Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Humanitäre Hilfe in Südsudan

Wasserpumpe in einer Siedlung im Südsudan

Wasserpumpe in einer Siedlung im Südsudan, © picture alliance/dpa

10.04.2019 - Artikel

Die humanitäre Krise in Südsudan ist eine der schwersten weltweit. Sudan und Südsudan zählen zu den regionalen Schwerpunkten der humanitären Hilfe der Bundesregierung.

Volatile Lage trotz Friedensabkommens

Südsudan ist seit dem 9. Juli 2011 ein unabhängiger Staat und nicht mehr Teil der Republik Sudan. Das Land ist eines der ärmsten Länder der Welt. Im Dezember 2013 kam es zum offenen Ausbruch eines bereits länger schwelenden Machtkonflikts zwischen dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir (Angehöriger der Dinka) und seinem Stellvertreter Riek Machar (Angehöriger der Nuer).

Durch massiven internationalen Druck kam es unter Federführung der Regionalorganisation Intergovernmental Authority on Development (IGAD) im August 2015 zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens (“Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan”, ARCSS). Dieser Friedensprozess wurde jedoch durch den Wiederausbruch des Bürgerkriegs im Juli 2016 torpediert. Am 12. September 2018 haben die Bürgerkriegsparteien Südsudans nach monatelangen Verhandlungen das Friedensabkommen von 2015 erneuert (“Revitalised Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan”, R-ARCSS). Trotz Friedensabkommen ist die Sicherheitslage weiterhin fragil, die humanitäre Lage bleibt dramatisch.

Komplexe Ursachen für kritische Lage im Land

Schon bei der Unabhängigkeit des Landes war die humanitäre Lage volatil und hat sich seitdem kontinuierlich verschlechtert. Die Ursachen hierfür sind komplex; insbesondere haben jedoch der jahrelange Bürgerkrieg und gewalttätige interethnische und interkommunale Auseinandersetzungen zur Verschlechterung der humanitären Lage beigetragen. Die Situation ist außerdem gekennzeichnet durch ein hohes Maß geschlechterspezifischer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, anhaltende Waffenstillstandsverletzungen und Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten Gruppierungen. Dies spiegelt sich durch wiederkehrende Überfälle bewaffneter Gruppen, Viehdiebstahl, eine entsprechend fragile Sicherheitslage, gewaltbedingte Vertreibungen innerhalb des Landes, das Eintreffen weiterer Flüchtlinge aus Nachbarländern, eine schlechte Wirtschafts- und Versorgungslage, volatile Inflation und saisonale Überflutungen, die zur Regenzeit 60 % der Straßen des Landes unpassierbar machen, wider.

Darüber hinaus steht das Land vor enormen strukturellen Herausforderungen wie einer desolaten (Transport-) Infrastruktur, die auch die humanitäre Hilfe einschränkt, einem sehr niedrigen Bildungsniveau, kaum vorhandenen staatlichen Institutionen und mangelnder Grundversorgung vor allem in den Bereichen Wasser, Sanitär und Gesundheit. Administrative Hürden erschweren die Leistung humanitärer Hilfe. Südsudan ist darüber hinaus eines der gefährlichsten Länder für humanitäre Helfer - sie werden regelmäßig Opfer von Übergriffen.

Humanitäre Situation

Entsprechend katastrophal ist die humanitäre Lage in Südsudan. Mehr als 7 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, 5,2 Millionen Menschen benötigen akute Nahrungsmittelhilfe. Die Erkrankungsraten sowie Mütter- und Kindersterblichkeitsraten gehören zu den höchsten der Welt. Dringender humanitärer Bedarf besteht in den Bereichen Notfallversorgung für Binnenvertriebene und Flüchtlinge, sowie medizinische Notfallversorgung, Nahrungssicherung, Bereitstellung von Notunterkünften sowie Wasser- und Sanitärversorgung/Hygiene.

Höchste humanitäre Priorität haben der Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherstellung des humanitären Zugangs zu den hilfsbedürftigen Menschen, der durch die Kampfhandlungen stark eingeschränkt ist.

Flüchtlingssituation

Flüchtlinge im Südsudan
Flüchtlinge im Südsudan© picture alliance/dpa

Mindestens eine Million Menschen wurden innerhalb Südsudans vertrieben, die Tendenz ist weiter steigend. Über 2,2 Millionen Menschen sind in die Nachbarländer geflohen. Die Lebensumstände für die Vertriebenen sind schwierig; viele von ihnen haben keinen oder nur beschränkten Zugang zu Notunterkünften und Nahrungsmitteln.

Gleichzeitig beherbergt Südsudan selbst bereits seit Jahren viele Flüchtlinge aus den Nachbarländern - derzeit über 290.000 aus der Republik Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, der Zentralafrikanischen Republik und Uganda.

Unsichere Nahrungsmittelversorgung, schlechte Gesundheitsversorgung

Die wirtschaftliche Lage Südsudans hat sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert. Die schlechte Infrastruktur, eine unzureichende Marktentwicklung sowie korrupte und ineffiziente Verwaltung erschweren die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Saisonale Überflutungen führen zudem zu weiteren Notlagen und dem Ausbruch von Krankheiten wie Hepatitis und Malaria. Internationale Geber leisten wichtige finanzielle Unterstützung im Bereich der Gesundheitsversorgung, rund sieben Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Unterstützung durch das Auswärtige Amt

Im Nordosten des Landes kommt es immer wieder zu Dürreperioden
Im Nordosten des Landes kommt es immer wieder zu Dürreperioden© picture alliance/dpa

Das Auswärtige Amt fördert in Südsudan humanitäre Hilfsprojekte deutscher und internationaler Nichtregierungsorganisationen sowie die Arbeit von humanitären Organisationen der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). In den Jahren 2017-2018 stellte das Auswärtige Amt insgesamt 165 Millionen Euro für Maßnahmen der humanitären Hilfe im Land bereit. Schwerpunkte der Projekte sind Nahrungsmittelhilfe, Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen, medizinische Versorgung, Notunterkünfte, Schutzmaßnahmen, Verbesserung der Lebensbedingungen und Katastrophenvorsorge. Zudem wurde wegen der schlechten Straßen der für die Hilfslogistik besonders wichtige humanitäre Flugdienst der Vereinten Nationen (UNHAS) finanziell unterstützt.

Angesichts der dramatischen Entwicklung gehen die Vereinten Nationen für das Jahr 2019 von einem humanitären Bedarf von 1,5 Milliarden US-Dollar in Südsudan aus. Die Bundesregierung setzt ihr humanitäres Engagement fort und hat seit 2016 Mittel in Höhe von mehr als  191 Millionen Euro für die Unterstützung von humanitären Hilfsprojekten im Südsudan  bereitgestellt.

Weitere Informationen zu Südsudan

Verwandte Inhalte

Schlagworte

nach oben