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Der 6. Kontinent: Die Antarktis

31.08.2018 - Artikel

Die Antarktis hat entscheidenden Einfluss auf das Weltklima und die Meeresökosysteme. In mehr als 40 ganzjährig besetzten Forschungsstationen arbeiten Wissenschaftler an Projekten von Routinemessungen bis zur Grundlagenforschung.

Der Kontinent

Kaiserpinguine in der Antarktis
Kaiserpinguine in der Antarktis © picture-alliance/dpa

Die Antarktis ist der kälteste, trockenste und stürmischste aller Kontinente. Sie ist fast 40 mal so groß wie Deutschland und der einzige Erdteil ohne Bevölkerung. Auch im antarktischen Sommer (Dezember bis Februar) sind 99 Prozent der Antarktis mit Eis bedeckt, stellenweise bis zu 5000 Meter dick. Sie gilt als „natürliches Archiv“ für die Naturgeschichte der Erde und hat entscheidenden Einfluss auf das Weltklima und die über das Südpolarmeer verbundenen Meeresökosysteme. Zahlreiche Staaten nutzen sie als „wissenschaftliches Freiluftlabor“, was unter anderem zur Entdeckung des Ozonlochs geführt hat.

Das Antarktis-Vertragssystem

Die Antarktis ist ein staatsfreies Gebiet und untersteht einem völkerrechtlichen Vertragssystem, das die internationalen Beziehungen auf diesem Kontinent und seine Nutzung durch die internationale Gemeinschaft regelt. Kern des Vertragssystems ist der Antarktisvertrag (AV) von 1959. Diesem ist die Bundesrepublik Deutschland 11979 beigetreten. Der Antarktisvertrag gilt für das Gebiet südlich von 60 Grad südlicher Breite. Er lässt die Nutzung der Antarktis nur für friedliche Zwecke zu und verbietet ausdrücklich jede militärische Nutzung. Er gewährleistet die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und fördert zu diesem Zweck die internationale Zusammenarbeit. Er verbietet Atomtests und die Beseitigung radioaktiven Abfalls in der Antarktis. Die von sieben Mitgliedstaaten des Antarktisvertrags (Argentinien, Australien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland und Norwegen) auf Teile der Antarktis erhobenen Souveränitätsansprüche werden durch den Vertrag ausdrücklich offen gelassen und gleichzeitig für die Geltungszeit des Vertrages „eingefroren“ (vgl. Art. IV AV). Deutschland macht keine territorialen Ansprüche geltend.

Für einen umfassenden Schutz der antarktischen Umwelt wurde 1991 das Umweltschutzprotokoll zum Antarktisvertrag mit seinen derzeit in Kraft stehenden fünf Anlagen erarbeitet. Deren Vorgaben sind für Deutschland mit dem deutschen Ausführungsgesetz (AUG) zum Antarktis-Umweltschutzprotokoll von 1998 in Kraft getreten.

Eine sechste Anlage zum Antarktis-Umweltschutzprotokoll, die Vorsorge- und Haftungsregelungen hinsichtlich der Verursachung von Umweltschäden vorsieht (Haftung für umweltgefährdende Notfälle), wurde 2005 auf der Konsultativtagung der Antarktisvertragsstaaten in Stockholm angenommen. Sie tritt erst in Kraft, wenn alle Konsultativstaaten sie innerstaatlich umgesetzt haben. Deutschland hat diese Umsetzung 2017 abgeschlossen. Zum Antarktis-Vertragssystem gehören auch das Übereinkommen zur Erhaltung der antarktischen Robben von 1972 (Convention for the Conservation of Antarctic Seals, CCAS) und das Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis von 1980 (Convention on the Conservation of Antarctic Marine Living Ressources, CCAMLR).

Die Konsultativtagungen

Das Steuerungsgremium des Antarktisvertrages ist die jährlich stattfindende Konferenz der Vertragsstaaten mit Konsultativstatus (Antarctic Treaty Consultative Meeting, ATCM), das heißt mit Stimmrecht nach Artikel IX AV. Diesen Status erhalten Vertragsstaaten, die ihm nach dem Inkrafttreten des AV am 23.06.1961 beigetreten sind, wenn sie ihr besonderes Interesse an der Antarktis durch erhebliche wissenschaftliche Forschungstätigkeiten zum Ausdruck bringen. Zur Zeit sind dies 29 der 50 Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland. Auf den Konsultativtagungen gilt in der Regel das Konsensprinzip, das heißt Entscheidungen können nur im gemeinsamen Einvernehmen der stimmberechtigten Mitglieder getroffen werden. Das Auswärtige Amt vertritt in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den betroffenen Fachressorts die deutschen Positionen. Die Konsultativtagungen finden jedes Jahr in einem anderen Vertragsstaat statt. Deutschland war Gastgeber der XVI. ATCM 1991 in Bonn und wird die Tagung erneut in 2022 ausrichten. Das auf der XXVI. ATCM in Madrid in 2003 eingerichtete ständige Antarktisvertrags-Sekretariat mit Sitz in Buenos Aires hat seine Arbeit offiziell im September 2004 aufgenommen. Es gibt dem Antarktis-Vertragssystem eine dauerhafte Infrastruktur – insbesondere auch zwischen den jährlichen Konsultativtagungen. Seit 2009 leitete der deutsche Wissenschaftler Dr. Manfred Reinke das Sekretariat, der das Amt im Sommer 2017 an Albert Lluberas aus Uruguay übergab. In den seit 1961 durchgeführten Konsultativtagungen wurde bis dato ein Regelwerk von inzwischen über 250 Maßnahmen und Empfehlungen verabschiedet, die überwiegend den antarktischen Umweltschutz betreffen. Wichtige Themen der Konsultativtagungen sind gegenwärtig die weitere Umsetzung des Antarktis-Umweltschutzprotokolls, Auswirkungen des Klimawandels auf das Gebiet der Antarktis, die internationale Forschungszusammenarbeit und die Regulierung des Tourismus in der Antarktis.

Tätigkeiten in der Antarktis

In erster Linie wird in der Antarktis wissenschaftliche Forschung betrieben. In den derzeit über 40 ganzjährig besetzten Forschungsstationen arbeiten Wissenschaftler – vielfach auch in internationaler Kooperation – an verschiedensten Projekten, die von Routinemessungen bis zu Grundlagenforschung reichen. Die deutsche Forschung koordiniert das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Es stellt die erforderliche Ausrüstung und Logistik zur Verfügung und unterhält auch die im Februar 2009 eingeweihte, ganzjährig betriebene Neumeyer-III-Station sowie das Forschungsschiff Polarstern. Neben den traditionellen Forschungsgebieten wie Geologie, Geophysik, Biologie, Meteorologie rücken immer mehr Fragestellungen zum Thema Klimawandel in den Vordergrund. So wird z.B. mit Eiskernbohrungen im Rahmen eines europäischen Projekts der natürliche Klimawandel in den letzten 500.000 Jahren erforscht. Davon erhofft man sich Rückschlüsse auf den Einfluss der vom Menschen verursachten Umweltverschmutzung auf die derzeitigen Klimaveränderungen und eine Grundlage für Prognosen der künftigen Entwicklung. Auch werden Messungen von Treibhausgasen in der Atmosphäre durchgeführt sowie der Abbau der Ozonschicht über der Antarktis untersucht. Diese Forschungsprogramme verdeutlichen die wichtige Rolle dieses Kontinents für das Weltklima.

Eine andere zunehmende Nutzung der Antarktis stellen touristische Ausflüge dar. Es handelt sich überwiegend um Landausflüge kleinerer Personengruppen von Kreuzfahrtschiffen aus, doch nehmen die Auswirkungen des Tourismus auf die Arbeit der Forschungsstationen und auf die antarktische Umwelt zu. Zum Schutz von Umwelt und Forschung verlangt das Umweltschutzprotokoll, dass Reiseveranstalter jede Reise von der national zuständigen Behörde (in Deutschland das Umweltbundesamt) genehmigen lassen. Daneben wurde von den Konsultativstaaten ein Berichtsformular ausgearbeitet, mit dem Tourismus-Veranstalter wichtige Informationen zu ihrem Antarktis-Besuch nach Abschluss der Reise der zuständigen nationalen Behörde mitzuteilen haben. Auf der Konsultativtagung 1994 in Kyoto haben die Konsultativstaaten beschlossen, Antarktis-Touristen und Touristikunternehmen einen strengen Verhaltens- und Maßnahmenkatalog (einen sogenannten Besucher-Leitfaden) zum größtmöglichen Schutz der Tiere, Umwelt und wissenschaftlichen Forschung in der Antarktis mit auf den Weg zu geben.

Der Schutz der Antarktis

Der Schutz der Antarktis und ihrer empfindlichen Ökosysteme vor Umweltschäden hat auch auf Grund ihrer Bedeutung für das Weltklima für die Konsultativstaaten immer größeres Gewicht erhalten. Dabei standen viele Jahre die möglichen Auswirkungen von Bergbauaktivitäten auf die antarktische Umwelt im Mittelpunkt. Ein Ressourcenübereinkommen von 1988, das die Gewinnung mineralischer Rohstoffe unter Beachtung strenger Umweltschutzvorschriften zulassen sollte (CRAMRA), trat mangels Ratifikation nicht in Kraft. Stattdessen wurde der kommerzielle Abbau mineralischer Ressourcen durch das Umweltschutzprotokoll von 1991 ganz verboten. Dieses Protokoll und seine derzeit in Kraft stehenden fünf Anlagen umfassen materielle und Verfahrensregelungen für umweltgerechtes Verhalten auf dem 6. Kontinent, darunter eine Genehmigungspflicht für jede erhebliche Aktivität in der Antarktis (zum Beispiel Forschungsexpeditionen und Touristenreisen) und Umweltverträglichkeitsprüfungen. Deutsche Vorhaben in der Antarktis müssen entsprechend vom Umweltbundesamt (UBA) genehmigt werden (§ 3 Umweltschutzprotokoll-Ausführungsgesetz). Die im Jahr 2005 angenommene, aber noch nicht in Kraft getretene sechste Anlage „Haftung für umweltgefährdende Notfälle“ ist die erste internationale Regelung zur Vermeidung und Kompensation von Umweltschäden in der Antarktis und ein wichtiger Schritt zu einem umfassenden Haftungsregime zum Schutz der antarktischen Umwelt sowie deren abhängiger und verbundener Ökosysteme. Eine wichtige Rolle beim Schutz des antarktischen Ökosystems spielt das CCAMLR (Abkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis von 1980). Zur Durchsetzung und Überwachung dieses Abkommens wurde die CCAMLR-Kommission mit Sitz in Hobart, Australien gegründet. Sie legt Quoten für den Fischfang in antarktischen Gewässern fest, kontrolliert deren Einhaltung und befasst sich mittlerweile auch mit der Schaffung von Meeresschutzgebieten im Bereich schützenswerter antarktischer Gewässer und des Schelfeises. Eine zunehmende Bedrohung für das empfindliche ökologische Gleichgewicht stellt der illegale Fischfang (illegal, unregulated and unreported fishing, IUU) dar, durch den nicht nur die Fischbestände sondern auch der Bestand von Seevögeln, Robben und anderen Meeressäugern gefährdet wird. Immer wieder werden von den Anrainerstaaten des Südpolarmeeres Schiffe beim verbotenen Fischfang überrascht, aufgebracht und der Fang beschlagnahmt. Eine umfassend wirksame Bekämpfung des IUU-Fischfangs ist in den unwirtlichen und weitläufigen antarktischen Gewässern jedoch schwierig. Im Jahr 2016 einigten sich die CCAMLR-Vertragsstaaten erstmals auf die Ausweisung eines umfassenden Meeresschutzgebietes im Rossmeer. Derzeit beraten sie auch über den maßgeblich von Deutschland erarbeiteten Vorschlag der EU zur Ausweisung eines weiteren Meeresschutzgebietes im Bereich des artenreichen, bisher von Fischerei weitgehend unberührten Wedellmeeres.

Die Antarktis in der Generalversammlung der Vereinten Nationen

Die „Frage der Antarktis“ steht seit 2006 nicht mehr auf der Tagesordnung der VN. Die Antarktis-Vertragsstaaten verweisen darauf, dass jedem VN-Mitglied der Beitritt zum Antarktisvertragssystem offen stehe und sich dieses Vertragssystem als effizient erwiesen und bewährt habe.

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