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Außenpolitik strategisch kommunizieren - Werte und Interessen gezielter vermitteln

25.05.2018 - Artikel

Seit Mitte 2016 öffnet es sich mit dem neuen Bereich Strategische Kommunikation stärker gegenüber der Öffentlichkeit sowie neuen nicht-staatlichen Partnern. Somit setzt das AA gezielten Desinformationen in Medien und Internet verlässliche Fakten entgegen und schärft sein Profil in globalen Debatten.

Strategische Kommunikation
Strategische Kommunikation© Colourbox

Europa ist dekadent und zerstritten, es hat die Schleusen für radikale Muslime geöffnet, zu Zeiten der Sowjetunion produzierten die Staaten Osteuropas noch hochwertige Panzer für den Warschauer Pakt, heute sind diese Länder geschwächt.

Dieses und andere Zerrbilder zeigen tagtäglich Trollvideos aus Russland. Das Ziel: spaltend in die Gesellschaft hineinwirken, das Narrativ vom schwächelnden Europa und starken Russland in den Köpfen verankern. Dieses ist ein Beispiel von vielen in der neuen Kommunikationswelt, in der jeder sein eigener Redakteur ist und die klassischen Medien ihre Deutungshoheit immer weiter einbüßen.

Fake News, Echokammern, zunehmende Desinformation durch staatliche und nicht-staatliche Akteure sowie die Veränderungen im Umfeld politischer Kommunikation sind auch eine außenpolitische Herausforderung. Laut einer Studie der Hertie School of Governance investieren autoritäre Staaten seit Jahren massiv in Public Diplomacy, Kulturarbeit und Auslandsmedien. Die Studie nennt dies einen globalen „Wettbewerb der Narrative“ und warnt: Deutschland müsse seine Bemühungen noch verstärken, es müsse deutlich und offen für westliche, liberale und demokratische Werte einstehen.

Strategischer Kommunizieren

Das Auswärtiges Amt verstärkt deshalb die Vermittlung seiner Leitideen und der konkreten Ziele deutscher Außenpolitik: Es setzt zunehmend auf strategische Kommunikation. Bereits seit Mitte 2016 ergänzt ein neuer Bereich „Strategische Kommunikation“ die tägliche Pressearbeit um mittel- bis langfristige Kommunikation im In- und Ausland. Das ist weder Propaganda noch Werbesendung. Im Gegenteil: Es ist der Versuch, verlässliche Informationen nachhaltig zu vermitteln, um vor allem im digitalen Raum mit den eigenen außenpolitischen Werten und Interessen sichtbar zu bleiben und um dort noch stärker mit der eigenen Position durchzudringen.

Wir versuchen, Narrative und Trends in den sozialen Medien  nachzuvollziehen, denn im digitalen Raum entscheidet sich mehr und mehr, welche Erzählungen und Bilder, welche Ideen und Vorstellungen sich durchsetzen

so Andreas Kindl, der Beauftragte für Strategische Kommunikation im Außenministerium. So sieht das auch die  Expertin, Cathryn Clüver Ashbrook, Leiterin des „Future of Diplomacy“ Projekts an der Harvard Universität: „Mehr denn je werden gerade in den digitalgetriebenen Diskussionen die analytischen Fähigkeiten von Diplomaten gebraucht, zum Beispiel um falschen oder ungenauen Narrativen entgegentreten zu können.„

Auch der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung bekräftigt den Handlungsbedarf: Die strategische Auslandskommunikation und insbesondere die Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle soll verstärkt werden, um ein realistisches Bild von Deutschland zu befördern.

Drei Beispiele verdeutlichen das Engagement des Auswärtige Amtes in dem Bereich:

  • Als Antwort auf russische Desinformation gibt es nun gezielte Aufklärungskampagnen, um die Fakten objektiv darzustellen und einzuordnen.
  • Der digitalen Propaganda der Terrorgruppe IS setzt Deutschland vor allem im Netz und in den Sozialen Medien verlässliche Informationen und Hintergründe entgegen.
  • Schließlich führt das Auswärtige Amt im Rahmen der Kommunikation zu Flucht und Migration die Aufklärungskampagne „Rumours about Germany“ in Herkunfts- und Transitstaaten durch - mit dem Ziel, (potentiellen) Migranten objektive Informationen an die Hand zu geben und so das Geschäft von Schleusern zu erschweren.

Bei allen drei Projekten arbeitet das Außenministerium mit wichtigen Partnern wie der Deutschen Welle zusammen. Zudem unterstützt ein Team externer Fachleute das Auswärtige Amt, vom Videojournalist bis zum Webdesigner, beim professionellen Umsetzen der fertigen Produkte für den digitalen Raum.

Bürgerdialog stärken

Auch in anderen Bereichen öffnet sich die deutsche Außenpolitik noch stärker. Zum einen gegenüber der deutschen und ausländischen Öffentlichkeit. Zum anderen in neuen Allianzen und Kooperationen mit nicht-staatlichen Akteuren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Denn in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung ist es umso wichtiger, Netzwerke aufzubauen und Wissen gezielt zu teilen.

Diese neue Offenheit sollen die Menschen in Deutschland ganz konkret erfahren: “In Zeiten von immer schnelleren Kommunikationszyklen, Desinformation und Social Bots wird es zunehmend wichtiger, dass wir unsere Politik und Deutschlands Rolle in der Welt in direktem Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern besser erklären,“ so Andreas Kindl. Dafür wurden verschiedene Formate entworfen. „Bürgerdialog“ oder Außenpolitik live“ -  immer geht es dabei darum, mit der Bevölkerung außenpolitische Fragenstellungen wie „Welches Europa wollen wir?“ zu diskutieren – auf Augenhöhe. Die Diplomaten sollen dabei ihre „Antennen auf Empfang“ stellen, damit Meinungen gehört, neue Themen aufgegriffen und Diskussionen offen geführt werden können. Der Zulauf ist riesig: Die Veranstaltungen von Rosenheim bis Lübeck sind ausgebucht.

Mit neuen Partnern kooperieren

In den vergangenen Jahren hat das Auswärtige Amt außerdem begonnen, verstärkt mit Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu kooperieren. Projekte, wie z.B. das „Peace Lab“, helfen, mit Fachleuten und Politikberatern gemeinsam an Lösungen für außenpolitische Probleme zu arbeiten.

Verlässliche Informationen bereitstellen, im globalen Diskurs mit den eigenen Zielen hörbarer werden und sich gegenüber der Öffentlichkeit sowie neuen Partnern zu öffnen: Darum geht es dem Auswärtigen Amt bei strategischer Kommunikation.

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