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Kulturelles Verständnis als Schlüssel zum Dialog

24.02.2015 - Artikel

Außenminister Steinmeier eröffnete am 23.02. die internationale Tagung „Dialog und die Erfahrung des Anderen“ in Berlin. Sie wird vom Goethe-Institut gemeinsam mit der LMU ausgerichtet.

Welche Rolle spielt Dialogbereitschaft in der Außenpolitik, und wie kann die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik die Verständigung fördern? Darüber sprach Außenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Berliner Konferenz „Dialog und die Erfahrung des Anderen“. Steinmeier betonte in seiner Rede: „Gerade in einer krisengeschüttelten Welt ist der Dialog der Gesellschaften, der Menschen untereinander, neben und zusätzlich zum staatlichen Handeln der klassischen Diplomatie umso wichtiger.“

Außenminister Steinmeier spricht bei der Eröffnung
Außenminister Steinmeier spricht bei der Eröffnung© AA

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat am Montag (23.02.) die internationale Tagung „Dialog und die Erfahrung des Anderen“ in Berlin eröffnet. Sie wird vom Goethe-Institut gemeinsam mit dem Münchner Kompetenzzentrum Ethik der Ludwig-Maximilians-Universität ausgerichtet. Bei der zweitägigen Veranstaltung werden Politikerinnen und Politiker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch Philosophinnen und Philosophen über Fragen des interkulturellen Dialogs in Krisenzeiten diskutieren. Außenminister Steinmeier unterstrich in seiner Rede die zentrale außenpolitische Rolle der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Kulturelles Verständnis sei gerade in Krisenzeiten und Krisenregionen ein Schlüssel zum Dialog, so Steinmeier.

Soziale Kraft von Kultur stärken

Die Welt wächst immer enger zusammen, Gesellschaften vernetzen sich zunehmend digital und physisch. Gleichzeitig häufen sich Krisenszenarien, prallen Gegensätze - ungebremst von internationalen Ordnungsstrukturen - immer schneller aufeinander. Was bedeutet dies für den interkulturellen Dialog in einer Welt auf der Suche nach Ordnung? Und welchen Beitrag kann und soll Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik für Frieden und Sicherheit leisten? Diesen Fragen widmete sich der gestrige Auftakt der Konferenz „Dialog und die Erfahrung des Anderen“ in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

In seiner Rede machte Außenminister Frank-Walter Steinmeier deutlich, dass alte Gewissheiten und Ordnungsschemata heute nicht mehr gelten. Außenpolitik dürfe sich daher nicht in reinem Krisenmanagement erschöpfen, sondern müsse langfristige Lösungen für Frieden in einem regelbasierten System anbieten. Der Weg dahin erfolge über Dialog und Verständigung. „Und es ist die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, die genau diesen Dialog möglich macht“, so Steinmeier. Deshalb sei es umso wichtiger, die soziale Kraft von Kultur als Schlüssel zum Dialog zu stärken. „Kultur und Bildung sind die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts. Wir brauchen sie, um im Dialog neue Ordnungsmodelle für eine aus den Fugen geratene Welt zu entwickeln“.

Der eigene Blick, der Blick des anderen, der gemeinsame Blick

Außenminister Steinmeier legte in seiner Rede die aktuellen Schwerpunkte der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik dar. So gehe es darum, die Welt mit unseren Augen zu sehen, mit den Augen des Anderen – und mit einem gemeinsamen Blick. Nur so könne die Arbeit an gemeinsamen Ordnungselementen überhaupt beginnen. Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik müsse deshalb all diese Perspektiven stärken.

Als Beispiel nannte Steinmeier den Schutz kultureller Identitäten. Hier leiste das Auswärtige Amt ganz konkrete Hilfe, zum Beispiel beim Schutz syrischer Kulturgüter. Zudem gelte es, die sogenannte Cultural intelligence zu stärken, indem unter anderem bestehende “Artist-in-residence”-Programme besser genutzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der Koproduktion von Wissen und Kultur – mit dem künftigen Humboldt-Forum im Herzen Berlins „als Marktplatz der Ideen des 21. Jahrhunderts“. Entscheidend sei schließlich der Ausbau der Zusammenarbeit mit den Zivilgesellschaften, insbesondere im Rahmen der Östlichen Partnerschaft.

Außenminister Steinmeier in der Gedenkstätte für die Opfer des Völkermordes in Ruanda
Außenminister Steinmeier in der Gedenkstätte für die Opfer des Völkermordes in Ruanda© Photothek/Grabowsky

Dass gerade die Verständigung mit „dem Anderen“ existenzielle Bedeutung besitzen kann, daran erinnerte Steinmeier und nahm Bezug auf seine jüngsten Reisen: Er sei beeindruckt vom Mut und der Kraft, mit dem die Menschen in Ruanda angesichts des gerade einmal 20 Jahre zurückliegenden Völkermords mit seinen 800.000 Opfern um Verständigung ringen. Auch Kolumbien, das der Minister vor knapp zwei Wochen besuchte, habe ihm gezeigt, wie wichtig Aufarbeitung und Verständigung seien. Verständigung sei eben „keine abstrakte intellektuelle Übung“, sondern zeige, „dass der Weg von Dialog zu Verstehen und Verständigung existenziell für das Leben und sogar das Überleben ganzer Gesellschaften sein kann“.

Zum Weiterlesen

Rede von Außenminister Steinmeier zur Eröffnung der Konferenz „Dialog und die Erfahrung des Anderen“, 23.02.15

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