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Minen: Das gefährliche Erbe des Krieges

Mitarbeiter der NGO Halo bereiten die Räumung des Geländes vor

Mitarbeiter der NGO Halo bereiten die Räumung des Geländes vor, © HALO Trust

12.05.2021 - Artikel

Minen, Sprengfallen und Blindgänger verhindern, dass nach einem Konflikt wieder Normalität einkehren kann. Deutschland engagiert sich deswegen weltweit bei der Räumung von Minen und Kampfmitteln. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Ukraine.

Minen und Kampfmittel sind eine bleibende Gefahr – und das noch lange, nachdem ein Konflikt beendet ist. Sie behindern Friedenseinsätze, Stabilisierungsprogramme und den Zugang humanitärer Hilfsorganisationen. Auch die Rückkehr von Binnenvertriebenen und der notwendige Wiederaufbau werden erschwert. Viele Menschen verlieren durch Minen auch ihre land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen und somit einen wichtigen Bestandteil ihres Auskommens.

Schon fast 1000 Minenopfer in der Ukraine

Die Ukraine gehört mittlerweile zu den am stärksten mit Minen und Kampfmittelrückständen kontaminierten Staaten der Welt.

Gefährliche Überreste: Die Ukraine gehört zu den am stärksten mit Minen kontaminierten Staaten der Welt
Gefährliche Überreste: Die Ukraine gehört zu den am stärksten mit Minen kontaminierten Staaten der Welt© Mines Advisory Group

Im Osten der Ukraine stehen sich von Russland unterstützte Separatisten und die ukrainische Regierung in einem bewaffneten Konflikt gegenüber, der schon mehr als 3.300 zivile Opfer gefordert hat. Entlang der über 450 km langen Trennlinie liegen tausende Minen, Sprengfallen und Munitionsreste. Der Landmine Monitor 2020 geht davon aus, dass mehr als 7.000 km² kontaminiert sind – eine Fläche rund zehnmal so groß wie Hamburg. Seit 2014 sind dadurch mindestens 959 Menschen gestorben und 1.840 verletzt worden.

Ein kontaminierter Freizeitpark wird von Minen befreit

Was die Kontaminierung konkret bedeutet, erklärt Petro Mykolayovych, der als Wachmann in Pervomaisk in der Region Luhansk arbeitet. Er bewacht ein Gelände, das von 2014 bis 2017 eine von Minen gesäumte Militärbasis war. Die Soldaten sind mittlerweile abgezogen, die Minen aber bleiben. Vor dem Krieg hatte das Gelände einen anderen Zweck: es war ein Sommercamp für Kinder. Nun steht Petro Wache und sorgt dafür, dass Unwissende nicht die gefährlichen Stellen betreten.

Doch nun gibt es Hoffnung auf Besserung: Die NGO Halo, die weltweit Minenräumprojekte durchführt, bereitet die Säuberung des Geländes vor. Deutschland fördert die NGO in der Ukraine mit 1 Mio. Euro pro Jahr.

Hilfe bei der Rückkehr in einen sicheren Alltag

Die Arbeit von Halo in der Ukraine trägt zum Schutz von über 25.000 Personen bei, die in den betroffenen Gebieten leben. Sie ermöglicht humanitären Hilfsorganisationen den Zugang zu Bedürftigen. Felder können erneut genutzt und die Infrastruktur wiederaufgebaut werden. Das Projekt bereitet damit den Weg für eine langfristige positive Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Zugleich ist es die Grundlage für eine Rückkehr der Vertriebenen in Sicherheit und Würde.

Das Auswärtige Amt unterstützt in der Ukraine insgesamt drei Organisationen beim Minenräumen, um möglichst schnelle Fortschritte erzielen zu können – neben Halo auch UNICEF und die Danish Demining Group.

Internationaler Einsatz gegen Minen

Auch auf internationaler Ebene engagiert sich Deutschland gegen Minen. So ist Deutschland Vertragsstaat des Ottawa-Übereinkommens – ein Abkommen, das Antipersonenminen ächtet und von 164 Staaten ratifiziert wurde. Zudem hat sich Deutschland dem Oslo-Übereinkommen, das Streumunition verbietet, sowie dem VN-Waffenübereinkommen verpflichtet. Die Bundesregierung setzt sich mit politischer Überzeugungsarbeit für die weltweite Anwendung und Einhaltung dieser Völkerrechtsübereinkommen ein.

Daneben fördert Deutschland Projekte von weiteren Hilfsorganisationen, die daran arbeiten, dass das Leben nach dem Ende der Kampfhandlungen weitergehen und Vertriebene in ihre Heimat zurückkehren können. 2020 hat Deutschland dafür fast 50 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Schwerpunkte liegen auf der Arbeit in Afghanistan, Irak, Somalia, Sri Lanka, Kolumbien, Bosnien-Herzegowina und der Ukraine.

Im Vordergrund stehen dabei die vier Säulen des Minenräumens, die auch in der Strategie des Auswärtigen Amts für Humanitäres Minen- und Kampfmittelräumen im Rahmen der Humanitären Hilfe der Bundesregierung – aufgenommen wurden: das Orten und Räumen von Minen und Kampfmittelrückständen, die präventive Gefahrenaufklärung für die Bevölkerung vor Ort, die Fürsorge für Opfer und Überlebende sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

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