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Wirtschaft Tunesien

Artikel

Stand: Oktober 2017

Wirtschaftsstruktur

Tunesien verfügt über eine moderne Wirtschaftsstruktur auf marktwirtschaftlicher Basis sowie wichtige Standortvorteile: Ein hoher Industrialisierungsgrad, gute Infrastruktur, Nähe zu Europa sowie qualifizierte Arbeitskräfte und Steuervorteile für Exportbetriebe („Offshore-Sektor“). Den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet der Dienstleistungssektor (ca. 50 Prozent aller Erwerbstätigen), gefolgt von der Industrie (32 Prozent) und der Landwirtschaft (ca. 25 Prozent). Die 1995 erfolgte Assoziation mit der EU war ein wichtiger Meilenstein für das Land. Im Rahmen der seit 19.11.2012 bestehenden Privilegierten Partnerschaft mit der Europäischen Union wurden am 13.10.2015 anlässlich des Besuchs von Handelskommissarin Malmström die Verhandlungen zu einem umfassenden und vertieften Freihandelsabkommen (DCFTA) zur Liberalisierung von Dienstleistungen und Agrargütern offiziell aufgenommen.

Die größten Herausforderungen liegen in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigungsförderung, der Verbesserung der arbeitsmarktorientierten Aus- und Fortbildung sowie der Erhöhung des Investitionsniveaus im privaten und öffentlichen Sektor. Zudem sind Strukturreformen nötig, insbesondere im Bankensektor, um das Kapital für junge Unternehmen sowie die Sanierung überschuldeter Staatsbetriebe zur Verfügung zu stellen. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich zwischen 15 und 16 Prozent, wobei junge Menschen, Frauen, Akademiker und die benachteiligten Regionen im Binnenland überproportional betroffen sind. Ein ambitioniertes Programm zur Regionalentwicklung soll regionale Ungleichheiten verringern.

Tunesien ist ein rohstoffarmes Land, begrenzte Öl- und Gasvorkommen ermöglichen noch eine 40-prozentige Eigenversorgung. Tunesien ist weltweit viertgrößter Produzent von Phosphaten und der drittgrößte Olivenöl-Exporteur.

Das Investitionsklima in Tunesien ist grundsätzlich gut, litt bis 2014 jedoch an der Unsicherheit der politischen Entwicklung. Dank der weiteren Konsolidierung der politischen Verhältnisse durch die Annahme der neuen Verfassung und der reibungslosen Durchführung der Parlamentswahlen Ende Oktober 2014 kam es zu etwas mehr ausländischen Investitionen. Ein neues Investitionsgesetz wurde 2016 verabschiedet. Ausländische Investoren schätzen die geographische Nähe zu Europa, die relativ hohe Produktivität und die gut ausgebaute Infrastruktur.

Tourismus

Die  Tourismusbranche ist von großer Bedeutung für die tunesische Wirtschaft. Der BIP-Anteil der Branche liegt zwar nur bei 7 %, der Tourismus schafft jedoch ca. 400.000 Arbeitsplätze. Tunesien weiß um die Notwendigkeit der Diversifizierung und Modernisierung des Tourismussektors und bemüht sich, vermehrt Kultur- und Ökotourismus anzubieten. Aufgrund terroristischer Anschläge im Jahr 2015 kam es zu einem zeitweiligen Rückgang der westeuropäischen Touristen um bis zu 75%, inzwischen steigen die Touristenzahlen wieder.

Internationale Verflechtung

Die EU ist Tunesiens wichtigster Handelspartner, wobei Frankreich, Italien und Deutschland den größten Anteil an Im- und Exporten sowie Direktinvestitionen haben. Der bilaterale Handel zwischen Deutschland und Tunesien stagniert seit der Revolution. 2016 betrugen die Ausfuhren von Tunesien nach Deutschland 1,38 Mrd. Euro, die Einfuhren von Deutschland nach Tunesien 1,15 Mrd. Euro. Elektrotechnische Produkte sowie Automobil-Komponenten gehören zu den Haupteinfuhrgütern aus Tunesien, gefolgt von Textilien. Die EU ist der größte Investor: 90 Prozent der Firmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung stammen aus der EU.

Tunesien ist Mitglied in IWF (Internationaler Währungsfonds), Weltbank und WTO (Welthandelsorganisation). Zwischen Deutschland und Tunesien bestehen ein Investitionsförderungs- und Schutzvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen.

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