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Humanitäre Länderfonds: Schnelle und flexible Hilfe

Yemen

Jemen: 2019 wurden 35,2 Mio. Dollar für Ernährungssicherheit aus dem humanitären Länderfonds zur Verfügung gestellt., © WFP / Marco Frattini

30.07.2020 - Artikel

Wenn eine Krise ausbricht und Menschen in Not geraten, kann schnelles Handeln Leben retten. Ob in der Zentralafrikanischen Republik, in Jemen oder in der Ukraine: durch humanitäre Länderfonds leistet Deutschland schnell und unbürokratisch humanitäre Hilfe in Notsituationen. 

Unmittelbare Reaktion auf Katastrophen ist ausschlaggebend

Wenn eine Naturkatastrophe oder ein gewaltsamer Konflikt ausbricht und die Bilder die Welt bewegen, löst dies oft eine beeindruckende Spendenbereitschaft aus. So spendeten zum Beispiel im Jahr 2005 nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien staatliche und private Akteure die damalige Rekordsumme von 17 Milliarden Dollar. Doch nicht immer sind die notwendigen Mittel wie in diesem Fall sofort verfügbar, häufig vergehen Wochen und Monate – zu viel wertvolle Zeit. Denn die erste Zeit nach Ausbruch einer Katastrophe ist entscheidend, um durch Sofortmaßnahmen Schäden zu begrenzen und Leben zu retten. 

Humanitäre Länderfonds: Hilfe bereits nach wenigen Tagen

Um dieser Herausforderung zu begegnen, haben die Vereinten Nationen die sogenannten humanitären Länderfonds (Country-based Pooled Funds/CBPFs) etabliert. Staaten oder auch private Geber zahlen Mittel in die Fonds ein, ohne diese mit einer konkreten Zweckbestimmung zu verbinden. Bricht in einem der Länder, für die es einen Fonds gibt, eine humanitäre Notlage aus, so stehen die Gelder sofort zur Verfügung und können unmittelbar und flexibel für Soforthilfemaßnahmen verwendet werden. Es ist dann die Aufgabe der Teams von OCHA – der UN-Stelle für Nothilfekoordination – vor Ort Prioritäten zu setzen und Partnerorganisationen auszuwählen, die mit der Durchführung der Maßnahmen betraut werden. So kann die betroffene Bevölkerung bereits nach wenigen Tagen wichtige Unterstützung erhalten. 

Hilfe für Jemen und die Zentralafrikanische Republik 

Zentralafrikanische Republik: Während Covid-19 wurden aus dem humanitären Länderfonds Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen finanziert.
Zentralafrikanische Republik: Während Covid-19 wurden aus dem humanitären Länderfonds Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen finanziert.© adriennesurprenant.com / collect

Ein Beispiel dafür, wie humanitäre Länderfonds funktionieren, ist der Bereich Ernährungssicherheit in Jemen: Nach Jahren des Bürgerkriegs und internationaler Isolation sind über 20 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Der humanitäre Länderfonds für Jemen hat 2019 deshalb 35,2 Mio. Dollar für Nahrungsmittelhilfe zur Verfügung gestellt. Damit konnten Hilfsorganisationen Lebensmittel und Bargeld verteilen und Bauern mit Saatgut und Fischer mit Ausrüstung versorgen, um eine längerfristige Sicherung von Nahrungsquellen zu ermöglichen. 2019 hat Deutschland 38 Millionen Euro in den humanitären Länderfonds für Jemen eingezahlt.  

Auch im Kontext der Covid-19-Pandemie haben sich die humanitären Länderfonds als höchst effektives Instrument erwiesen, zum Beispiel in der Zentralafrikanischen Republik. Das Land – seit 2013 von politischen Krisen und gewaltsamen Konflikten betroffen – verfügt kaum über eine medizinische Infrastruktur. Dank der Mittel aus dem humanitären Länderfonds konnten nationale und internationale Hilfsorganisationen Aufklärungskampagnen durchführen, Schutzausrüstung verfügbar machen und Unterkünfte für die rund 600.000 Binnenvertriebenen im Land darauf vorbereiten, Maßgaben des Social Distancings einhalten zu können. 

Ein strategisches Instrument der deutschen humanitären Hilfe

Weil humanitäre Länderfonds schnelle und effektive Hilfsmaßnahmen ermöglichen, setzt Deutschland auf dieses Instrument. Gemäß der Strategie des Auswärtigen Amts zur humanitären Hilfe im Ausland ergänzen Humanitäre Länderfonds (CBPFs) das Instrumentarium der Vereinten Nationen zur flexiblen Finanzierung von Hilfsmaßnahmen und werden vom Auswärtigen Amt gefördert. Im Jahr 2019 hat Deutschland insgesamt knapp 150 Millionen Euro in humanitäre Länderfonds eingezahlt, für 2020 ist eine Förderung auf mindestens ähnlichem Niveau geplant. 70 % der gesamten Mittel aus humanitären Länderfonds wurden 2019 an NGOs weitergeleitet, davon rund 25 % an lokale und nationale Akteure.

Humanitäre Länderfonds werden je nach Bedarf gegründet, aktuell gibt es sie für 18 Länder. Zuletzt kam 2019 der Humanitäre Länderfonds für die Ukraine hinzu, den Deutschland bislang mit fünf Millionen Euro unterstützt hat.

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