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USA: Wirtschaft USA

27.05.2019 - Artikel

Grundlagen

Der Status der USA als weltweit stärkste Wirtschaftsmacht, die rund ein Fünftel des jährlichen Welteinkommens erwirtschaftet, gründet sich auf ein großes, rohstoffreiches und gut erschlossenes Staatsgebiet. Es hat mit fast 10 Millionen Quadratkilometern etwa die 25-fache Größe von Deutschland; die Fläche Deutschlands entspricht etwa der Größe des US-Bundesstaates Montana. Weitere Faktoren sind der große Binnenmarkt (2018: circa 329 Millionen Einwohner, Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018: nach derzeitigen Schätzungen circa 20,5 Billionen USD, zum Vergleich Bruttoinlandsprodukt Deutschland 2018: circa 4,0 Billionen USD) sowie das durch unternehmerische Initiative und freien Handel gekennzeichnete Wirtschafts- und Finanzsystem. Der US-Dienstleistungssektor erwirtschaftet circa 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der Industriesektor circa 20 Prozent, davon gut 1 Prozent Landwirtschaft. Die Staatsquote beträgt rund 13 Prozent (Bundes- und Staatenebene).

Aktuelle wirtschaftliche Lage

2018 schlossen die USA mit einem BIP-Wachstum von 2,9% ab, abermals getrieben von privatem Konsum und – in Folge der Steuerreform – von Unternehmensinvestitionen. Nachdem sich aufgrund von weltweiten Handelskonflikten und einer langsamer wachsenden Weltwirtschaft eine Verlangsamung der US-Wirtschaft abzeichnet, korrigierte die Federal Reserve ihre ursprüngliche Wachstumsprognose im März nach unten; für 2019 auf 2 bis 2,5% und für 2020 auf 1,9% (ähnlich IWF-Prognose: 2,3% in 2019, 1,9% in 2020, Weltbank: 2,5% in 2019 und 1,7% in 2020). 2017 verzeichneten die USA insgesamt ein BIP-Wachstum von 2,2%. Dieses Wachstum liegt zwar deutlich höher als der schwache BIP-Anstieg von 1,6% im Jahr 2016, aber durchaus im Durchschnitt der vorherigen fünf Jahre. 

Der Arbeitsmarkt nähert sich der Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote lag im April 2019 bei historisch niedrigen 3,6% (2018: 3,9, 2017: 3,9 %, 2016: 4,9%, 2015: 5,3%, 2014: 6,2%), die Erwerbsquote verharrt aber mit 62,9% auf niedrigem Niveau. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist seit Juli 2017 rückläufig und lag im April 2019 bei 1,2 Mio. (vor der Krise 2007: 1,3 Mio.). Die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten lag im April 2019 bei 4,7 Mio. 

Der private Konsum hat sich seit 2014 stabilisiert und ist 2016 und 2017 um jeweils 2,7% gestiegen. Dies ist nicht zuletzt auf die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen weltweiten Energiepreise zurückzuführen, die auch die Stimmung der Verbraucher deutlich haben steigen lassen. Im Jahr 2018 lag die Inflationsrate bei 1,91%. Große Aufmerksamkeit kommt der Lohnentwicklung zu, die trotz des angespannten Arbeitsmarkts bislang keine Übertreibungen anzeigt. Dennoch wird eine stärkere Lohnentwicklung erwartet, die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung darstellt. 

Die Industrieproduktion stieg 2018 um 2,9%. Die industrielle Kapazitätsauslastung lag bei 78,8%. 

Die US-Steuerreform, die Aussetzung der Schuldenobergrenze für den US-Bundeshaushalt 2018 und 2019 geben der US-Wirtschaft einen Fiskalimpuls in einer Zeit, in der ein solcher Schub ökonomisch nicht notwendigerweise angemessen ist. Mit der Reform verbundene Risiken werden sich erst mittel- bis langfristig auswirken.

Geldpolitik

Die Geldpolitik unter dem neuen Gouverneur US-Zentralbank Federal Reserve (Fed), Jay Powell, wird als verlässlich im Sinne der Fortsetzung der bisherigen Politik aufgefasst. Powell erklärte wiederholt, weiter einen graduellen Prozess der Normalisierung in der Zinspolitik zu verfolgen. Die Fed zielt auf eine Inflationsrate in der Nähe der 2%-Marke. Der Leitzins wurde im Verlauf von 2018 auf 2,25% - 2,5% angehoben. Die für 2019 geplante, weitere Erhöhung des Leitzinses wurde aufgrund des verlangsamten Wachstumes der US- und Weltwirtschaft im März 2019 ausgesetzt und auf das Jahr 2020 verschoben.

Haushalt

Am 15.02.2019 verabschiedete der Kongress mit erheblicher Verzögerung die noch ausstehenden Haushaltsgesetze 2019. Zuvor war es im Streit um die Finanzierung der Grenzmauer zu Mexiko zu einem 35-tägigen Regierungsstillstand gekommen (sogenannter Government shutdown). Langfristige Herausforderungen für die US-Wirtschaft bleiben: Die öffentlichen Finanzen entwickeln sich nicht nachhaltig, das heißt der Bundeshaushalt ist strukturell unterfinanziert. Damit die Verschuldung tragfähig bleibt, das heißt die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nicht weiter ansteigen (2018: 108% des BIP), müssten in einem Umfang von knapp 2% des Bruttoinlandsprodukts Ausgaben gesenkt oder Einnahmen erhöht werden. Eine derartige Einsparung beziehungsweise Steuerhöhung (knapp 400 Mrd. USD) gilt derzeit als unrealistisch. Die USA werden sich daher auf eine deutlich steigende Verschuldung einstellen müssen. Bis zum Ende des Haushaltsjahres am 30.9. wird ein Defizit von rund 1.000 Mrd. USD bzw. 4 bis 4,5% des BIP erwartet.

Außenhandel

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter. Das US-Leistungsbilanzdefizit ist 2018 von 568 Mrd. USD auf 621 Mrd. USD angestiegen, dabei wuchsen Importe (+7%) und Exporte (+6 %) dynamisch. Das Handelsdefizit hat sich somit trotz Präsident Trumps einseitiger handelsbeschränkender Maßnahmen (insbesondere Sonderzölle) zunächst erhöht.

Hauptabnehmerländer für US-Warenexporte 2018 waren Kanada, Mexiko, China, Japan, Großbritannien und Deutschland. Dabei hat Deutschland US-Waren im Wert von 57,7 Mrd. USD eingeführt und lag damit im Jahr 2018 auf Rang 6 der US-Absatzmärkte. Bei den Warenimporten der USA liegt Deutschland als Exporteur mit 125,9 Mrd. USD unverändert auf Rang 5. Die USA hatten 2018 mit Deutschland das dritthöchste Handelsbilanzdefizit; es erreichte einen Umfang von -68,25 Mrd. USD. 2017 hatte Deutschland mit 67,7 Mrd. USD noch das zweithöchste Handelsbilanzdefizit. Ein höheres Defizit verzeichneten 2018  China ( 419 Mrd. USD). und Mexiko (81 Mrd. USD).

Um dem erheblichen Handelsbilanzdefizit entgegenzuwirken, hatte Präsident Trump Importzölle auf die Einfuhr von Stahl (25%) und Aluminium (10%) verhängt, die am 23.03.2018 auch für die EU in Kraft getreten sind. Ausnahmen von diesen Zöllen gelten seit Juni 2018 nur für Australien, Südkorea, Argentinien und Brasilien (Stahl) beziehungsweise Australien und Argentinien (Aluminium), zum Teil jedoch verbunden mit Quotenlösungen. Im Mai 2019 wurden die Stahl- und Aluminiumzölle für Kanada und Mexiko aufgehoben und für die Türkei halbiert. 

Die USA haben bilaterale Freihandelsabkommen mit 20 Staaten abgeschlossen (Australien, Bahrain, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Israel, Jordanien, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Marokko, Nicaragua, Oman, Peru, Panama, Südkorea und Singapur).

Gemäß seiner „America First Trade Policy“ unterzeichnete Präsident Trump kurz nach seinem Amtsantritt einen Erlass zum Rückzug der USA aus der Trans Pazifischen Partnerschaft (TPP). Die Verhandlungen über eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) sind bis auf weiteres unterbrochen. Das Handelsabkommen NAFTA mit Kanada und Mexiko hat die US-Regierung erfolgreich nachverhandelt. Das Nachfolgeabkommen USMCA wurde am 30.11.2018 am Rande des G20-Gipfels unterzeichnet und muss nun durch den Kongress ratifiziert werden, was aufgrund der Mehrheit der Demokratischen Partei im Abgeordnetenhaus seit den Zwischenwahlen im November 2018 noch ungewiss ist.


US-Wirtschaftsstatistik

2015
2016
2017
2018

BIP nominal (in Bio. USD)

17,9
18,6
19,4
20,5
BIP-Wachstum real
2,4
1,6
2,3
2,9
Arbeitslosenquote
5,3
4,9
4,3
3,9
Warenimporte aus Deutschland (in Mrd. USD)
124,1
114,2
125,8
57,7
Handelsbilanzsaldo mit Deutschland (in Mrd. USD)
74,2
64,9
50,5
68,2
Handelsbilanzsaldo mit der EU (in Mrd. USD)
153,3
146,3
151
169,3

Quellen: Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis, Department of Labor, Bureau of Labor Statistics, Delegation of the European Commission, gtai

Energie

Auch in ihrer Energiepolitik folgt die Administration „America First“-Prinzipien. Es ist erklärtes Ziel, durch radikale Deregulierung und verstärkte Ausbeutung insbesondere von Öl, Gas und Kohle mehr Wachstum zu generieren. Die USA wollen zum (Netto-) Energieexporteur werden und ihren außenpolitischen Einfluss steigern („energy dominance“). Der Fokus liegt auf Wachstum und der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Deregulierung, insbesondere der Rücknahme von Umweltvorgaben, sowie dem Ausbau von Energieinfrastrukturen (vor allem Pipelines). Die USA sollen energieautark werden. Laut der Energieinformationsagentur des Energieministeriums sei dies bis spätestens Mitte der 2020er Jahre möglich.

Aufgrund von Produktivitätssprüngen ist die Öl- und Gasproduktion in den USA auch bei vergleichsweise niedrigen Preisen wettbewerbsfähig. Die USA sind größter Erdgasproduzent der Welt und gehören mit Russland und Saudi-Arabien zu den weltgrößten Ölproduzenten. 2016 wurden mit Inbetriebnahme des Terminals Sabine Pass in Louisiana erstmalig Flüssiggas (LNG) vom US-Festland exportiert. Weitere Terminals befinden sich bereits im Bau. Das gesetzliche Exportverbot für Rohöl wurde Ende 2015 aufgehoben.

Allerdings wird punktuell auch der Ausbau erneuerbarer Energien, mit denen 2016 circa 15% des Stromes in den USA produziert wurde, weiter vorangetrieben. Die Wirtschaftlichkeit insbesondere von Photovoltaik und Windenergie ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Darüber hinaus haben 29 Bundesstaaten und der District of Columbia sogenannte Renewable Portfolio Standards implementiert, die Stromversorgern zu einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien verpflichten. Insbesondere Staaten wie Kalifornien, New York und Hawaii verfolgen eigene, ambitionierte Dekarbonisierungsstrategien.

Klima

Die USA hatten das Übereinkommen von Paris (ÜvP) noch vor Amtsantritt der neuen Regierung ratifiziert und sehen in ihren nationalen Beiträgen (Nationally Determined Contributions, NDC) eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2025 um 26-28% gegenüber 2005 vor. Auf der Klimakonferenz in Marrakesch 2016 stellte die frühere Regierung gemeinsam mit CAN und MEX ihre Klimalangfriststrategie vor, die eine weitgehende Dekarbonisierung der Volkswirtschaft bis 2050 vorsieht. Von angekündigten Einzahlungen in den Green Climate Fund (GCF) in Höhe von USD 3 Mrd. sind bisher USD 1 Mrd. an den Fonds geflossen.
Präsident Trump hat am 1. Juni 2017 angekündigt, dass die USA sich aus dem ÜvP zurückziehen werden. Nach Artikel 28 des ÜvP ist der frühestmögliche Austrittszeitpunkt der 4. November 2020 und damit einen Tag nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl. Bis zu einem offiziellen Austritt kann die USA zur Einhaltung des ÜvP verpflichtet werden. Darüber hinaus hat die neue Regierung angekündigt, grundsätzlich internationale Verpflichtungen und weitere Ausgaben für internationale Klimafinanzierung zu überdenken. Die USA wolle daher einen Platz am Verhandlungstisch behalten.

Vertreter der US-Regierung haben Zweifel an der Bedeutung menschlichen Handelns für den globalen Klimawandel geäußert. Präsident Obamas Umwelt- und Klimapolitik wurde weitgehend rückgängig gemacht: Beispiele dafür sind die Genehmigung der Ölpipelines Keystone XL und Dakota Access, Abschaffung des Clean Power Plans (Emissionsreduktion von Kraftwerken), geringere Effizienzstandards für Autos, erleichterte Vergabe öffentlichen Landes für Öl-, Gas- und Kohle-Förderung, auch in bislang besonders geschützten Gebieten wie der Arktis. Diese nationale Deregulierungspolitik geht einher mit drastischen Einschnitten beim Budget der Bundesumweltbehörde EPA.

Demgegenüber verfolgen einige Bundesstaaten eine ambitionierte Klimapolitik. Kalifornien, der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat und für sich genommen sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat sich dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren. Diverse Städte und Gemeinden verfolgen ähnliche Pläne und schließen sich internationalen Netzwerken wie der Under2-Coalition an.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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