdeckungen des DAI könnten wegweisend für die künftige Forschung werden.

Das vierte Jahrtausend vor Christus ist für Orient-Archäologen besonders spannend. Es ist ein zentraler Abschnitt für Zivilisationsgeschichte Vorderasiens. In dieser Zeit begannen Entwicklungsprozesse, die die Existenz nachfolgender Kulturen erst ermöglichten und sich auch auf Europa auswirkten. Dazu zählen der Beginn der Urbanisierung, die Entwicklung des künstlichen Bewässerungsfeldbaus, die Massenproduktion von Gütern, der überregionale Handel und schließlich auch die Erfindung der Vorläufer der Schrift und die Wirtschaftsverwaltung.

Zum Weiterlesen:

Deutsches Archäologisches Institut

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