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Wirtschaft USA

Artikel

Stand: März 2018

Grundlagen

Der Status der USA als weltweit stärkste Wirtschaftsmacht, die rund ein Fünftel des jährlichen Welteinkommens erwirtschaftet, gründet sich auf ein großes, rohstoffreiches und gut erschlossenes Staatsgebiet. Es hat mit fast 10 Millionen Quadratkilometern etwa die 25-fache Größe von Deutschland; die Fläche Deutschlands entspricht etwa der Größe des US-Bundesstaates Montana. Weitere Faktoren sind der große Binnenmarkt (2016: circa 324 Millionen Einwohner, Bruttoinlandsprodukt 2016: USD 18,6 Billionen, zum Vergleich Bruttoinlandsprodukt Deutschland 2016: circa USD 3,49 Billionen) sowie das durch unternehmerische Initiative und freien Handel gekennzeichnete Wirtschafts- und Finanzsystem. Der US-Dienstleistungssektor erwirtschaftet circa 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der Industriesektor circa 20 Prozent, davon gut 1 Prozent Landwirtschaft. Die Staatsquote beträgt rund 13 Prozent (Bundes- und Staatenebene).

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Im 3. Quartal 2017 wuchs die US-Wirtschaft mit 3,2% stärker als allgemein erwartet; das Wachstum für das 2. Quartal wurde auf 3,1% nach oben revidiert. Das 4. Quartal verzeichnete ein Wachstum von 2,5%. Damit dürfte sich für das Gesamtjahr 2017, trotz des schwachen Wachstums in Q1 von nur 1,2%, ein BIP-Wachstum von 2,3% ergeben. Dieses Wachstum läge zwar deutlich höher als der schwache BIP-Anstieg von 1,5% im Jahr 2016, aber durchaus im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Weitgehend übereinstimmend wird derzeit ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von knapp 3 % im Jahr 2018 von Ökonomen der nationalen Behörden, internationalen Institutionen und der US-Finanzwirtschaft prognostiziert. Die Risiken für eine Eintrübung der konjunkturellen Lage werden als begrenzt angesehen.
Der Arbeitsmarkt nähert sich der Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote liegt seit Oktober 2017  bei 4,1%, dem niedrigsten Wert seit 2000 (2016: 4,9%, 2015: 5,3%, 2014: 6,2%), die Erwerbsquote verharrt aber mit 62,7% auf niedrigem Niveau. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist seit Juli 2017 rückläufig und lag im  Februar 2017 bei 1,4 Mio. (vor der Krise 2007: 1,3 Mio.) Die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten lag im Februar 2018 mit 5,2 Mio. weiterhin über den Zahlen vor der Krise (4,2 Mio.). 
Der private Konsum hat sich seit 2014 stabilisiert und ist 2016 und 2017 um jeweils 2,7% gestiegen. Dies ist nicht zuletzt auf die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen weltweiten Energiepreise zurückzuführen, die auch die Stimmung der Verbraucher deutlich haben steigen lassen.
Die Industrieproduktion, ablesbar an den Auftragseingängen der Industrie, entwickelte sich seit 2016 wieder positiver als in den Vorjahren, sie stieg 2017 um 1,8%. Viele Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, häufen ihre Gewinne und nutzen sie eher für Aktienrückkäufe, als für neue Projekte.

Die US-Steuerreform, die Aussetzung der Schuldenobergrenze für den US-Bundeshaushalt 2018 und die Vorhaben im Präsidentenbudget 2019 geben der US-Wirtschaft einen Fiskalimpuls in einer Zeit, in der ein solcher Schub ökonomisch nicht notwendigerweise angemessen ist. Damit verbundene Risiken der Reform würden sich aber erst mittel- bis langfristig in einem angespannten Zinsumfeld in deutlich steigenden Refinanzierungskosten für den Staatshaushalt bemerkbar machen. Angesichts einer durchschnittlichen Fälligkeit der Staatsschulden von knapp mehr als sechs Jahren sind steigende Refinanzierungskosten kein kurzfristiges Problem.

Geldpolitik

Die Geldpolitik unter dem neuen Gouverneur US-Zentralbank Federal Reserve (Fed), Jay Powell, wird als verlässlich im Sinne der Fortsetzung der bisherigen Politik aufgefasst. Powell wurde Ende Februar/Anfang März 2018 von beiden Häusern des Kongresses angehört. Er bestätigte dabei die Dezember-Ankündigung von drei Zinserhöhungen für das Jahr 2018 um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Das Federal Open Market Committee (FOMC) entschied am 21.März 2018, die Bandbreite für den Leitzins um 0,25 % auf ein Band von 1,50 % - 1,75 % zu erhöhen. 

Haushalt

Das Haushaltsjahr 2017 schloss mit einem Defizit von USD 693 Milliarden Hauptverantwortlich hierfür ist das Anwachsen der gesetzlich festgelegten Sozialausgaben für das Renten- und die Gesundheitssysteme.
Am 23. März verabschiedete der Kongress in einem sogenannten „omnibus bill“ einen Haushalt für das laufende Haushaltsjahr 2018 (Consolidated Appropriations Act 2018) und sicherte damit die Zahlungsfähigkeit der US-Regierung bis zum 30.09.2018. .
Der aktuelle Haushalt sieht Ausgaben in Höhe von USD 1,309 Billionen vor, die Schuldenobergrenze ist bis zum 1. März 2019 ausgesetzt.

Außenhandel

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter. Das US-Leistungsbilanzdefizit ist 2017 um fast 13 % von 505 Mrd. USD auf 568 Mrd. USD  angestiegen, dabei wuchsen Importe (+7%) und Exporte (+6 %) dynamisch. Die Entwicklung setzt sich aktuell beschleunigt fort, im Januar 2018 lag das US-Leistungsbilanzdefizit sogar um 16 % über dem Vorjahreswert. Während die US-Dienstleistungsbilanz 2017 vor allem aufgrund der Gebühren (für geistiges Eigentum, Patente), Reisen und Finanzdienstleistungen einen deutlichen Überschuss (+1,3 % des BIP) erzielt, weist die Handelsbilanz 2017 ein deutliches Defizit (-4,2 % des BIP) aus. Für das hohe Handelsdefizit ist insbesondere die sehr hohe US-Nachfrage nach Konsumgütern, aber auch nach Automobilen und Kapitalgütern verantwortlich.
Hauptabnehmerländer für US-Warenexporte 2017 waren: China, Kanada, Mexiko, Japan, Großbritannien und Deutschland. Dabei hat Deutschland US-Waren im Wert von USD 53,5 Mrd. eingeführt und lag damit im Jahr 2017 auf Rang 6 der US-Absatzmärkte. Bei den Warenimporten der USA liegt Deutschland als Exporteur mit USD 114 Mrd. unverändert auf Rang 5. Die USA hatten 2017 mit Deutschland das zweithöchste Handelsbilanzdefizit; es erreichte einen Umfang von USD 67,7 Mrd. Ein höheres Defizit verzeichnete die USA lediglich mit China (USD 337,2 Mrd.). 

Nicht zuletzt um dem erheblichen Handelsbilanzdefizit entgegenzuwirken, hat Präsident Trump Importzölle auf die Einfuhr von Stahl (25%) und Aluminium (10%) verhängt, die am 23.03.2018 in Kraft getreten sind. Ausnahmen von diesen Zöllen gelten zunächst für die gesamte EU, Kanada, Mexiko, Brasilien und Südkorea, werden jedoch Gegenstand künftiger Verhandlungen zwischen den USA und ihren Handelspartnern sein.
Die USA haben bilaterale Freihandelsabkommen mit 20 Staaten abgeschlossen (Australien, Bahrain, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Israel, Jordanien, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Marokko, Nicaragua, Oman, Peru, Panama, Südkorea und Singapur). 
Gemäß seiner „America First Trade Policy“ unterzeichnete Präsident Trump  kurz nach seinem Amtsantritt einen Erlass zum Rückzug der USA aus der Trans Pazifischen Partnerschaft (TPP). Die Verhandlungen über eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) sind bis auf weiteres unterbrochen. 

US-Wirtschaftsstatistik

2013
2014
2015
2016

BIP nominal (in Bio. USD)

16,77
17,42
17,9
18,6
BIP-Wachstum real
1,9
2,4
2,4
1,6
Arbeitslosenquote
7,4
6,2
5,3
4,9
Warenimporte aus Deutschland (in Mrd. USD)
114,6
123,1
124,1
114,2
Handelsbilanzsaldo mit Deutschland (in Mrd. USD)
67,2
73,7
74,2
64,9
Handeslbilanzsaldo mit der EU (in Mrd. USD)
125,0
141,1
153,3
146,3

 Quellen: Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis, Department of Labor, Bureau of Labor Statistics, Delegation of the European Commission, gtai

Energie

Die US-Energiepolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump erlebt eine grundlegenden Revision der Energie- und Klimapolitik seines Vorgängers. Während Trumps „America First Energy Plan“ bisher noch nicht im Detail ausdekliniert wurde, stehen eine Ausweitung der heimischen Öl- und Gasproduktion im Zentrum der neuen Politik. Der Fokus liegt auf Wachstum und der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Deregulierung, insbesondere der Rücknahme von Umweltvorgaben, sowie dem Ausbau von Energieinfrastrukturen (vor allem Pipelines). Die USA sollen energieautark werden („energy dominance“). Laut der Energieinformationsagentur des Energieministeriums sei dies bis spätestens Mitte der 2020er Jahre möglich.

Aufgrund von Produktivitätssprüngen ist die Öl- und Gasproduktion in den USA auch bei vergleichsweise niedrigen Preisen wettbewerbsfähig. Die USA sind größter Erdgasproduzent der Welt und gehören mit Russland und Saudi-Arabien zu den weltgrößten Ölproduzenten. 2016 wurden mit Inbetriebnahme des Terminals Sabine Pass in Louisiana erstmalig Flüssiggas (LNG) vom US-Festland exportiert. Weitere Terminals befinden sich bereits im Bau. Das gesetzliche Exportverbot für Rohöl wurde Ende 2015 aufgehoben.

Trotz des Wechsels der Administration bleibt bisher allerdings auch das Interesse am Ausbau erneuerbarer Energien, mit denen 2016 ca. 15% des Stromes in den USA produziert wurde, und höherer Energieeffizienz bestehen. Die Wirtschaftlichkeit insbesondere von Photovoltaik und Windenergie ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Darüber hinaus haben 29 Bundesstaaten und der District of Columbia sogenannte Renewable Portfolio Standards implementiert, die Stromversorgern zu einem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien verpflichten. Insbesondere Staaten wie Kalifornien, New York und Hawaii verfolgen eigene, ambitionierte Dekarbonisierungsstrategien.

Klima

Die USA haben das Übereinkommen von Paris (ÜvP) noch vor Amtsantritt der neuen Regierung ratifiziert und sehen in ihren nationalen Beiträgen (Nationally Determined Contributions, NDC) eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2025 um 26-28% gegenüber 2005 vor. Auf der Klimakonferenz in Marrakesch stellte die frühere Regierung gemeinsam mit CAN und MEX ihre Klimalangfriststrategie vor, die eine weitgehende Dekarbonisierung der Volkswirtschaft bis 2050 vorsieht. Von angekündigten Einzahlungen in den Green Climate Fund (GCF) in Höhe von USD 3 Mrd. sind bisher USD 1 Mrd. an den Fonds geflossen.
Präsident Trump hat am 1. Juni 2017 angekündigt, dass die USA sich aus dem ÜvP zurückziehen werden. Nach Artikel 28 des ÜvP ist der frühestmögliche Austrittszeitpunkt der 4. November 2020 und damit einen Tag nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl. Bis zu einem offiziellen Austritt kann die USA zur Einhaltung des ÜvP verpflichtet werden. Darüber hinaus hat die neue Regierung angekündigt, grundsätzlich internationale Verpflichtungen und weitere Ausgaben für internationale Klimafinanzierung zu überdenken. Die USA wolle daher einen Platz am Verhandlungstisch behalten.
Vertreter der neuen Regierung haben Zweifel an der Bedeutung menschlichen Handelns für den globalen Klimawandel geäußert. Sie begründen so auch eine nationale Klimapolitik, die sich stark nach den kurzfristigen Interessen der Öl-, Gas- und Kohlebranche richtet. Die Regierung hat eine Aufhebung verschiedener Regulierungen angekündigt – an erster Stelle steht der Clean Power Plan, dem prinzipiellen Instrument der Obama-Regierung zur Erreichung der NDCs. Aber auch andere Regeln zur Vermeidung von Methan-Emissionen, zur Reduzierung vom Benzinverbrauch bei PKW oder der Restaurierung von Flussläufen beim Kohleabbau sollen geprüft oder abgeschafft werden. Diese nationale Deregulierungspolitik geht einher mit geplanten drastischen Einschnitten beim Budget der Bundesumweltbehörde EPA. Dieser Budgetvorschlag wurde bislang nicht umgesetzt.
Demgegenüber verfolgen einige Bundesstaaten eine ambitionierte Klimapolitik. Kalifornien, der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat und für sich genommen sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat sich dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren. Diverse Städte und Gemeinden verfolgen ähnliche Pläne und schließen sich internationalen Netzwerken wie der Under2-Coalition an.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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