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Vietnam: Kultur- und Bildungspolitik Vietnam

04.03.2019 - Artikel

Kulturpolitik

Geografisch konzentrieren sich Kunsthochschulen und Konservatorien, Theater, Museen und Galerien sowie das kulturelle Leben auf die beiden Großstädte Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt. Zentrale Elemente der Kulturpolitik der vietnamesischen Regierung sind die Betonung der nationalen Identität Vietnams und die Bewahrung von Bräuchen und Traditionen.

Die 1986 eingeleitete Reformpolitik („Doi Moi“) hatte auch Künstlern zunächst neue Entfaltungsmöglichkeiten und Freiräume verschafft, welche rege genutzt wurden. Bereits seit 1998 hat die offizielle vietnamesische Kulturpolitik jedoch wieder einen restriktiveren Kurs eingeschlagen, der 2018 dadurch unterstrichen wurde, dass ein Erlass des Kulturministeriums strikte Kontrollen sowie Berichts- und Antragspflichten für ausländische Kulturinstitute (also auch dem Goethe-Institut) vorsieht. Die Arbeit von Theaterregisseuren, Filmemachern, Autoren, Medien und Verlagen unterliegt staatlicher Aufsicht (Zensur); das Internet wird zunehmend restriktiver reguliert. Vietnams Kunst- und Kulturszene ist überschaubar, da man von künstlerischem Schaffen allein selten seinen eigenen Unterhalt bestreiten kann. Dennoch hat sich eine - politisch wenig artikulierte - Subkultur aus Künstlern jenseits staatlicher Kontrollen etabliert, die allerdings unter dem staatlichen „Radar“ agieren und jederzeit mit Eingriffen und Verboten der Behörden rechnen muss. Das Interesse der Bevölkerung an moderner und unzensierter Kunst und Kultur ist groß. Über Fernsehen, Internet und Kino ist ausländischer Kultureinfluss überall im Land gegenwärtig. Besonders TV-Serien koreanischer, chinesischer und amerikanischer Herkunft sowie regionale Popmusik sind sehr beliebt. Vietnam bemüht sich seit einiger Zeit erkennbar um die Bewahrung seines kulturellen Erbes und hat das darin liegende touristische Potenzial erkannt. In Zusammenarbeit mit der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation (UNESCO) ist man bemüht, bilaterale Geber für Kulturerhaltprojekte zu gewinnen, darunter auch Deutschland.

Bildungspolitik

Das Bildungssystem unterliegt einem stetigen Reformprozess. Hier sind in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielt worden. Während Vietnam im Grundschulbereich durchaus erfolgreich ist – die Alphabetisierungsrate ist mit rund 93% vergleichsweise sehr hoch - bricht danach die Ausbildung für viele Kinder immer noch ab. Vor allem auf dem Land können viele das erforderliche Schulgeld nicht aufbringen. Problematisch ist zudem die Lehrqualität vieler Schulen in ländlichen Regionen. Auch die Qualität der Ausbildung und die Anzahl der Absolventen im tertiären Bildungsbereich haben mit der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre nicht Schritt halten können und sind dem heutigen Bedarf Vietnams nicht angemessen. Zu den Problemen des vietnamesischen Bildungssystems zählen Korruption, eine oft unzureichende materielle Ausstattung der Lehreinrichtungen, Qualitätsmängel bei der Lehrer- und Dozentenausbildung sowie die (zum Teil ideologische) Überfrachtung der Lehrpläne.

Das vietnamesische Hochschulsystem öffnet sich zunehmend für internationale Kooperationen und Wissenschaftsaustausch. Ambitioniert sind die Pläne der Regierung, bis zum Jahr 2020 flächendeckend qualifizierten englischen Fremdsprachenunterricht an allen Schulen für alle Schüler einzuführen. 2017 hat das Bildungsministerium ein „Curriculum für Deutsch als zweite Fremdsprache an vietnamesischen Schulen“ verabschiedet, dessen Einführung sich vielen Herausforderungen gegenüber sieht (u.a. Mangel an qualifizierten Deutschlehrenden).

Bei der Reform des Bildungswesens orientiert sich die vietnamesische Regierung unter anderem auch am deutschen Modell, insbesondere im Bereich Berufsbildung und Fachhochschulen. Seit 2013 ist Berufsbildung ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Vietnam. Die von Deutschland unterstützte Reform hin zu einer praxisorientierten und damit nachfragegerechten Ausrichtung des beruflichen Bildungssystems in Vietnam hat zum Ziel, das Land insbesondere in der ASEAN (Association of South East Asian Nations)-Region anschluss- und konkurrenzfähig zu machen. Das verbesserte Berufsbildungsangebot soll zunehmend auch den Erfordernissen der Strategie des Grünen Wachstums entsprechen, z.B. durch Ausbildung in umweltnahen Berufsbildern.

Wegweisend für das vietnamesische Hochschulwesen soll u.a. die 2008 als eine von vier „New Model Universities“ gegründete Vietnamesisch-Deutsche Universität (VGU) in Ho-Chi-Minh-Stadt werden. Die Vietnamesisch-Deutsche Universität VGU hat mittlerweile mehr als 1200 Studierende. Bis zum Jahr 2020 soll die sie mit Hilfe eines Kredites der Weltbank in der Nähe von Ho-Chi-Minh-Stadt einen neuen Campus errichten, der die exzellenten Studienbedingungen noch weiter verbessern wird.

Das Interesse von Vietnamesen an einem Studium im Ausland ist sehr groß. Seit 2001 vergibt die vietnamesische Regierung staatliche Stipendien primär für Masterkandidaten und Doktoranden, die ihren Abschluss im Ausland erwerben wollen. Auch Deutschland ist dabei ein beliebtes Studienland.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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