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Tunesien: Kultur- und Bildungspolitik, Medien Tunesien

05.04.2019 - Artikel

Bildungssystem

Die Schulausbildung ist gut, die Einschulungsquote liegt bei fast 100 Prozent, wobei eine nicht unbeachtliche Zahl der Schülerinnen und Schüler die Schule vorzeitig abbricht, vor allem in den benachteiligten Regionen im Landesinneren. Der Alphabetisierungsgrad ist im Vergleich mit anderen Staaten der Region hoch, bei den rund 19 Prozent Analphabeten handelt es sich vorwiegend um ältere Menschen. Problematisch ist der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen, insbesondere für solche mit akademischer Ausbildung (die Akademikerarbeitslosigkeit liegt bei etwa 30%).

Deutsch wird als dritte Wahl-Fremdsprache - nach Französisch und Englisch, in Konkurrenz mit Spanisch, Italienisch, Chinesisch und Türkisch - an vielen Schulen unterrichtet. Landesweit gibt es etwa 46.000 Deutschlerner, davon etwa 36.000 an über 400 tunesischen Schulen. Sechs dieser Schulen sind Teil des Partnerschul-Netzwerks (PASCH): fünf werden als sog. „FIT-Schulen“ vom Goethe-Institut betreut, drei davon bereits seit 2009. An diesen FIT-Schulen wurden 2017 rund 1.200 Schülerinnen und Schüler auf Niveau A1 gefördert und 11 Schülerinnen und Schüler haben als Stipendiaten an den vom Goethe-Institut organisierten PASCH-Jugendkursen in Deutschland teilgenommen, welche maßgeblich dazu beitragen, für den Deutschunterricht zu motivieren und eine Bindung nach Deutschland aufzubauen. Eine weitere Schule wird von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen betreut und bietet seit 2018 das Deutsche Sprachdiplom der ersten (DSD-I) und der zweiten Stufe (DSD-II) an. Zur Förderung im Rahmen von PASCH gehören auch regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen für die PASCH-Lehrkräfte. Eine Deutsche Auslandsschule gibt es in Tunesien nicht. Insgesamt 1.800 tunesische Studierende belegen das Fach Deutsch/Germanistik, das an insgesamt 11 tunesischen Universitäten angeboten wird.

Wissenschaft

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) führt durch die Abteilung Rom und die Zentrale Berlin wichtige Forschungs- und Erhaltungsmaßnahmen in Tunesien durch. Schwerpunkte sind die römische Marmorstadt Simitthus (Chimtou) im Nordwesten Tunesiens sowie das antike Karthago. Im Rahmen der Transformationspartnerschaft hat das DAI ein Fortbildungsprogramm für junge tunesische Archäologen aufgelegt, das breite Anerkennung findet. In Chimtou und Thugga werden im Bereich des Capacity Building Steinmetze und Restauratoren ausgebildet. Großes Ansehen hat sich das Deutsche Archäologische Institut während der vergangenen fünf Jahrzehnte zudem durch seine Maßnahme in Karthago und Chimtou erworben. An beiden Orten werden die archäologischen Stätten mit Mitteln des Auswärtigen Amtes durch Restaurierung, Herrichtung und Beschilderung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In Chimtou gehört das in deutsch-tunesischer Zusammenarbeit errichtete Museum zu den besonders sehenswerten archäologischen Museen Nordafrikas. Ende 2017 konnte in Karthago das „Quartier Didon“, in dem die historische Phasenabfolge Karthagos besonders gut deutlich wird, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ab Sommer 2019 soll der spätantike Goldmünzschatz von Chimtou in Form einer Dauerausstellung im Bardo-Museum in Tunis präsentiert werden.

Der DAAD ist seit 2014 mit einem Informationszentrum in Tunis vor Ort präsent.. Er unterstützt den Deutschunterricht mit drei Lektoren und einem Sprachassistenten in den Universitäten La Manouba und Carthage (beide im Großraum Tunis) sowie in Gabes im Südosten des Landes. Die DAAD-Stipendienprogramme sind fester und anerkannter Bestandteil der bilateralen Hochschulkooperation, wenn auch zunehmend mehr tunesische Studierende als Selbstzahler zum Studium nach Deutschland gehen. Im Jahr 2017 wurden im Rahmen der Transformationspartnerschaft acht Hochschulpartnerschaften und acht Forschungspartnerschaften in der Zusammenarbeit mit Tunesien gefördert. Aktuell befinden sich diese acht Hochschulpartnerschaften und acht Forschungspartnerschaften als Verlängerungen oder Abschlussmaßnahmen in der Förderung. Bei den Kurzmaßnahmen wurden 2017 insgesamt 22 Projekte in Tunesien gefördert. Mit Förderbeginn 2018 wurden bei den Kurzmaßnahmen weitere zwölf Projekte in die Förderung aufgenommen.

Seit 2016 befasst sich eine gemischte Steuerungsgruppe mit dem Projekt der Gründung einer Deutsch-Tunesischen Hochschule in Tunesien.

Kultur

Das kulturelle Leben spiegelt die Vielzahl von Einflüssen wieder, denen Tunesien im Laufe der Jahrhunderte ausgesetzt war: Offenkundig ist dabei das arabisch-muslimische Kulturerbe mit maghrebinischem Einschlag, aber auch westliche Einflüsse, vor allem aus der Zeit des französischen Protektorats, haben deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Neben dem Arabischen bzw. dem teils stark abweichenden tunesischen Dialekt ist Französisch weiterhin gängige Verkehrssprache. Es finden zahlreiche Konzertveranstaltungen, schwerpunktmäßig in Kulturstätten in Tunis, statt. Daneben hat sich eine Vielzahl weiterer Musikfestivals etabliert, bei denen sowohl tunesische als auch ausländische Künstler auftreten, darunter das Festival International de Carthage, das Festival El Jem und das Festival de Jazz de Tabarka. In Tunesien besteht neben einer eigenen Filmindustrie eine viel beachtete Theaterszene. In der Festivalsaison finden neben Musikveranstaltungen auch diverse Theater- und Filmfestivals im Land statt.

Medien

Die Medien Tunesiens (Zeitungen, Fernsehen, Radio) machen von der seit Mitte Januar 2011 faktisch bestehenden Pressefreiheit regen Gebrauch, es mangelt ihnen aber noch weitgehend an Erfahrung und Professionalität. Arabische, französische und sonstige Fernsehprogramme werden von den meisten Haushalten über Satellit empfangen. Insgesamt gibt es inzwischen 13 tunesische TV-Sender, der Großteil davon sind Privatsender. Das Internet wurde seit der Revolution freigeschaltet und die bis dahin bestehende Zensur beseitigt.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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