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Dengue-Virus: Deutsches Know-How in Brasilien

Aedes Mücke - Überträger des Dengue Fieber

Aedes Mücke - Überträger des Dengue Fieber

15.09.2014 - Artikel

2014 die Fußball-WM, 2016 die Olympischen Spiele: Problematisch für das Land ist noch immer der Dengue-Virus, von dem nicht nur "Favelas" sondern auch Besucher Brasiliens bedroht sind. Deshalb unterstützt die Bundesregierung als Teil ihres weltweiten Programms zu Biosicherheit in Brasilien die Bekämpfung des Dengue-Erregers und will zu besserer Aufklärung der Menschen beitragen.

2014 die Fußball-WM, 2016 die Olympischen Spiele: Brasilien hat viel vor. Problematisch für das Land ist noch immer der Dengue-Virus, von dem nicht nur "Favelas" sondern auch Besucher Brasiliens bedroht sind. Deshalb unterstützt die Bundesregierung als Teil ihres weltweiten Programms zu Biosicherheit in Brasilien die Bekämpfung des Dengue-Erregers und will zu besserer Aufklärung der Menschen beitragen.

Im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro ist die Dengue-Virusepidemie am schlimmsten: "Das Denguefieber ist ein großes Problem in den Armenvierteln von Rio", den sogenannten Favelas, bedauert Dr. Norbert Lehman, Gründer des Vereins IRESO e.V.. "Unter anderem, weil es viele unverschlossene Wasserbehälter auf den Dächern, leere Dosen, Plastikfolien oder Eimer gibt, in denen sich kleine Mengen Wasser sammeln". Diese bilden perfekte Brutstätten für die Stechmücken. Auch die schlechte oder fehlende Wasserkanalisation in den Favelas sowie in den Straßen liegende Flaschen oder Dosen seien vor diesem Hintergrund Risikofaktoren. Die brasilianische Bundesuniversität Rio de Janeiro (UFRJ) meldete im Jahr 2012 über 180.000 Dengue-Virusinfektionen für den Bundesstaat Rio de Janeiro - Tendenz steigend.

Aber auch für Brasilienbesucher ist der Dengue-Virus gefährlich: "Im Jahr 2013 sind laut dem Robert Koch-Institut über 700 deutsche Reisende mit einem Denguefieber aus dem Ausland zurückgekehrt, davon 25 aus Brasilien", sagt Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Auch wenn zumeist nur Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen auftreten, könne eine Dengue-Virusinfektion im schlimmsten Fall hohes Fieber mit inneren Blutungen auslösen und tödlich verlaufen.

Um bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 2016 die Gefahr von Dengue-Virusinfektionen zu minimieren, stellt das Auswärtige Amt im Rahmen des Deutschen Biosicherheitsprogramms dem Bernhard-Nocht-Institut und seinen Partnern (UFRJ und IRESO e.V. ) rund 506.000 Euro zur Verfügung.

Ausbildung von Wissenschaftlern in Brasilien für WM und Olympia

Gemeinsam mit seinen Partnern vor Ort führt das Bernhard-Nocht-Institut regelmäßig im Zentrum Rio de Janeiros und in den Favelas Treffen durch: Dafür werden aus Deutschland Mückenfallen und Lehrmaterialien für die Schulung von Kolleginnen und Kollegen der Bundesuniversität Rio der Janeiro bereitgestellt. Die brasilianischen Wissenschaftler lernen, Stechmücken zu fangen und anschließend auf Dengue-Viren zu untersuchen. Die speziell auf die Überträgermücken ausgerichteten Mückenfallen locken Tigermücken und Gelbfiebermücken mit speziellen Duftstoffen. Ein Propeller treibt dann die Insekten in ein Netz.

Der Aufbau von deutschen Geräten in der Bundesuniversität Rio de Janeiro erfolgte bereits im August 2013. "Wir haben einige wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität geschult. Sie wissen jetzt mit den Diagnostikgeräten umzugehen und haben das in einem internationalen Ringversuch erfolgreich bewiesen", sagt Schmidt-Chanasit. So könnten sie gefangene Stechmücken sofort auf Dengue-Viren untersuchen und Infektionen beim Menschen innerhalb weniger Stunden zweifelsfrei nachweisen.

Zur Weltmeisterschaft standen die Spielorte der deutschen Fußballnationalmannschaft im Mittelpunkt, zu welchen Daten erhoben und Kartenmaterialien erstellt wurden, die wiederum eine bessere Einschätzung des Dengue-Risikos zuließen. Außerdem wurden bisher mehr als 150.000 Stechmücken gefangen, deren Untersuchung bereits begonnen hat.

Zugang zu den besonders stark betroffenen Favelas erhalten die Wissenschaftler mit Hilfe des Projektpartners IRESO e.V. und dem Projekt „Little Dengue Docs“. Dabei werden Kinder und Jugendliche ausgebildet, um Freunde, Familie und Nachbarn in den Favelas für Dengue-Infektionen zu sensibilisieren.

Bis Olympia 2016 soll schlussendlich bekannt sein, wo und wann die infizierten Mücken ihre Eier legen, sodass die Larven zum richtigen Zeitpunkt vernichtet werden können. Außerdem soll bis dahin eine Risikokarte für alle Sportstätten vorliegen.

Deutsches Partnerschaftsprogramm für mehr biologische Sicherheit

Das Projekt ist Teil des Deutschen Partnerschaftsprogramms für biologische Sicherheit und Gesundheitssicherstellung. Das Programm wird vom Auswärtigen Amt geleitet. Dabei sind neben dem Bernard-Nocht-Institut noch weitere deutsche wissenschaftliche Institute beteiligt: Robert Koch-Institut, Friedrich-Löffler-Institut, das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Sie sind in über 18 Ländern tätig. Die Aktivitäten reichen von der Bewusstseinsbildung über Detektion und Diagnostik, Krankheitsüberwachung und Laborsicherungen bis zur Vernetzung von Akteuren.

Damit werden Partnerländer unterstützt, Ausbrüche gefährlicher und hoch ansteckender Krankheiten umgehend zu erkennen, die Ansteckung einzudämmen sowie Ursachen schnell ausfindig zu machen und zu beseitigen. Einerseits soll so der Missbrauch biologischer Erreger, die auch für Deutsche im Ausland gefährlich werden könnten, verhindert werden. Auf der anderen Seite kommt die Tätigkeit in den Zielländern auch den dortigen Gesundheitssystemen zugute.

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