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Vietnam: Wirtschaft Vietnam

04.03.2019 - Artikel

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Das “vietnamesische Wirtschaftswunder„ begann 1986, als sich das unter den Folgen von Krieg und Zerstörung leidende und dem wirtschaftlichen Kollaps nahe Land wirtschaftlich zu öffnen begann (sog. “Doi Moi„-Politik) und den Weg zu einer “sozialistischen Marktwirtschaft„ beschritt. In den darauf folgenden zweieinhalb Jahrzehnten hat das Land einen fulminanten wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsraten von zumeist 7 bis 8 % erlebt, der mit hohen Wachstumsraten noch andauert (2018: 7,08 %). Von der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09 hatte sich Vietnam vergleichsweise schnell erholt. Der “Doing-Business-Report„ der Weltbank 2018 verzeichnete für Vietnam den 69. Rang (von 190) und damit eine Rangstelle schlechter als im Vorjahr.

Vietnam hat 2009 die Grenze von 1.000 USD Jahreseinkommen pro Kopf überschritten und ist seitdem ein “Middle Income Country„. 2018 betrug das Bruttoinlandsprodukt 266,2 Mrd. USD, demnach 2.788 USD pro Kopf (Quelle: General Statistics Office, Hanoi). Allerdings ist das Volkseinkommen zwischen Stadt und Land sehr ungleich verteilt. Nach wie vor leben 60 % der Bevölkerung auf dem Land, erwirtschaften dort aber nur 18 % des Volkseinkommens. Die Inflationsrate ging erneut zurück und lag 2018 bei 3,5 %. Die größten Herausforderungen für die vietnamesische Volkswirtschaft ist eine zu geringe Produktivität, verursacht durch eine unzureichende Berufsbildung, teils unproduktive Staatsbetriebe und einen großen informellen, ineffizienten Sektor. Korruption sowohl im staatlichen als auch im privatwirtschaftlichen Bereich ist eine gängige Erscheinung.

Vietnam bleibt dennoch ein bevorzugtes Ziel für ausländische Direktinvestitionen (2018 zwar Rückgang der angemeldeten Investitionen um 42,6 %, aber mit 19 Mrd. USD wurde ein neuer Rekord an tatsächlich realisierten ausländischen Direktinvestitionen realisiert). Auch 2018 kamen die meisten Investitionen aus Japan (8,6 Mrd. USD), Südkorea (7,2 Mrd. USD), Hongkong (3,2 Mrd. USD). Kumuliert bleibt Südkorea der größte ausländische Investor (62,6 Mrd. USD), gefolgt von Japan (57 Mrd. USD). Das kumulierte deutsche Investitionsvolumen in Vietnam beträgt 1,6 Mrd. USD in ca. 300 in Vietnam aktiven Unternehmen.

Außenhandel

Der vietnamesische Außenhandel (gesamt 480 Mrd. USD) entwickelt sich weiterhin expansiv. Er weist 2018 einen Rekordüberschuss in Höhe von über 7,2 Mrd. USD auf (der allerdings auch auf zusätzlichen Devisenzuflüssen und Maßnahmen der Staatsbank zur Wechselkursstabilisierung beruhte). Die Exporteinnahmen (244,7 Mrd. USD) werden  im Wesentlichen durch die Ausfuhr von Gütern, die von ausländischen Firmen in Vietnam gefertigt werden, generiert (175,5 Mrd. USD, das sind 71,7 % des gesamten Wertes und 13,1 % mehr als im Vorjahr). Der Wert der Importe erreichte 237,5 Mrd. USD und stieg um 12,5 %; auch hier spielten die ausländisch investierten Unternehmen mit 142,7 Mrd. USD die größte Rolle. Die wichtigsten Exportländer sind die USA (47,5 Mrd. USD, 14,2 % mehr als 2017), die EU (42,5 %, 11 % Zuwachs) und China (41,9 Mrd. USD, 18,5 % Zuwachs). Vietnam bleibt von Importen aus China abhängig (65,8 Mrd. USD) gefolgt von Südkorea, der EU und den USA.

Die wichtigsten Exportgüter sind weiterhin Mobiltelefone und Ersatzteile (ca. 50 Mrd. USD), Textilien und Bekleidung (30,4 Mrd. USD), Computer und Computerersatzteile (29,4 Mrd. USD), Schuhe (16,3 Mrd. USD)). Der Tourismus spielt eine zunehmende Rolle: mit knapp 15 Mio. ausländischen Besuchern verzeichnete das Land einen Anstieg um 20 % gegenüber 2017.

Die vietnamesischen Importe spiegeln wider, dass in Vietnams Wirtschaft von der Fertigung von Endprodukten abhängig ist, deren Ausgangsprodukte eingeführt werden müssen. 2018 stiegen sie auf 217 Mrd. USD  und machten damit 91,4 % des gesamten Importwertes aus.  Die wichtigsten Importgüter sind Maschinen und Ausrüstungen, Ersatzteile und Roh- und Ausgangsstoffe. Das Außenhandelsvolumen mit Deutschland lag 2017  bei 13 Mrd. EUR. Die Importe aus Vietnam stiegen auf 9,6 Mrd. EUR, die deutschen Exporte nach Vietnam erreichten 3,4 Mrd. EUR (neuere Zahlen noch nicht verfügbar).

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit Januar 2007 ist Vietnam Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Das Land hat sich zu Nichtdiskriminierung, Transparenz (auch bei Staatsunternehmen), Abbau von Handelshemmnissen, Abschaffung bestehender Quoten sowie zum Schutz geistigen Eigentums verpflichtet. Der WTO-Beitritt ist als politisches Signal und als wirtschaftspolitische Weichenstellung zu verstehen, die internationale Einbindung Vietnams wurde hierdurch entscheidend vorangebracht.

Darüber hinaus ist Vietnam Mitglied in allen wichtigen internationalen Wirtschaftsorganisationen, darunter Weltbank, Internationaler Währungsfonds, AFTA (ASEAN- Freihandelszone), APEC (Asia Pacific Economic Cooperation – 2017 unter Vorsitz Vietnams) und der World Customs Organization (WCO).

Eine aktive Rolle spielt Vietnam innerhalb von ASEAN (Association of South East Asian Nations), in dessen Wirtschaftsraum mit ca. 600 Mio. Einwohnern (mehr als EU-28) ein jährliches Bruttoinlandsprodukt von gut 202 Mrd. USD erwirtschaften. Die zehn ASEAN-Mitglieder Vietnam, Laos, Kambodscha, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur, Philippinen, Brunei und Myanmar haben sich darauf verständigt, die regionale Integration entschlossen voranzutreiben. Seit Anfang 2016 ist die “Asean Economic Community“ in Kraft, die das Ziel verfolgt, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. Vietnam strebt den Abschluss zahlreicher Freihandelsabkommen an. Nach dem vorläufigen Ende der „Trans-Pacific Partnership“ durch den Rückzug der USA trat am 30. Dezember 2018 ein Abkommen der verbleibenden elf Staaten unter dem Titel „Comprehensive and Progressive Trans Pacific Partnership“ (CPTPP, „TPP 11“) in Kraft. Die Verhandlungen über die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP: ASEAN plus 6) wurden fortgeführt (allerdings ohne Ergebnis). Zugleich erhalten das Freihandelsabkommen (FTA) und das Investitionsschutzabkommen (IPA) mit der EU besondere Bedeutung; nach Fertigstellung des verbindlichen Textes soll das FTA möglichst im Sommer 2019 unterzeichnet und anschließend nach Billigung durch das Europäische Parlament ratifiziert werden. Das Investitionsschutzabkommen bedarf zusätzlich der Billigung durch die EU-Mitgliedstaaten. Weitere wichtige Freihandelsabkommen sind mit Südkorea und der Eurasischen Wirtschaftsunion in Kraft getreten.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


Weitere Informationen

Vietnam ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie das Gesundheitswesen. Mehr dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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