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Kultur- und Bildungspolitik, Medien Tunesien

Artikel

Stand: Oktober 2017

Bildungssystem

Die Schulausbildung ist gut, die Einschulungsquote liegt bei fast 100 Prozent, wobei eine nicht unbeachtliche Zahl der Schülerinnen und Schüler die Schule vorzeitig abbricht, vor allem in den benachteiligten Regionen im Landesinneren. Der Alphabetisierungsgrad ist im Vergleich mit anderen Staaten der Region hoch, bei den rund 19 Prozent Analphabeten handelt es sich vorwiegend um ältere Menschen. Problematisch ist der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen, insbesondere für solche mit akademischer Ausbildung (die Akademikerarbeitslosigkeit liegt bei etwa 30 %).

Deutsch wird als dritte Wahl-Fremdsprache - nach Französisch und Englisch, in Konkurrenz mit Spanisch, Italienisch, Chinesisch und Türkisch - an vielen Schulen unterrichtet. Fast 40.000 tunesische Schüler lernen Deutsch in der Schule. Insgesamt 1.800 tunesische Studierende belegen das Fach Deutsch/Germanistik, das an insgesamt 11 tunesischen Universitäten angeboten wird.

Im Bereich der Partnerschulen (PASCH) gilt seit 2009 ein Rahmenabkommen mit fünf tunesienweit ausgewählten Schulen inklusive regelmäßiger Fortbildungsmaßnahmen für die PASCH-Lehrer.

Wissenschaft

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) Rom führt wichtige Forschungs- und Erhaltungsmaßnahmen in Tunesien durch. Schwerpunkte sind die römische Marmorstadt Chemtou im Nordwesten Tunesiens sowie das antike Karthago. Im Rahmen der Transformationspartnerschaft hat das DAI ein Fortbildungsprogramm für junge tunesische Archäologen aufgelegt, das breite Anerkennung findet. 2015 hat das DAI mit Mitteln des Auswärtigen Amts für Kulturerhalt unter anderem eine alte Grabungsstätte in Karthago (Grabungsschnitt durch drei Epochen der antiken Stadt) öffentlich zugänglich gemacht. Weitere Grabungen wurden 2016 unter Einbeziehung der direkten Anwohner und lokaler Archäologen durchgeführt. Ende 2017 soll ein weiterer archäologischer Park auf dem Gelände des alten Karthago für die Öffentlichkeit geöffnet werden.

Der DAAD ist seit September 2012 durch ein eigenes Länderbüro in Tunis vertreten. Er unterstützt den Deutschunterricht mit drei Lektoren und einem Sprachassistenten in den Universitäten La Manouba und Carthage (beide im Großraum Tunis) sowie in Gabes im Südosten des Landes. Das Stipendienprogramm ist fester und anerkannter Bestandteil der bilateralen Hochschulkooperation, wenn auch zunehmend mehr tunesische Studierende als Selbstzahler zum Studium nach Deutschland gehen. Im Rahmen der Transformationspartnerschaft hat der DAAD mehrere neue Projekte ins Leben gerufen, unter anderem die Förderung von 8 Hochschulkooperationen, die Finanzierung von circa 40 kurzfristigen Hochschulvorhaben sowie ein Integrationsprogramm für zurückkehrende Alumni.

Seit 2016 befasst sich eine gemischte Steuerungsgruppe mit dem Projekt der Gründung einer Deutsch-Tunesischen Hochschule in Tunesien.

Kultur

Das kulturelle Leben spiegelt die Vielzahl von Einflüssen wieder, denen Tunesien im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt war: Offenkundig ist dabei das arabisch-muslimische Kulturerbe mit maghrebinischem Einschlag, aber auch westliche Einflüsse, vor allem aus der Zeit des französischen Protektorats, haben deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Neben dem Arabischen bzw. dem teils stark abweichenden tunesischen Dialekt ist Französisch weiterhin gängige Verkehrssprache. Es finden zahlreiche Konzertveranstaltungen, schwerpunktmäßig in Kulturstätten in Tunis, statt. Daneben hat sich eine Vielzahl weiterer Musikfestivals etabliert, bei denen sowohl tunesische als auch ausländische Künstler auftreten, darunter das Festival International de Carthage, das Festival El Jem und das Festival de Jazz de Tabarka. In Tunesien besteht neben einer eigenen Filmindustrie eine viel beachtete Theaterszene. In der Festivalsaison finden neben Musikveranstaltungen auch diverse Theater- und Filmfestivals im Land statt.

Medien

Die Medien Tunesiens (Zeitungen, Fernsehen, Radio) machen von der seit Mitte Januar 2011 faktisch bestehenden Pressefreiheit regen Gebrauch, es mangelt ihnen aber noch weitgehend an Erfahrung und Professionalität. Arabische, französische und sonstige Fernsehprogramme werden von den meisten Haushalten über Satellit empfangen. Insgesamt gibt es inzwischen 13 tunesische TV-Sender, der Großteil davon sind Privatsender. Das Internet wurde seit der Revolution freigeschaltet und die bis dahin bestehende Zensur beseitigt.

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