Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Ohne Sicherheit ist alles nichts

21.11.2017 - Artikel

Fluchtursachenbekämpfung: Viele Iraker müssen lernen, ihrem Staat nach der Befreiung vom sogenannten Islamischen Staat (IS) wieder zu vertrauen. Deutschland unterstützt deshalb unter anderem das Projekt „Community Policing“ – die Polizei als Freund und Helfer.

Khalil al-Dschobory (rechts) zeigt einer IOM-Mitarbeiterin die zehn Unterschriften seiner Sicherheitsfreigabe 
Khalil al-Dschobory (rechts) zeigt einer IOM-Mitarbeiterin die zehn Unterschriften seiner Sicherheitsfreigabe © IOM

Khalil al-Dschobory ist der IS-Terrormiliz entkommen. Doch sich in der Stadt Tikrit ein neues Zuhause aufzubauen, war viel komplizierter als erwartet. Weil er aus einem von den IS-Dschihadisten kontrollierten Gebiet geflohen war, brauchte er zehn verschiedene Unterschriften, um als ungefährlich eingestuft zu werden. „Es hat über einen Monat gedauert“, sagt der Iraker. 

Doch inzwischen brauchen Binnenflüchtlinge und Rückkehrer nur noch vier Unterschriften für die Sicherheitsfreigabe – dank eines Konzepts namens Community Policing, das mit deutscher Hilfe im Irak aufgebaut wurde. Im Community Policing-Forum kommen Vertreter der Gemeinde und der Sicherheitsbehörden zusammen, um über dringende Probleme zu beraten und Lösungen zu finden. „Jetzt fühlen sich auch meine Verwandten ermutigt zu kommen“, erzählt al-Dschobory. „Ich wünschte, dass es solche Polizisten überall im Irak gäbe.“

Die Polizei als Freund und Helfer

Das Auswärtige Amt unterstützt die irakische Regierung darin, den Menschen in den vom sogenannten IS befreiten Gebieten das Vertrauen in ihren Staat zurückzugeben. Die Iraker sollen beim Community Policing die konkrete Erfahrung machen, dass die Polizei den Bürgern dient, als Freund und Helfer auf ihrer Seite steht und Rückkehrern die Angst vor Konflikten nehmen kann.

Community Policing gehört zu einem Gesamtpaket von 52 Projekten im Irak, die von der Abteilung S für Krisenprävention, Stabilisierung, Konfliktnachsorge und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt koordiniert und finanziert werden –  290 Millionen Euro hat die Abteilung S für Irak allein in 2017 bereitgestellt. Denn die Lage im Irak zu stabilisieren und der Bevölkerung vor Ort zu helfen ist nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit und globalen Verantwortung für den Frieden. Es dient gleichzeitig auch der Fluchtursachenbekämpfung.

Mehr Vertrauen und bessere Bleibeperspektiven

Iraker beim Community Policing Forum
Iraker beim Community Policing Forum© IOM

Die meisten Iraker wollten selbst unter den widrigsten Umständen in ihre Heimat zurück, hat Placido Silipigni beobachtet. Er ist Projektmanager bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM), die das von Deutschland finanzierte Community Policing-Projekt im Irak durchführt. „Der kritische Punkt für die Menschen ist die Sicherheit“, betont er. „Ohne ein gewisses Maß an Sicherheit kann keine wirtschaftliche Entwicklung stattfinden, die Menschen verlieren die Hoffnung und suchen nach Alternativen“. So entstehen Flucht- und Migrationsbewegungen von Bevölkerungsgruppen, die eigentlich gar nicht auswandern wollen. Eine funktionierende Polizei ist deshalb der Schlüssel für mehr Vertrauen und bessere Bleibeperspektiven. „Die Uniform eines Polizisten steht für den Staat“, sagt Silipigni. „Die Uniform sollte ausdrücken: Wir sind hier, um euch zu schützen und um eines jeden Freiheit zu garantieren.“ Doch das funktioniere nur, „wenn die Menschen den Polizisten vertrauen und sie respektieren“.

Community Policing-Foren: neutrale Instanz der Gemeinschaft

Community Policing Stationen in Irak
Community Policing Stationen in Irak© IOM

Silipigni und seine Mitarbeiter suchen die Polizisten sorgfältig aus, die Community Policing Officer werden. Die Beamten brauchen Erfahrung und Ausbildung, um das Forum zu moderieren, bei dem Probleme der Gemeinschaft besprochen werden. Sie benötigen auch ein Gespür dafür, Spannungen zu erkennen und zu entschärfen, bevor es zum offenen Konflikt kommt. Oft gilt es den Umgang mit Binnenflüchtlingen oder Rückkehrern zu erleichtern und das gegenseitige Misstrauen abzubauen.

Doch es kann auch darum gehen, bei einer Anschlagswelle von IS-Terroristen einen sicheren Schulweg für die Kinder zu organisieren – oder Jugendliche einer in Not geratenen Familie davor zu bewahren, in die Kriminalität abzurutschen. Außerdem  werden Probleme diskutiert, die sonst nie öffentlich zur Sprache kommen: häusliche Gewalt etwa und wer in solchen Fällen weiterhilft. „Dass die Polizei auch für die Schwachen und Verwundbaren in der Gesellschaft da ist, ist eine enorm wichtige Botschaft“, sagt Silipigni. Die Community Policing-Foren würden inzwischen als neutrale Instanz empfunden. „Für mich ist allein das schon ein riesiger Schritt nach vorne.“

Weitere Informationen:

Mit deutscher Hilfe gegen die Sprengfallen des IS

Deutsches Rotes Kreuz: Flüchtlingshilfe im Nordirak (Video)

Welthungerhilfe: Überleben sichern im Irak

World Food Programme: Voices from Mosul

OCHA: UN deputy relief chief Ursula Mueller says humanitarian crisis in Iraq „far from over“ 



Verwandte Inhalte

Schlagworte

nach oben