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Friedensverantwortung der Religionen

12.06.2018 - Artikel

In einer von Krieg und Verunsicherung geprägten Welt kommt der Friedensverantwortung und allgemein der gesellschaftlichen Verantwortung von Religionen eine besondere Bedeutung zu. Dieses Potential zu nutzen, ist Aufgabe des Arbeitsstabes "Friedensverantwortung der Religionen" im Auswärtigen Amt.

Religionen prägen das Leben von Individuen und Gesellschaften und erreichen mit ihrer Botschaft viele Menschen. In den letzten Jahren wurden sie jedoch häufig als Ursache von Terror, Gewalt und Unterdrückung dargestellt. Dabei haben Religionen den Anspruch, friedfertig zu sein und es gibt beeindruckende Beispiele religiös begründeter Friedensstiftung. Viele Ziele der deutschen Außenpolitik stimmen mit denen religiöser Akteure überein: Vertrauen aufbauen, Kompromisse finden, Schwächere schützen, Stabilität begründen, den Frieden fördern. Seit Herbst 2016 nimmt das Auswärtige Amt daher die Religionsgemeinschaften stärker als strategische Partner für die Friedensarbeit in den Blick.

Diese Initiative ist wirklich wichtig, da Religionen eine Ressource sind. Wer als politische oder diplomatische Instanz nicht aus ihr schöpft, kann nicht gut funktionieren. Sie ist also offensichtlich notwendig. Darüber hinaus können die verantwortlichen politischen und diplomatischen Stellen religiöse Gemeinschaften stärken, indem sie ihnen größere Sichtbarkeit verleihen. Diese Initiative ist daher in beiderlei Hinsicht ein Segen.

- Rabbi David Rosen

Konferenzen 2017 und 2018

Teilnehmer an der Konferenz im Auswärtigen Amt im Mai 2017
Teilnehmer an der Konferenz im Auswärtigen Amt im Mai 2017© photothek.net

Der Arbeitsstab „Friedensverantwortung der Religionen“ hatte mit einer großen Konferenz im Mai 2017 seinen öffentlichen Auftakt. Hier trafen sich auf Einladung von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel, der die Eröffnungsrede hielt, 100 Religionsvertreterinnen und Religionsvertreter aus 53 Ländern. Neben diesen Gästen waren zur Eröffnung auch rund 400 deutsche Gäste aus Kirchen, Religionsgemeinschaften und der Wissenschaft anwesend. In Workshops wurde anschließend gemeinsam an den Themen Religion und Medien, Friedenserziehung, Mediation, Interreligiöse Räte sowie Religion und Politik gearbeitet.
Redebeiträge und eine Zusammenstellung der Ergebnisse der Konferenz finden Sie hier.

Im November fand ein Folge-Workshop zum Thema Mediation statt, mit dem der Kontakt zu den Teilnehmern vertieft werden konnte.
Zudem fand im Dezember 2017 in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und Religions for Peace eine Konferenz unter anderem zum Thema des Friedensprozesses in Kolumbien statt. Eine Broschüre (auf englisch) mit allen Informationen zu dieser Konferenz finden Sie hier.

Vom 18.-20. Juni werden auf Einladung von Außenminister Heiko Maas rund 70 Religionsvertreterinnen und Religionsvertreter aus Süd-, Südost- und Ostasien erwartet, um sich über Ansätze der Verantwortung von Religionen für Frieden und gesellschaftlichen Ausgleich auszutauschen. Das Auswärtige Amt veranstaltet diese Konferenz zusammen mit dem finnischen Außenministerium, das in dem Bereich der Kooperation mit Religionen vorbildlich ist: Finnland engagiert sich seit längerem im Bereich von Religion und Außenpolitik, hat ähnliche Zielsetzungen wie Deutschland und verfügt über umfangreiche Kontakte zu Religionsvertretern weltweit (u.a. durch das von Finnland geförderte "Network for Religious and Traditional Peacemakers").

Bei der Konferenz werden Vertreterinnen und Vertreter von Buddhismus, Christentum, Islam, Hinduismus sowie weiteren Religionen zu den Themen Religion und Medien, Religion und Mediation, Religion und Friedenserziehung sowie Frauen in religiösen Friedensprozessen arbeiten.

Langfristige Ziele

Die Konferenz im Mai 2017 in Berlin war der Auftakt für den Aufbau eines globalen Netzwerkes von Religionsvertreterinnen und -vertretern, die sich in ihren Ländern und Gemeinschaften für Frieden einsetzen. Eine zweite Konferenz im Juni 2018 wird sich anschließen. Es sollen regionale sowie länder- und themenspezifische Formate entwickelt werden, welche die Friedensbemühungen lokaler Akteure vernetzen und stärken.

Ziel ist es, das gesellschaftliche Friedenspotential der verschiedenen Religionen zu diskutieren und stärker mit der deutschen Außenpolitik zu verzahnen. Es sollen Religionsgemeinschaften und glaubensbasierte Institutionen, die gemeinsame Interessen wie Frieden und Stabilität vertreten, als strategische Partner für ein tragfähiges Netzwerk gewonnen werden. Die Bemühungen sind Teil der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Konferenzteilnehmer begrüßen sich herzlich
Konferenzteilnehmer begrüßen sich herzlich© photothek.net

Die deutsche Außenpolitik will nicht nur die Beziehungen zwischen Regierungen festigen, sondern auch Beziehungen zwischen Gesellschaften aufbauen. Gerade in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik hat das Auswärtige Amt viele Partner und Mittler, die diese Kontakte auf verschiedenen Ebenen gestalten. Der Arbeitsstab „Friedensverantwortung der Religionen“ soll die Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften weltweit intensivieren.


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