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Wirtschaft Türkei

Artikel

Stand: August 2018

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die Türkei konnte sowohl im Jahr 2017 als auch im ersten Quartal 2018 mit einem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum von jeweils 7,4 % des BIP  das höchste Wachstum innerhalb der OECD-Staaten erzielen. Ursächlich hierfür war insbesondere der erhöhte Binnenkonsum infolge der umfangreichen staatlichen Subventionsmaßnahmen zur Belebung der Wirtschaftskonjunktur sowie die vom Wertverfall der Türkischen Lira begünstigte Exportwirtschaft. Das durchschnittliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lag in den letzten 10 Jahren bei über 5 %. Die Konjunktur hat sich nach Eintrübung im Jahr 2016 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,9 % im Zuge des gescheiterten Putschversuches vom 15. Juli 2016 inzwischen tendenziell erholt. Die wirtschaftliche Entwicklung und das Investitionsklima werden jedoch weiterhin erheblich durch die Konflikte in den Anrainerstaaten sowie die (innen-) politischen Unsicherheiten belastet.

Der Tourismus-Sektor konnte im Jahr 2017 den starken Einbruch des Vorjahres teilweise wieder ausgleichen. Während sich die Anzahl der Besucher annähernd wieder auf den Stand des Vorjahres erhöhte, blieben die Tourismuseinnahmen aber weiterhin erheblich unter dem Niveau der Vorjahre.

Das chronische Leistungsbilanzdefizit der Türkei bleibt weiterhin ausgeprägt und erhöhte sich im Jahr 2017 auf rd. 5,5 % des BIP (2016: 4,3 % des BIP). Die Erwartung für 2018 bewegt sich nahezu auf demselben Niveau. Zum Ausgleich ihrer Leistungsbilanz ist die Türkei in hohem Maße von ausländischen Kapitalzuflüssen abhängig, was ihre Volatilität gegenüber Turbulenzen auf den Finanzmärkten stärkt. Die türkische Regierung zielt daher durch eine Reihe von Maßnahmen auf eine Verringerung des hohen Leistungsbilanzdefizits ab. Dazu gehört die Verringerung ihrer (Energie-) Importabhängigkeit, u. a. durch die verstärkte Nutzung heimischer Kohle, erneuerbarer Energien und Vorbereitung des Baus von Kernkraftwerken, die Stärkung ihrer Industrieproduktion sowie die Förderung ihrer Exportwirtschaft.

Die Türkei wickelt nahezu 40 % ihres Außenhandels mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union ab. Die wichtigsten Ausfuhrgüter sind Textilien, Kraftfahrzeuge bzw. Kfz-Teile, Nahrungsmittel, Maschinen, Elektrotechnik sowie Eisen und Stahl. Das Handelsbilanzdefizit erhöhte sich im Jahr 2017 aufgrund der hohen Energieausgaben um 37 % und lag bei über 76 Mrd. USD. Hauptursache für das Ungleichgewicht im Außenhandel bleibt weiterhin die hohe Importabhängigkeit an Energie- und Rohstoffen sowie Halbwaren für die Industrieproduktion. Dies hat zur Folge, dass Zuwächse in der Industrieproduktion automatisch weitere Anstiege bei den Einfuhren generieren.

Der Abwertungstrend der Türkischen Lira dauert an. Die sich wiederholenden volatilen Ausschläge zeigen, wie anfällig der Kurs weiterhin auf politische und wirtschaftliche Entwicklungen reagiert. Im Zuge des gescheiterten Putschversuches im Juli 2016 sowie der innen- und außenpolitischen Entwicklungen der letzten Monate hat sich der Abwertungsdruck auf die Türkische Lira verstärkt und nach dem Wertverlust von rund 15 % im Jahr 2017 gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn 2018 zu einem weiteren Wertverfall von über 45 % geführt. Der Wertverlust der Lira schürt die Inflation, die im August 2018 mit einem Wert von fast 18 % auf den höchsten Stand seit 2003 stieg und damit erneut deutlich über dem längerfristigen Inflationsziel der Notenbank lag (5 %). Sorge bereitet ebenfalls die im internationalen Vergleich weiterhin sehr niedrige Sparquote, die 2017 auf 13 % des BIP lag, bei gleichzeitiger Überschuldung einer zunehmenden Anzahl von Privathaushalten und Unternehmen. Durch die Förderung von Spareinlagen im privaten Rentenversicherungssystem soll hier eine Besserung erzielt werden. 

Wirtschaftssektoren

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen ca. 25 % zum BIP bei. Größten Anteil am BIP (ca. 60 %) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch gut 20 % der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von über 6 % zum BIP. Im auch infrastrukturell vergleichsweise geringer entwickelten Osten und Südosten wird sehr häufig Semi-Subsistenz-Landwirtschaft betrieben. Im Bereich Erneuerbarer Energien erfolgten 2017 zwei Ausschreibungen für die Energieerzeugung aus Solar- und Windkraft mit einem Volumen von jeweils rund 1,3 Mrd. Euro, die von südkoreanisch-türkischen bzw. deutsch-türkischen Konsortien gewonnen wurden. Neben dem Ausbau der Energieerzeugung um jeweils 1 GW zielt die Türkei damit auf den Ausbau heimischer Produktionsstätten im Bereich der Solar- und Windkraft. Darüber hinaus ist die Türkei bestrebt, durch den Ausbau von Pipeline-Infrastruktur zu einer „Drehscheibe“ für Gaslieferungen zwischen Russland und Nahost sowie Kaspischem Raum und Europa zu werden. Im Südosten werden seit Mitte der 1980er Jahre erhebliche Entwicklungsanstrengungen unternommen (sog. Südostanatolien-Projekt (GAP) mit Ausbau von Staudämmen, (Wasser-)Kraftwerken, Bewässerungsanlagen, Straßen und Telekommunikationsinfrastruktur), was das bestehende West-Ost Gefälle aber bisher nur wenig verringern konnte.


Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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