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Humanitäre Hilfe in Südsudan

Frauen gehen durch den Ort Nyamlell im Nordwesten Südsudans. Sie kommen gerade vom Markt, der hier einmal die Woche stattfindet.

Frauen gehen durch den Ort Nyamlell im Nordwesten Südsudans. Sie kommen gerade vom Markt, der hier einmal die Woche stattfindet., © dpa

23.06.2020 - Artikel

Die humanitäre Krise in Südsudan ist seit vielen Jahren eine der schwersten weltweit und die derzeit drittgrößte Flüchtlingskrise. Sie gehört zu den regionalen Schwerpunkten der humanitären Hilfe der Bundesregierung.

Schleppender Friedensprozess

Südsudan, eines der ärmsten Länder der Welt, ist seit dem 9. Juli 2011 ein unabhängiger Staat und nicht mehr Teil der Republik Sudan. Im Dezember 2013 kam es zum offenen Ausbruch eines bereits länger schwelenden Machtkampfs zwischen dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir (Angehöriger der Dinka) und seinem Stellvertreter Riek Machar (Angehöriger der Nuer).

Durch massiven internationalen Druck kam es unter Federführung der Regionalorganisation Intergovernmental Authority on Development (IGAD) im August 2015 zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens (“Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan”, ARCSS). Dieser Friedensprozess wurde jedoch durch den Wiederausbruch des Bürgerkriegs im Juli 2016 unterbrochen. Am 12. September 2018 haben die Bürgerkriegsparteien Südsudans nach monatelangen Verhandlungen das Friedensabkommen von 2015 erneuert (“Revitalised Agreement on the Resolution of the Conflict in South Sudan”, R-ARCSS). Auf Grundlage des R-ARCSS wurde im Februar/März 2020 die Übergangsregierung der Nationalen Einheit gebildet. Die Umsetzung des Friedensabkommens kommt jedoch nur schleppend voran.

Komplexe Ursachen für kritische Lage im Land

Eine Bewohnerin des Ortes Nyamlell im Nordwesten des Südsudans geht eine Straße entlang, die derzeit gebaut wird.
Eine Bewohnerin des Ortes Nyamlell im Nordwesten des Südsudans geht eine Straße entlang, die derzeit gebaut wird.© dpa

Trotz Friedensabkommen ist die Sicherheitslage weiterhin fragil, die humanitäre Lage bleibt dramatisch. Schon bei Unabhängigkeit des Landes war die humanitäre Lage schlecht, sie hat sich insbesondere durch den jahrelangen Bürgerkrieg weiter verschlechtert. Die aktuelle Situation ist geprägt von interethnischen und interkommunalen Konflikten, einem hohen Maß geschlechterspezifischer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Nicht-Unterzeichnern des Friedensabkommens und Streitkräften der Regierung, darunter Waffenstillstandsverletzungen. Dies äußert sich unter anderem durch wiederkehrende Überfälle bewaffneter Gruppen, Viehdiebstahl, eine entsprechend fragile Sicherheitslage, gewaltbedingte Vertreibungen innerhalb des Landes, eine schlechte Wirtschafts- und Versorgungslage, die insbesondere von der Entwicklung des Ölpreises abhängig ist, volatile Inflation und saisonale Überflutungen, die zur Regenzeit 60 % der Straßen des Landes unpassierbar machen.

Darüber hinaus steht das Land vor enormen strukturellen Herausforderungen wie einer desolaten (Transport-)Infrastruktur, die auch die humanitäre Hilfe einschränkt, einem sehr niedrigen Bildungsniveau, kaum vorhandenen staatlichen Institutionen und mangelnder Grundversorgung vor allem in den Bereichen Wasser, Sanitär und Gesundheit. Schlechte Regierungsführung, einschl. Korruption und hoher administrativer Hürden, erschweren die Leistung humanitärer Hilfe. Südsudan ist darüber hinaus eines der gefährlichsten Länder für humanitäre Helfer.

Humanitäre Situation und Flüchtlingssituation

Flüchtlinge im Südsudan
Frauen in einer Warteschlange für Plastikplanen, die eine Hilfsorganisation verteilt. Ganyiel, Unity State.© picture alliance/dpa

Die humanitäre Lage in Südsudan ist katastrophal: mehr als 7,5 Millionen Menschen sind im Jahr 2020 auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nach neuesten Fluchtbewegungen im Land gibt es derzeit rund 1,5 Millionen Binnenvertriebene. Hinzu kommen 2,2 Millionen südsudanesische Flüchtlinge in den Nachbarländern Uganda, Sudan, Äthiopien, Kenia und Demokratischen Republik Kongo. Die Lebensumstände für die Vertriebenen sind schwierig. Viele von ihnen haben keinen oder nur beschränkten Zugang zu Notunterkünften und Nahrungsmitteln. Gleichzeitig beherbergt Südsudan selbst bereits seit Jahren viele Flüchtlinge aus den Nachbarländern – derzeit über 290.000 aus der Republik Sudan, der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, der Zentralafrikanischen Republik und Uganda. Höchste humanitäre Priorität haben daher der Schutz der Zivilbevölkerung und die Sicherstellung des humanitären Zugangs zu hilfsbedürftigen Menschen. Letzterer ist durch wiederaufflammende Kampfhandlungen in bestimmten Gebieten stark eingeschränkt.

Die Ernährungssicherheit hat sich seit Ausbruch des Konflikts stetig verschlechtert und erreichte 2019 ein trauriges Rekordniveau. 2020 sind mehr als 5,3 Millionen Menschen von starker Ernährungsunsicherheit betroffen. Mütter- und Kindersterblichkeitsraten gehören zu den höchsten der Welt. Dringender humanitärer Bedarf besteht in allen Bereichen der Notfallversorgung für Binnenvertriebene und Flüchtlinge, einschließlich medizinischer Notfallversorgung, Nahrungssicherung, Bereitstellung von Notunterkünften, Wasser- und Sanitärversorgung/Hygiene sowie Schutzmaßnahmen.

Unsichere Nahrungsmittelversorgung, schlechte Gesundheitsversorgung

Die wirtschaftliche Lage Südsudans hat sich in den letzten Jahren rapide verschlechtert. Die schlechte Infrastruktur, eine unzureichende Marktentwicklung sowie korrupte und ineffiziente Verwaltung erschweren die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Saisonale Überflutungen führen zudem zu weiteren Notlagen und dem Ausbruch von Krankheiten wie Hepatitis und Malaria. Internationale Geber leisten wichtige finanzielle Unterstützung im Bereich der Basisgesundheitsversorgung. Dies gilt auch für die Unterstützung von medizinischen Maßnahmen im Rahmen der derzeitigen COVID-19-Pandemie.

Unterstützung durch das Auswärtige Amt

Südsudan, Juba: Ein Mann wäscht seine Hände an einer Waschstation des Roten Kreuzes.
Südsudan, Juba: Ein Mann wäscht seine Hände an einer Waschstation des Roten Kreuzes.© Uncredited/AP/dpa

Das Auswärtige Amt fördert in Südsudan humanitäre Hilfsprojekte deutscher und internationaler Nichtregierungsorganisationen sowie die Arbeit von humanitären Organisationen der Vereinten Nationen und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). In den Jahren 2017-2019 stellte das Auswärtige Amt insgesamt 235 Millionen Euro für Maßnahmen der humanitären Hilfe im Land bereit. Schwerpunkte der Projekte sind Nahrungsmittelnothilfe, Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen, medizinische Versorgung, Notunterkünfte, Schutzmaßnahmen, Verbesserung der Lebensbedingungen und Katastrophenvorsorge. Zudem wurde wegen des schlechten Zustands vieler Straßen der für die Hilfslogistik besonders wichtige humanitäre Flugdienst der Vereinten Nationen (UNHAS) finanziell unterstützt.

Angesichts der dramatischen Entwicklung der letzten Jahre gehen die Vereinten Nationen für das Jahr 2020 von einem humanitären Bedarf von 1,5 Milliarden US-Dollar in Südsudan aus. Die Bundesregierung setzt ihr humanitäres Engagement in der humanitären Krise fort.

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