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Venezuela: Kultur- und Bildungspolitik Venezuela

20.12.2018 - Artikel

Bildung

Das Hochschulsystem Venezuelas besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen: Große staatliche Hochschulen mit noch weitgehender Autonomie, darunter die Zentraluniversität UCV in Caracas, die Universidad Simón Bolívar in Caracas und die Universidad de Los Andes in Mérida. Daneben bestehen private Universitäten, oft in Trägerschaft der katholischen Kirche, wie etwa die katholische Universität „Andrés Bello“ (UCAB) in Caracas. Die dritte Gruppe sind nicht-autonome staatliche Universitäten, die in den letzten Jahren einen sprunghaften Anstieg der Studentenzahlen verzeichnen konnten. Diese 'bolivarischen' Universitäten wurden vom ehemaligen Staatspräsidenten Hugo Chávez ins Leben gerufen, um den Hochschulzugang für Personen aus ärmeren Bevölkerungsschichten zu erleichtern. Kritiker beanstanden, dass diese neuen Universitäten mit ihren großzügigen Zugangskriterien, aber auch mit ihrem Unterricht und ihren Abschlussprüfungen grundlegende Qualitätsstandards verfehlen und so den Hochschulabschluss entwerten. Der Medizinstudiengang der ‚bolivarischen‘ Universitäten, der Studenten in nur vier Jahren zur Ärzten für „integrale Gemeinschaftsmedizin“ ausbildet, wird international nicht anerkannt.

Das gesamte staatliche Hochschulsystem ist unterfinanziert, besonders die Dozentengehälter sind im internationalen Vergleich sehr niedrig Die Universitäten leiden unter der daraus resultierenden Abwanderung von Dozenten ebenso wie unter dem Verfall ihrer Infrastruktur. 

In Venezuela gilt eine Schulpflicht von neun Jahren. Erklärtes Ziel der Regierung ist es, allen schulpflichtigen Kindern den Schulbesuch auch tatsächlich zu ermöglichen. Hier wurden in den ersten Jahren der chavistischen Regierung quantitative Erfolge erzielt. Inzwischen ist die Schulbesuchsquote aber wieder dramatisch gesunken und liegt nur noch bei 86,7%. Viele Kinder bleiben als Folge der Wirtschafts- und Sozialkrise dem Unterricht fern, viele Lehrer sehen angesichts extrem niedriger Gehälter in der Auswanderung den einzigen Ausweg. Die Lernfähigkeit vieler Kinder wird durch Unter- und Mangelernährung beeinträchtig Kritiker beklagen zudem die Ideologisierung von Lehrplänen und Schulbüchern.

Zu den staatlichen Sozialprogrammen (Misiones) im Bildungsbereich gehört die Misión Robinson, die vor allem der Alphabetisierung von Erwachsenen dienen soll, sowie die Misión Ribas und die Misión Sucre, die Erwachsenen ohne Schulausbildung die Grund- und Mittelschulbildung ermöglichen soll. Die Kurse sind kostenfrei, Kursteilnehmer erhalten ein Stipendium.

Kultur

Die venezolanische Kulturpolitik setzt auf Subventionen. Dadurch besteht ein günstiges bis kostenloses, inzwischen aber stark ideologisiertes Angebot. Über die Grenzen Venezuelas bekannt ist das Netzwerk der venezolanischen Kinder- und Jugendorchester (Fundación Musical Simón Bolívar), eine wegweisende Einrichtung, die man in Venezuela nur als „El Sistema“ bezeichnet. Es ist das Lebenswerk des am 24. März 2018 verstorbenen José Antonio Abreu, der Mitte der 1970er Jahre die musikalische Erziehung mit dem Ziel begann, Kindern aus sozial schwachen Familien durch die Musik Würde, Selbstvertrauen und ein Leben jenseits von Gewalt und Drogen zu bieten. In den vierzig Jahren seit seiner Gründung entstand ein Netzwerk, das nicht nur für fast 350.000 Kindern sinnstiftend wirkt, sondern mit dem Orquesta Sinfónica Nacional de la Juventud Venezolana Simón Bolívar auch ein mittlerweile weltbekanntes Orchester hervorgebracht hat. José Antonio Abreu wurde für sein Lebenswerk mit zahlreichen Preisen gewürdigt, unter anderem erhielt er im Oktober 2011 den Echo Klassik-Sonderpreis der deutschen Phono-Akademie für sein soziales Engagement. Im Jahr 2012 war er für den Friedensnobelpreis nominiert.

Die Hauptstadt Caracas ist zugleich das kulturelle Zentrum des Landes mit einer Reihe von Kultureinrichtungen, darunter Museen, Theater und Konzerthallen. Neben Caracas gilt Barquisimeto, Hauptstadt des Regionalstaates Lara, als Musikmetropole des Landes.

Deutschland ist mit einem Goethe-Institut in Caracas vertreten. Mit dem „Colegio Humboldt“ fördert Deutschland eine bi-kulturelle Begegnungsschule, an der neben dem venezolanischen Bachillerato auch ein vollwertiges deutsches Abitur abgelegt werden kann. Im Rahmen der Partnerschulinitiative (PASCH) wird außerdem der Deutschunterricht je einer Schule in Valencia und Maracaibo unterstützt. Als Folge der Wirtschaftskrise mangelt es im Land aber an Deutschlehrern, so dass die Nachfrage nach Deutschunterricht nicht gedeckt werden kann.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Wolken am Kukenan-Tepui, Canaima Nationalpark
Tafelberg Roraima im Naturschutzgebiet La Gran Sabana in Venezuela © picture alliance/blickwinkel

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