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Türkei: Kultur- und Bildungspolitik, Medien Türkei 

21.03.2019 - Artikel


Bildungssystem

Die AKP-Regierung unternimmt seit ihrem Amtsantritt im November 2002 umfangreiche und einschneidende Umstrukturierungen des Bildungswesens, so wurden zuletzt im Zuge des Bildungsreformgesetzes vom April 2012 die Schulpflicht von acht auf zwölf Schuljahre angehoben und das Einschulungsalter auf 5½ Jahre herabgesetzt. Der Schulbesuch gliedert sich nunmehr in je vier Jahre Grundschule, Mittelschule und Oberschule. Ab dem fünften Schuljahr ist auch ein Wechsel in eine islamische Imam-Hatip-Schule möglich, was von . 11,4% aller Schülerinnen und Schüler an Mittel- und Oberschulen genutzt wird.

Im Zuge der letzten Reform ist es erstmalig in der Geschichte der Türkei möglich, Sprachunterricht in den regionalen Muttersprachen wie Kurdisch (Kurmandschi und Zaza) , Tscherkessisch, Georgisch, Lasisch, Bosnisch und Albanisch mit zwei Wochenstunden als Wahlpflichtfach zu wählen.

Die durch den Konflikt in Syrien mehr als eine Million schulpflichtigen Flüchtlingskinder in der Türkei sollen bis Ende des Schuljahres 2019/2020 ins reguläre Schulsystem überführt werden.

Rolle von Deutsch als Fremdsprache

Seit dem Schuljahr 2012/13 findet der erste Unterricht in einer Fremdsprache ab der zweiten Klasse mit jeweils zwei, ab der Mittelstufe mit vier Wochenstunden statt. Ab dem Schuljahr 2018/19 wird sich der Unterricht in der 5. Klasse aller staatlichen Schulen mit 18 Wochenstunden wesentlich auf das Erlernen einer Fremdsprache, in erster Linie Englisch, konzentrieren. Die Wiedereinführung von Deutsch als zweite Pflichtfremdsprache ab 2005 an ausgewählten Gymnasien hat die Stellung des Deutschunterrichts an türkischen Schulen insgesamt gestärkt, so dass Deutsch unter den zweiten Fremdsprachen an erster Stelle rangiert. In den Oberstufen türkischer Schulen unterrichten ca. 90 von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) vermittelte Lehrerinnen und Lehrer.

Hochschulen

Der türkische Hochschulrat (YÖK) koordiniert Finanzen, Inhalte und Personalplanungen der Hochschulen. Er betreibt mit Nachdruck die Internationalisierung der türkischen Wissenschaft.

Mangels eines dualen Ausbildungssystems und aufgrund der demographischen Entwicklung herrscht ein starker Andrang an den Universitäten. Insgesamt studierten im Studienjahr 2017/2018 rund 7,2 Mio. Personen an 129 staatlichen Universitäten und 72 staatlich anerkannten privaten Stiftungsuniversitäten.
Der Anteil des BIP für Bildung beträgt 3,65%, in Forschung und Entwicklung werden 0,8% des BIP investiert.

Straf- und dienstrechtliche Maßnahmen gegen türkische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie gegen Hochschulpersonal (z.B. Suspendierungen, Strafverfahren, Inhaftierungen) nach der Unterzeichnung eines Aufrufs zur Kurdenpolitik im Januar 2016 sowie nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben im Ausland große Besorgnis über die akademische Freiheit in der Türkei hervorgerufen. Eine Beeinträchtigung des Hochschulbetriebs durch die vielen Entlassungen konnte bislang durch eine Einstellung auf Angestelltenbasis aufgefangen werden.

Berufliche Bildung

Im formellen Bildungsweg können Jugendliche nach Abschluss der 8. Klasse ein Berufsgymnasium (Meslek Lisesi) besuchen, um neben dem türkischen Gymnasialabschluss eine „Berufsausbildung“ zu erhalten. Die berufsbildenden Schulen liegen im Ansehen weit hinter den allgemeinbildenden Gymnasien (Lise) und werden in der Regel nur bei Nichtbestehen der Aufnahmeprüfung für ein allgemeinbildendes Gymnasium gewählt.

Es gibt nur wenige Berufsschulen, die eine duale Ausbildung (in Anlehnung an das deutsche System) anbieten. Schüler, die eine derartige Ausbildung machen, erhalten ein Drittel des Mindestlohns und sind staatlich sozialversichert. Wirtschaftsverbände und -kammern fordern eine weitergehende Förderung der beruflichen Bildung, um junge Menschen besser auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vorzubereiten.

Neben der schulischen und dualen Ausbildung existiert weiterhin auch die traditionelle – weitgehend außerschulische – Lehrlingsausbildung.

Medien

Seit Aufhebung des staatlichen Monopols für Rundfunk und Fernsehen 1993 hat sich eine Vielzahl privater Fernsehsender etabliert, die kommerzielle, oft aber auch politische Interessen verfolgen. Onlinemedien werden gegenüber konventionellen Medien stark bevorzugt. Die (klassische) Medienlandschaft ist mit dem Verkauf der Doğan-Medien (darunter Hürriyet, Kanal D, CNN Türk u.a.) an die Demirören-Holding stark monopolisiert; rund 90% der türkischen Massenmedien (TV, Print, Online) sind finanziell und/oder personell mit der Regierungspartei AKP verbunden. Die größten Mediengruppen sind mit anderen wirtschaftlichen Interessen in großen Holdings verbunden.

Presse- und Meinungsfreiheit sind, obwohl verfassungsrechtlich verankert, stark eingeschränkt. Seit dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurden knapp 200 überwiegend kurdische oder als Gülen-nah geltende Medienorgane geschlossen. Durch die Schließungen gibt es nur noch eine kleine Anzahl unabhängiger (Oppositions-)Medien (darunter Sözcü, Birgün, Evrensel, Cumhuriyet), mit geringer Reichweite.
Freie Presseberichterstattung ist für die verbleibenden Medien aufgrund von Drohungen, Verhaftungen ihrer Mitarbeiter und Selbstzensur kaum mehr möglich. Reporter ohne Grenzen stufte die Türkei im April 2018 auf Platz 157 (von 180) zwei weitere Ränge nach unten.

Das Internet in der Türkei ist nicht vollständig frei. Bei derzeit ca. 54,33 Mio. aktiven Internetnutzern und 51 Mio. aktiven Social-Media-Nutzern gehören Youtube, Facebook, Instagram und Twitter zu den populärsten Plattformen. Onlineplattformen und Messengerdienste wie WhatsApp, Twitter, Facbook und Youtube werden anlassbezogen z. T. tagelang gesperrt. Seit April 2017 ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia in der Türkei gesperrt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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