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Religion und Außenpolitik

Teilnehmer an der Konferenz im Auswärtigen Amt im Mai 2017

Teilnehmer an der Konferenz im Auswärtigen Amt im Mai 2017, © photothek.net

14.08.2018 - Artikel

In einer zunehmend von Krieg und Verunsicherung geprägten Welt steigt auch die Bedeutung der Friedensverantwortung und der generellen gesellschaftlichen Verantwortung von Religionen. Dieses Potential zu nutzen, ist Aufgabe des Referates „Religion und Außenpolitik“ im Auswärtigen Amt.

Religionen prägen das Leben von Individuen und Gesellschaften. Sie erreichen mit ihrer Botschaft viele Menschen. In den letzten Jahren wurden sie jedoch oft zu Unrecht als Ursache von Terror, Gewalt und Unterdrückung dargestellt. Religionen haben eigentlich den Anspruch, für den Frieden zu stehen: Es gibt beeindruckende Beispiele religiös begründeter Friedensstiftung. Seit Herbst 2016 nimmt das Auswärtige Amt daher die Religionsgemeinschaften noch stärker als strategische Partner für die Friedensarbeit in den Blick, denn viele Ziele der deutschen Außenpolitik stimmen mit denen religiöser Akteure überein: Vertrauen aufbauen, Kompromisse finden, Schwächere schützen, Stabilität begründen, den Frieden fördern.

Ziel der neuen Initiative ist es, das gesellschaftliche Friedenspotential der verschiedenen Religionen zu diskutieren und stärker mit der deutschen Außenpolitik zu verzahnen. Es sollen Religionsgemeinschaften und glaubensbasierte Institutionen, die gemeinsame Interessen wie Frieden und Stabilität vertreten, als strategische Partner für ein tragfähiges Netzwerk gewonnen werden. Die Bemühungen sind Teil der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Die deutsche Außenpolitik will nicht nur die Beziehungen zwischen Regierungen festigen, sondern auch Beziehungen zwischen Gesellschaften aufbauen. Gerade in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik hat das Auswärtige Amt viele Partner und Mittler, die diese Kontakte auf verschiedenen Ebenen gestalten. Der Arbeitsbereich „Friedensverantwortung der Religionen“ soll die Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften weltweit intensivieren.

Diese Initiative ist wirklich wichtig, da Religionen eine Ressource sind. Wer als politische oder diplomatische Instanz nicht aus ihr schöpft, kann nicht gut funktionieren. Sie ist also offensichtlich notwendig. Darüber hinaus können die verantwortlichen politischen und diplomatischen Stellen religiöse Gemeinschaften stärken, indem sie ihnen größere Sichtbarkeit verleihen. Diese Initiative ist daher in beiderlei Hinsicht ein Segen.

- Rabbi David Rosen

„Friedensverantwortung der Religionen“ - Konferenzen 2017 und 2018

Konferenzteilnehmer begrüßen sich herzlich
Konferenzteilnehmer begrüßen sich herzlich© photothek.net

 Im Mai 2017 und im Juni 2018 bildeten Konferenzen in Berlin den Auftakt für den Aufbau eines globalen Netzwerkes von Religionsvertreterinnen und -vertretern, die sich in ihren Ländern und Gemeinschaften für Frieden einsetzen. Mittelfristig sollen regionale sowie länder- und themenspezifische Formate entwickelt werden, welche die Friedensbemühungen lokaler Akteure vernetzen und stärken.

Der Arbeitsstab „Friedensverantwortung der Religionen“ hatte mit einer großen Konferenz im Mai 2017 seinen öffentlichen Auftakt. Auf Einladung des damaligen Bundesaußenministers Sigmar Gabriel, der die Eröffnungsrede hielt, trafen sich 100 Religionsvertreterinnen und Religionsvertreter aus 53 Ländern. Weitere rund 400 deutsche Gäste aus Kirchen, Religionsgemeinschaften und der Wissenschaft arbeiteten gemeinsam mit den internationalen Delegierten in Workshops an den Themen Religion und Medien, Friedenserziehung, Mediation, Interreligiöse Räte sowie Religion und Politik.

Redebeiträge und eine Zusammenstellung der Ergebnisse der Konferenz finden Sie hier.

In einem Workshop zum Thema Mediation und einem Medientraining konnten die Teilnehmer ihre Kontakte vertiefen. Ein Treffen zum Thema Friedenserziehung ist in Planung.

Im Dezember 2017 fand in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und der NRO Religions for Peace eine Konferenz unter anderem zum Thema des Friedensprozesses in Kolumbien statt. Eine Broschüre (auf englisch) mit allen Informationen zu dieser Konferenz finden Sie hier.

Vom 18.-20. Juni 2018 kamen auf Einladung von Außenminister Heiko Maas rund 70 Religionsvertreterinnen und Religionsvertreter aus Süd-, Südost- und Ostasien ins Auswärtige Amt, um sich über Ansätze der Verantwortung von Religionen für Frieden und gesellschaftlichen Ausgleich auszutauschen. Vertreterinnen und Vertreter von Buddhismus, Christentum, Islam, Hinduismus sowie weiterer Religionen haben über die Themen Religion und Medien, Mediation, Friedenserziehung sowie Frauen in religiösen Friedensprozessen diskutiert und Perspektiven für die zukünftige Arbeit entwickelt. Diese Konferenz wurde zusammen mit dem finnischen Außenministerium ausgerichtet, das im Bereich der Kooperation mit Religionen vorbildlich ist: Finnland engagiert sich seit längerem im Bereich von Religion und Außenpolitik, hat ähnliche Zielsetzungen wie Deutschland und verfügt über umfangreiche Kontakte zu Religionsvertretern weltweit, u.a. durch das von Finnland geförderte „Network for Religious and Traditional Peacemakers„.

Eine Dokumentation der Konferenz finden Sie hier (auf Englisch):

Berlin Meeting of Religious Leaders from Asia PDF / 6 MB

Auslandskulturarbeit der Kirchen

Die christlichen Kirchen sind seit Jahren wichtige Partner der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Beide Konfessionen unterhalten weltweit ein Netz deutscher Auslandsgemeinden und Missionswerke, das auch vom Auswärtigen Amt gefördert wird. Wie die Goethe-Institute und die Partnerschulen repräsentieren auch sie deutsche Kultur im Ausland.

Die Gemeinden sind hervorragend mit der jeweiligen Ortskirche und Zivilgesellschaft vernetzt. Sie wirken auf vielfältige Weise ins Gastland hinein, prägen das positive Deutschlandbild im Ausland mit und sind dauerhaftes Bindeglied zwischen Deutschland und dem jeweiligen Gastland. Im sozialen Bereich sind sie ob ihrer Bildungsarbeit und ihres karitativen Engagements in vielen Ländern starke Partner. Darüber hinaus bieten die Gemeinden den im Ausland lebenden Deutschen und ihren Familien eine kulturelle und seelsorgerische Heimat.

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