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Wirtschaft Vietnam

Artikel

Stand: März 2018

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Das „vietnamesische Wirtschaftswunder“ begann 1986, als sich das unter den Folgen von Krieg und Zerstörung leidende und dem wirtschaftlichen Kollaps nahe Land wirtschaftlich zu öffnen begann (sog. „Doi Moi“-Politik) und den Weg zu einer „sozialistischen Marktwirtschaft“ beschritt. In den darauf folgenden zweieinhalb Jahrzehnten hat das Land einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsraten von zumeist 7 bis 8% erlebt, der mit hohen Wachstumsraten noch andauert (2017: 6,8%). Von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 hatte sich Vietnam vergleichsweise schnell erholt.

Vietnam hat 2009 die Grenze von 1.000 USD Jahreseinkommen pro Kopf überschritten und ist seitdem ein „Middle Income Country“. 2017 betrug das Bruttoinlandsprodukt 216 Mrd. USD, demnach 230 USD pro Kopf. Allerdings ist das Volkseinkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie vor leben 60%der Bevölkerung auf dem Land, erwirtschaften dort aber nur 19%des Volkseinkommens. Die Inflationsrate lag in Vietnam 2017 bei 4,4%. Die größten Herausforderungen für die vietnamesische Volkswirtschaft ist eine zu geringe Produktivität, verursacht durch eine unzureichende Berufsbildung, teils unproduktive Staatsbetriebe und einen großen informellen, ineffizienten Sektor. Korruption sowohl im staatlichen als auch im privatwirtschaftlichen Bereich ist eine gängige Erscheinung.

Vietnam bleibt dennoch ein bevorzugtes Ziel für ausländische Direktinvestitionen (Anstieg 2017 um fast 35%verglichen mit dem Vorjahr, 35,8 Mrd. USD). 2017 kamen die meisten Investitionen aus Japan (9,1 Mrd. USD), Südkorea (8,5 Mrd. USD), Singapur (5,3 Mrd. USD) und China (2,2 Mrd. USD). Auf Platz 13 der Neuinvestitionen steht Deutschland (414 Mio. USD); das kumulierte deutsche Investitionsvolumen in Vietnam beträgt 1,6 Mrd. USD in ca. 300 in Vietnam aktiven Unternehmen.

Außenhandel

Der vietnamesische Außenhandel entwickelt sich weiterhin expansiv. Er weist 2017 einen Überschuss in Höhe von über 3,2 Mrd. USD auf. Das Exportwachstum ist im Wesentlichen auf die Ausfuhren von Gütern, die von ausländischen Firmen in Vietnam gefertigt wurden, zurückzuführen. Der Wert der Exporte belief sich 2017 insgesamt auf über 195 Mrd. USD (ein Plus von knapp 12% im Vergleich zum Vorjahr). Die wichtigsten Außenhandelspartner Vietnams sind China (Volumen 83,5 Mrd. USD), Südkorea (56 Mrd. USD), die EU (46 Mrd. USD), die USA (46 Mrd. USD), ASEAN (45,1 Mrd. USD) und Japan (30,1 Mrd. USD).

Die wichtigsten Exportgüter sind weiterhin Mobiltelefone und Ersatzteile (41,3 Mrd. USD), Computer und Teile (26,6 Mrd. USD), Textilien und Bekleidung (23,6 Mrd. USD), Schuhe (13,2 Mrd. USD) sowie Maschinen und Ersatzteile (11,6 Mrd. USD). Der Tourismus spielt eine zunehmende Rolle: mit knapp 13 Mio. ausländischen Besuchern verzeichnete das Land einen Anstieg um 29%, womit dieser Sektor zu 7% zum BIP beitrug.

Die vietnamesischen Importe stiegen 2017 um knapp 12%auf 191,3 Mrd. USD. Die wichtigsten Importgüter sind: Elektronikartikel und Teile (34 Mrd. USD), Maschinen und Anlagen (30,7 Mrd. USD), Stoffe (19,1 Mrd. USD) sowie Eisen und Stahl (8,2 Mrd. USD). Die USA lagen 2017 weiterhin als Ziel vietnamesischer Exporte mit gleich bleibend 38 Mrd. USD vor der EU (35,1 Mrd. USD). Die Importe aus der EU weisen eine Steigerung um 6,7% auf. Der größte Importpartner bleibt mit 52,5 Mrd. USD, trotz politischer Spannungen, weiterhin China. Das Außenhandelsvolumen mit Deutschland lag 2016 (noch keine neueren Zahlen verfügbar) bei 11,4 Mrd. EUR (13,9 Mrd. USD). Die Importe aus Vietnam stiegen auf 8,8 Mrd. EUR (10,75 Mrd. USD), die deutschen Exporte nach Vietnam erreichten 2,6 Mrd. EUR (3,2 Mrd. USD).

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit Januar 2007 ist Vietnam Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Das Land hat sich zu Nichtdiskriminierung, Transparenz (auch bei Staatsunternehmen), Abbau von Handelshemmnissen, Abschaffung bestehender Quoten sowie zum Schutz geistigen Eigentums verpflichtet. Der WTO-Beitritt ist als politisches Signal und als wirtschaftspolitische Weichenstellung zu verstehen, die internationale Einbindung Vietnams wurde hierdurch entscheidend vorangebracht.

Darüber hinaus ist Vietnam Mitglied in allen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, AFTA (Asia Free Trade Area), APEC (Asia Pacific Economic Conference – 2017 unter Vorsitz Vietnams) und der World Customs Organization (WCO).

Eine aktive Rolle spielt Vietnam innerhalb von ASEAN (Association of South East Asian Nations), in dessen Wirtschaftsraum mit ca. 600 Mio. Einwohnern (mehr als EU-28) ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von gut 202 Mrd. USD erwirtschaften. Die zehn ASEAN-Mitglieder Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur, Philippinen, Brunei und Myanmar haben sich darauf verständigt, die regionale Integration entschlossen voranzutreiben. Seit Anfang 2016 ist die „Asean Economic Community“ in Kraft, die das Ziel verfolgt, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. Vietnam strebt den Abschluss zahlreicher Freihandelsabkommen an. Nach dem vorläufigen Ende der „Trans-Pacific Partnership“ durch den Rückzug der USA wurde im Januar 2018 ein Abkommen der verbleibenden elf Staaten unter dem Titel „Comprehensive and Progressive Trans Pacific Partnership“ vereinbart. Zugleich erhält das angestrebte Freihandelsabkommen mit der EU besondere Bedeutung. Weitere wichtige Freihandelsabkommen sind mit Südkorea und der Eurasischen Wirtschaftsunion in Kraft.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


Weitere Informationen

Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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