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Vergessene humanitäre Krisen

27.08.2019 - Artikel

Viele humanitäre Krisen leiden unter mangelndem medialem Interesse und fehlender Finanzierung. Das Auswärtige Amt rückt sie in den Mittelpunkt.

Gewaltsame Konflikte und die zunehmende Zahl von Naturkatastrophen und Extremwetterereignissen führen dazu, dass derzeit mehr als 142 Millionen Menschen in 57 Ländern weltweit humanitäre Hilfe zum Überleben benötigen. Während humanitäre Großkrisen wie Syrien und Jemen in Politik und Medien eine große Rolle spielen, vollzieht sich das Leid der Menschen in „vergessenen Krisen“ oft außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.

Was sind vergessene humanitäre Krisen?

Menschen stehen im Schnee in einer Schlange an
Checkpoint in der Ukraine© OCHA Ukraine / O. Gaskevych

Vergessene humanitäre Krisen sind Krisen mit großem humanitärem Bedarf, dabei jedoch geprägt von geringer medialer Berichterstattung und mangelnden Hilfsgütern und Spenden. Meist liegen diesen lang anhaltende Konflikte, wiederkehrende Naturkatastrophen, oder schleichende Klimaveränderungen zugrunde. Ein Teufelskreis, denn fehlendes politisches und mediales Interesse gehen mit wenig finanzieller Unterstützung einher.

Die Generaldirektion für Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Kommission (ECHO) identifiziert diese vergessenen Krisen durch das jährliche “Forgotten Crisis Assessment”, welches auch das Auswärtige Amt als Referenzrahmen verwendet.

Myanmar und Bangladesch, Sahel, Zentralafrikanische Republik

2019 stehen 15 Länder bzw. Regionen auf der Liste. Dazu gehören die Vertreibung der Rohingya in Myanmar und Bangladesch, Hunger und Mangelernährung im Sahel, Binnenvertreibung infolge des bewaffneten Konflikts in Kolumbien oder die Lage in der Zentralafrikanischen Republik.

Durch gezielte Förderung und aktive Öffentlichkeitsarbeit engagiert sich das Auswärtige Amt, um diese Notlagen wieder in den Fokus zu rücken und die humanitären Bedarfe der Bevölkerung zu decken.

Finanzierung vergessener Krisen

Rund 20 Prozent seiner Haushaltsmittel für humanitäre Hilfe hat das Auswärtige Amt in den vergangenen Jahren für vergessene Krisen aufgewendet. Darüber hinaus hat Deutschland in seiner Rolle als zweitgrößter Geber des Zentralen Nothilfefonds der Vereinten Nationen (CERF) im Jahr 2018 maßgeblich dazu beigetragen, die Not in unterfinanzierten und wenig beachteten Krisen zu lindern. Rund ein Drittel des Fonds fließt jährlich in diese Länder und Regionen.

Unabhängig vom eigentlichen humanitären Bedarf fällt es Hilfsorganisationen oft schwer, Mittel für Programme mit langfristiger Wirkung einzuwerben, besonders wenn sich diese dem politischen und medialen Interesse entziehen. Damit unsere Partner auch hier wirksam helfen können, erhöht das Auswärtige Amt stetig den Anteil nicht zweckgebundener und dadurch flexibler einsetzbarer Finanzierung.

Stimmen gegen das Vergessen

Krisen vergessen heißt Menschen vergessen #nichtvergesser
Krisen vergessen heißt Menschen vergessen #nichtvergesser© Plan International Deutschland

Um Krisen und ihre Betroffenen aus der Vergessenheit zu holen, lenkt das Auswärtige Amt gemeinsam mit Partnerorganisationen über soziale Medien, gegenüber politischen Entscheidungsträgern und auf Veranstaltungen die Aufmerksamkeit immer wieder auf vergessene humanitäre Krisen.

So fördert der Journalistenpreis Humanitäre Hilfe neue Wege medialer Berichterstattung. Ausgewählte Nachwuchsjournalisten und -journalistinnen erhalten dabei die Möglichkeit, sich vor Ort ein Bild von humanitären Notlagen zu machen und mit Betroffenen zu sprechen. Der Gewinner wird von einer Jury und der breiten Öffentlichkeit gewählt.
Außerdem hat die #nichtvergesser Kampagne des Auswärtigen Amts über 130 000 Stimmen gegen das Vergessen gesammelt, darunter auch zahlreiche Prominente. Diese wurden im Sommer 2018 an VN-Generalsekretär António Guterres übergeben, verbunden mit der Bitte, sich stärker für vergessene humanitäre Krisen einzusetzen. Die Organisation Care wird durch das AA bei der Veröffentlichung ihres Berichts “Suffering in Silence” unterstützt. Care ermittelt damit jedes Jahr zehn humanitäre Krisen, die die geringste Aufmerksamkeit erhielten.

Zum Weiterlesen:

Vergessene Krisen Index der EU

Suffering in Silence, Bericht 2018

Kampagne #nichtvergesser

Journalistenpreis Humanitäre Hilfe

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