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Vergessene Krisen: Weide statt Wüste in der Sahel-Region

Besondere Halbmonde: Die Wüste wird zu Weideland

Besondere Halbmonde: Die Wüste wird zu Weideland, © ASB Niger

07.09.2020 - Artikel

Dürren, Terrorangriffe und bittere Armut: in den Sahel-Ländern Mali, Burkina Faso und Niger sind 12,6 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Deutschland unterstützt ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes, das karge Wüstenfläche in fruchtbares Weideland verwandelt. 

Folgen des Klimawandels: Dürren und Überschwemmungen

Im Norden des afrikanischen Kontinents erstreckt sich die Sahelregion von West nach Ost, auf einer Fläche so groß wie Westeuropa. Die Menschen in dieser Region leben überwiegend von Landwirtschaft, doch die Folgen des Klimawandels sind hier schon dramatisch zu spüren. Ehemals fruchtbares Weideland verödet, die Wüste rückt immer weiter ins Landesinnere vor, zerstört landwirtschaftliche Flächen und beraubt die Menschen ihrer Lebensgrundlage. Dürre trocknet den Boden immer weiter aus und wenn einmal Regen fällt, dann meistens gleich so viel, dass der Boden das Wasser nicht aufnehmen kann und Überschwemmungen drohen. Fast jeder Zehnte in Mali, Niger und Burkina Fast leidet an Hunger, Tendenz steigend.

Der Halbmond als Hoffnungszeichen: Saatlöcher für dürreresistente Samen

Zunächst werden halbmondförmige Saatlöcher im Wüstenboden angelegt
Zunächst werden halbmondförmige Saatlöcher im Wüstenboden angelegt© ASB Niger

Nun entwickelt sich ein besonderer Halbmond zum Hoffnungszeichen in der Region: Gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariter-Bund wandeln 10.000 Geflüchtete, Binnenvertriebene und Ortsansässige in den Sahel-Ländern Mali, Burkina Faso und Niger karge Wüstenfläche in fruchtbares Weideland um. Die Helferinnen und Helfer graben große halbmondförmige Saatlöcher in den trockenen Wüstenboden, dann bringen sie dürreresistente Samen aus.

Wenn die nächste Regenperiode eintritt, staut sich in diesen Saatlöchern das Wasser und lässt in den folgenden Wochen und Monaten eine fruchtbare Vegetation hervorsprießen. Nach etwa zwei Jahren können die Halbmondfelder als Weideland verwendet werden, eine Fläche so groß wie 3.000 Fußballfelder konnte auf diese Weise bereits umgewandelt werden. Das Auswärtige Amt hat das Projekt seit 2016 mit 4,7 Millionen Euro gefördert. 

Flucht und Vertreibung in der Sahelregion

Bei Regen füllen sich die Löcher dann mit Wasser, die Vegetation gedeiht
Bei Regen füllen sich die Löcher dann mit Wasser, die Vegetation gedeiht© ASB Niger

Das Projekt ist ein Hoffnungsschimmer in der Sahelregion, die in den letzten Jahren zum Schauplatz einer der größten humanitären Krisen weltweit geworden ist. Terroristische Gruppen treiben in Teilen Burkina Fasos, Malis und Nigers ihr Unwesen, Menschen werden ermordet, vertrieben, verschleppt. Um diesen Menschen dauerhaft eine Zufluchtsstätte zu schaffen hat Niger, ein wichtiger Partner der Bundesregierung, in der Provinz Tahoua im Westen des Landes eine Zone d’Accueil des Refugie – eine Ankunftszone für Flüchtlinge – errichtet. Auch dort ist der Arbeiter-Samariter-Bund tätig und bietet Menschen, die oft mehrmals alles hinter sich lassen mussten, eine Zukunftsperspektive. 

Deutschland organisiert Hilfe als Ko-Gastgeber der humanitären Sahelkonferenz 2020

In Mali, Niger und Burkina Faso fehlen nach Angaben der Vereinten Nationen über 900 Millionen US-Dollar, um die Menschen in Not mit humanitärer Hilfe zu versorgen. Deutschland hat die Hilfe für 2020 bereits erhöht, doch der Bedarf wächst weiter. 
Deutschland wird deswegen zusammen mit Dänemark, der EU und den Vereinten Nationen am 20. Oktober eine hochrangige Geberkonferenz in Kopenhagen ausrichten. Neben einem Unterstützungsaufruf soll es bei der Konferenz auch um wichtige Fragen des Schutzes von Menschen in Not sowie des Zugangs für humanitäre Helferinnen und Helfer gehen. 

Der Geberkonferenz geht ein virtuelles Treffen mit hochrangigen Vertretern verschiedener Regierungen, internationaler Organisationen und humanitärer Hilfsorganisationen  am 8. September voran, das der thematischen Vorbereitung dient. Hierzu fanden im Juli bereits Workshops mit humanitären Organisationen und Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft in Burkina Faso, Mali und Niger statt.

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