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Venezuela: Wirtschaft Venezuela

23.04.2019 - Artikel

Wirtschaftspolitik

Die Regierung von Staatspräsident Nicolás Maduro führt die von dessen Vorgänger Hugo Chávez (verstorben im März 2013) proklamierte Politik des „Sozialismus des XXI. Jahrhunderts“ fort. Dieses Wirtschaftsmodell ist geprägt von einer Abhängigkeit vom Erdölexport, einer dominierenden Rolle staatlicher Unternehmen, einer hohen Regulierungsdichte und einer distributiv-klientelistischen Sozialpolitik. 

Bevorzugte Handelspartner sind China und Russland, zunehmend auch Indien und die Türkei. Daneben besteht eine Abhängigkeit von den OPEC-Staaten. Technisch gesehen ist Venezuela bis heute Mitglied des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Die Zusammenarbeit wurde jedoch nach vorzeitiger Tilgung aller Schulden bei diesen Organismen praktisch eingestellt. 2012 ist Venezuela aus dem Internationalen Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten (ICSID) der Weltbank ausgetreten, teilweise ist das Schiedsgericht dennoch weiter zuständig, wo es bilaterale Abkommen (wie z.B. mit Deutschland) so vorsehen.

Ölproduktion

Ausgehend von den offiziell zertifizierten Ölvorkommen verfügt Venezuela über die größten Reserven der Welt. Die Fördermenge sinkt aufgrund fehlender Neuinvestitionen oder Instandhaltung der bestehenden Förderanlagen aber stetig. Über die tatsächliche Fördermenge gibt es widersprüchliche Angaben, sie liegt nach OPEC-Schätzungen jedoch nur noch bei deutlich unter einer Million Fass pro Tag. Das Rohöl wird insbesondere nach China und Indien exportiert. In den USA betreibt PDVSA über die Tochter Citgo eine Reihe von Raffinerien und eine große Tankstellenkette. Die Ölproduktion durch den staatlichen Ölkonzern PDVSA macht einen Großteil der Wirtschaftsleistung des Landes und praktisch die gesamten Exporte aus. Der Staatshaushalt finanziert sich zu 96% aus diesen Exporterlösen, die klientelistischen Sozialprogramme gehen direkt zu Lasten des PDVSA-Haushalts.

Währung

Am 20. August 2018 trat eine mehrmals verschobene Währungsumstellung in Kraft. Der Bolívar Fuerte wurde in Bolívar Soberano umbenannt. Die gleichzeitige Streichung von fünf Nullen wurde durch keine die Inflation eindämmenden Maßnahmen begleitet. Der Bolívar Soberano wurde an die international nicht anerkannte und von vielen internationalen Analysten als ein Manöver zur Umgehung der US-Finanzmarktsanktionen bewertete sogenannte Krypto-Währung Petro gebunden und der Petro wiederum an die venezolanischen Erdölreserven. Staatliche Devisenauktionen finden weiterhin statt.

Aktuelle wirtschaftliche Entwicklung

Venezuela befindet sich seit 2014 in einer Rezession. Nach einem Rückgang des BIP um 7% im Jahr 2015 und 18% 2016 ist das BIP 2017 um weitere 14% geschrumpft. Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs sind knapp und für weite Teile der Bevölkerung unerschwinglich, das Gesundheitssystem leidet unter einem dramatischen Mangel an Medikamenten und anderen medizinischen Gütern, Ersatzteile für die (kritische) Infrastruktur fehlen. Seit März 2019 wird das Land immer häufiger durch Stromausfälle lahmgelegt.

Die Inflation  betrug im Jahr 2016 etwa 254,9% und lag 2017 bei 1087,5%. Für die seitdem grassierende Hyperinflation sind keine seriösen Schätzungen mehr möglich.

Die Erwerbsquote lag nach Schätzungen 2017 bei 63,3%. Es besteht ein hoher Anteil informeller Beschäftigungsverhältnisse. 

Die Wettbewerbsfähigkeit der Nicht-Ölsektoren leidet unter hohen Lohnstückkosten durch Inflation und niedrige Arbeitsproduktivität. Versuche, die venezolanische Wirtschaft zu diversifizieren und so die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, waren bisher erfolglos. Die Unternehmen werden durch Devisen- und Ersatzteilmangel sowie den immer prekärer werdenden Zustand der (kritischen) Infrastruktur (Straßen, Häfen, Stromnetz) massiv in ihrer Tätigkeit eingeschränkt.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Wolken am Kukenan-Tepui, Canaima Nationalpark
Tafelberg Roraima im Naturschutzgebiet La Gran Sabana in Venezuela © picture alliance/blickwinkel

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