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Internationale Atomenergie Organisation (IAEO)

Logo der IAEA am UN-Hauptquartier in Wien.

Logo der IAEA am UN-Hauptquartier in Wien., © picture alliance / Daniel Kalker

11.07.2018 - Artikel

Die IAEO ist die wichtigste internationale Organisation für die Zusammenarbeit in Fragen der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Sie setzt sich zum Ziel, den Beitrag der Kernenergie und ziviler nuklearer Technologien zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand in der Welt zu erhöhen ("Atoms for Peace").

Die IAEO ist die wichtigste internationale Organisation für die Zusammenarbeit in Fragen der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Ihr Ziel ist es, den Beitrag der Kernenergie und ziviler nuklearer Technologien zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand in der Welt zu erhöhen. Dazu fördert sie Maßnahmen zur Erhöhung der (Betriebs-) Sicherheit und des Schutzes kerntechnischer Anlagen und Materialien sowie Maßnahmen der technischen Zusammenarbeit. Die IAEO ist ein tragendes Element des nuklearen Nichtverbreitungsvertrages. Durch Inspektionen soll sie sicherstellen, dass Nuklearmaterial nicht entgegen völkerrechtlichen Verpflichtungen für militärische Zwecke missbraucht wird.

Die Organisation

Die IAEO wurde 1957 gegründet und hat ihren Sitz in Wien. Ihr gehören inzwischen 170 Mitgliedsstaaten an. Oberste beschlussfassende Organe sind die Generalkonferenz und der Gouverneursrat mit 35 Staaten. Generaldirektor ist seit dem 1. Dezember 2009 der Japaner Yukiya Amano. Der Haushalt belief sich 2017 auf rund 366 Millionen Euro, der aus Beiträgen der Mitgliedsstaaten finanziert wird. Hinzu kommt ein Fonds für technische Zusammenarbeit mit einem Volumen von rund 85 Millionen Euro.

Für ihre wichtige, politisch nicht einfache Arbeit wurden die IAEO und ihr damaliger Generaldirektor Mohammed El-Baradei im Dezember 2005 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Deutsche Beteiligung

Die Bundesrepublik Deutschland ist der Organisation 1957 beigetreten. Seit 1972 ist Deutschland zudem ununterbrochen im Gouverneursrat vertreten. Die Bundesrepublik ist mit 6,1 Prozent nach den USA, Japan und China viertgrößter Beitragszahler. Zusätzlich entrichtet Deutschland freiwillige Beiträge, vor allem zur Unterstützung von Projekten der internationalen Zusammenarbeit mit der IAEO auf dem Gebiet der nuklearen Sicherung.

Umfassende Sicherungsabkommen und Zusatzprotokoll

Die Aufgabe der IAEO ist es, - gemäß Artikel III des Vertrages von 1968 über die nukleare Nichtverbreitung (NVV) - Sicherungsmaßnahmen mit allen Nichtkernwaffenstaaten durchzuführen. Damit soll die IAEO sicherstellen, dass aus deklarierten Nuklearaktivitäten kein spaltbares Material für die Herstellung von Atomwaffen abgezweigt wird. Diese Überprüfung eingegangener Verpflichtungen ist wesentlicher Bestandteil des NVV.

Durch diese Sicherungsabkommen wird der gesamte deklarierte Spaltstofffluss (der Prozess von der Einfuhr oder Gewinnung bis zur Entsorgung nuklearen Materials) in einem Staat Kontrollen unterworfen. Dieser Ansatz erwies sich spätestens mit der Entdeckung nicht deklarierter Nuklearaktivitäten in Irak als ergänzungsbedürftig. Die IAEO entwickelte daher ein Zusatzprotokoll zum Sicherungsabkommen, das 1997 vom IAEO-Gouverneursrat verabschiedet wurde. Es ermöglicht der IAEO, eine Versicherung darüber abzugeben, dass es in einem Mitgliedsland keine Hinweise auf nicht deklarierte Aktivitäten in dem Nuklearsektor gibt und somit das gesamte Nuklearmaterial ausschließlich friedlichen Zwecken dient.

Bis Mai 2018 haben 148 Staaten dieses Protokoll gezeichnet, in 132 Staaten (darunter Deutschland und alle EU-Mitgliedsstaaten) ist es in Kraft. Deutschland setzt sich wie die EU insgesamt dafür ein, dass das Zusatzprotokoll im Nichtverbreitungsregime als Standard akzeptiert wird.

Gesicherte Brennstoffversorgung und Multilateralisierung des nuklearen Brennstoffkreislaufs

Die Anreicherung von Uran und die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe sind "dual use"-Technologien. Das bedeutet, sie sind wichtig für die Produktion von Brennstäben für zivile Kernkraftwerke und Forschungsreaktoren, aber auch essentiell für den Bau von Kernwaffen. Betreiber von Nuklearanlagen benötigen einerseits eine verlässliche Versorgung mit Brennstäben. Die internationale Staatengemeinschaft hat andererseits ein großes Interesse daran, dass dieser zivile Zweck keinen Deckmantel für militärische Absichten bietet. Eine Multilateralisierung des Brennstoffkreislaufes könnte zu einer sichereren Brennstoffversorgung beitragen und Proliferationsrisiken vermindern, da eine gemeinsame Verantwortung mehrerer Staaten Transparenz schafft und Missbrauch vorbeugen kann.

Diesem Ziel ist die Staatengemeinschaft der IAEO durch die Errichtung einer "internationalen Brennstoffbank" bereits näher gekommen.  Die sogenannte "IAEA-Low Enriched Uranium (LEU)-Bank“ wurde am 29. August 2017 in Kasachstan eröffnet". Die "LEU-Bank" verfügt über eigene Bestände an leicht angereichertem Uran und kann dieses künftig an IAEO-Mitgliedsstaaten verkaufen, falls deren Brennstoffversorgung nicht in anderer Form, d.h. durch den Weltmarkt, gewährleistet werden kann. Dieses Plus an Versorgungssicherheit soll zum Verzicht auf den Aufbau nationaler Anreicherungskapazitäten motivieren.

Sicherheit von Kernkraftwerken und Nuklearmaterial

Die deutsche Mitarbeit in der IAEO hat sich in den letzten Jahren auf die Erhöhung der Sicherheit und die Verbesserung der Sicherungsmaßnahmen konzentriert.

Die IAEO fördert den Erfahrungsaustausch in Fragen der Sicherheit von Kernkraftwerken. Außerdem organisiert sie freiwillige Sicherheitsüberprüfungen, bei denen Kernkraftbetreiber von Kollegen beraten werden ("peer reviews"). Sie hat in diesem Bereich grundlegende Standards erarbeitet. Ferner organisiert die IAEO Seminare für Staaten, die den Einsatz der Kernkraft ernsthaft erwägen, und weist sie auf die vielfältigen und oft schwierigen Herausforderungen hin.

Darüber hinaus engagiert sich die IAEO bei der Verbesserung des physischen Schutzes von Nuklearanlagen sowie des Schutzes gegen Entwendung von Nuklearmaterial. Sie hat Verhaltensregeln festgelegt, um vor allem vor terroristischem Missbrauch zu schützen. Im Rahmen eines Aktionsprogramms organisiert sie Schulungen und berät Betreiber.

Förderung der Anwendung nuklearer Technologien

Die IAEO unterstützt durch Maßnahmen der Technischen Zusammenarbeit viele Entwicklungsländer beim Einsatz von nuklearen Technologien u.a. in den Bereichen Medizin (vor allem Krebsbekämpfung), Hydrologie (Altersbestimmung von Wasser durch Isotopenanalyse) oder Schädlingsbekämpfung. Letzteres zum Beispiel mit dem Ziel der Sterilisierung von krankheitsübertragenden Tse-Tse-Fliegen oder Moskitos.

http://www.iaea.org/

Weitere Informationen

Informationen der Internationalen Atomenergie Organisation (englisch):

Das iranische Nuklearprogramm beschäftigt die internationale Gemeinschaft seit 2002. Neben der IAEO und dem UN-Sicherheitsrat ist Deutschland hier im Rahmen der E3/EU+3-Gruppe beteiligt.

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