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Tschad: Wirtschaft Tschad

21.03.2019 - Artikel

Wirtschaftslage und -struktur

Tschad ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze (Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Bevölkerung 630 US-Dollar (2017, Weltbank), nach Kaufkraftparität: 1.920 US-Dollar (2017, Weltbank)). Lebensgrundlage für den überwiegenden Teil der Bevölkerung ist die Landwirtschaft (etwa 80 Prozent der Beschäftigung, hoher Anteil von Subsistenzwirtschaft). Ein moderner Privatsektor existiert nur in Ansätzen, produzierende Betriebe gibt es nur wenige.

Der tschadische Staatshaushalt ist seit 2003 stark vom Ölsektor abhängig (50 Prozent der Einnahmen, 2/3 des BIP). Die im Erdölsektor tätigen Unternehmen, überwiegend aus Nordamerika und China, fördern täglich durchschnittlich ca. 130.000 Barrel Rohöl. Der Ölpreisverfall ab Ende 2014 hat Tschad daher hart getroffen. Die Regierung musste drastische Ausgabenkürzungen vornehmen, deren Schwerpunkt in den Bereichen Bildung und Gesundheit lagen. Die Höhe der Gehälter für Staatsbedienstete änderte sich dagegen nur geringfügig und übertraf die Einnahmen aus dem Ölsektor. Es kam zu Zahlungsverzug bei Krediten.  Im Juni 2018 wurde eine Vereinbarung mit dem Rohstoffunternehmen Glencore zur Restrukturierung eines mit künftigen Ölexporteinnahmen besicherten Kredits unterzeichnet, den dieses dem Staat gewährt hatte. Dieser Kredit soll nun erst bis 2026 zurückgezahlt werden. Der IWF gewährte Unterstützung im Rahmen seiner „Extended Credit Facility“. Mit allmählich steigenden Staatseinnahmen sowohl aus dem Ölsektor als auch aus regulären Steuereinnahmen wird bei fiskalpolitischer Disziplin und dem Ausbleiben neuer Belastungen eine allmähliche Konsolidierung des Staatshaushalts angenommen.

Im UNDP-Index 2017 für menschliche Entwicklung (Human Development Index) liegt das Land auf Platz 186 von 189; im „Doing Business“-Index der Weltbank 2018 auf Platz 180 von 190. Besondere Herausforderungen bestehen bei der Entrichtung der Steuern, der Gründung eines Unternehmens und der Elektrizitätsversorgung.   

Die Wirtschaft leidet unter der mangelhaften Infrastruktur des Landes: Zwar ist das Netz asphaltierter Straßen dank Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft und Investitionen aus den Erdöl-Erlösen gewachsen, aber für ein Land der 3,5-fachen Größe Deutschlands weiter unzureichend. Die Regierung plant einen Ausbau der Straßenanbindung an Kamerun.

Für den Elektrizitätssektor existieren ehrgeizige Entwicklungspläne. Während die Energiegewinnung heute weitgehend auf fossilen Brennstoffen beruht (Diesel-Generatoren, Holz für den heimischen Verbrauch), setzt der Staat zunehmend auf erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik. Der Neubau von Überlandleitungen ist in Planung.

Der internationale Flughafen N'Djamena wird zurzeit von Air France, Camair, Ethiopian Airlines, Turkish Airlines, Royal Air Maroc und der Regionalfluglinie Asky angeflogen. Inlandsflugverkehr wird von UNHAS und Tchadia Airlines (51% Staatsbesitz, 49% Ethiopian) durchgeführt. Ein öffentlicher Fernverkehr existiert zwischen allen größeren Städten des Landes. Allerdings sind die Straßen schlecht, die Reisegeschwindigkeit ist entsprechend sehr niedrig.

Mobiltelefone können in weiten Teilen des Landes benutzt werden. Die Internetqualität und -durchdringung hingegen ist gering.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung in den Städten und 87 Prozent der Bevölkerung auf dem Land leben nach Angaben von UNDP in Armut. Die soziale Absicherung ist unzulänglich: Es existiert zwar eine Verpflichtung der Arbeitgeber, Rentenbeiträge und Beiträge zu einer Berufsunfallversicherung für beschäftigte Arbeitnehmer abzuführen, es arbeiten aber nur sehr wenige Menschen in formellen Arbeitnehmerverhältnissen. Über 80 Prozent der Berufstätigen sind selbstständig oder im informellen Sektor tätig. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums (Frauen haben durchschnittlich 5,9 Kinder (Weltbank, 2016)) streben jährlich immer neue junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, der keine neuen Beschäftigungsmöglichkeiten bietet.

Ein wirksamer Krankenversicherungsschutz fehlt; viele Menschen meiden deshalb das Gesundheitssystem und wenden sich an traditionelle Heiler.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Die tschadische Wirtschaft wird gesamtwirtschaftlich seit 2003 vom Erdölsektor dominiert. Landwirtschaft und Viehzucht sorgen für die nationale Beschäftigung und Ernährungssicherheit, insbesondere durch Exporte von Vieh ins benachbarte Nigeria. Wegen der Aktivitäten der Terrororganisation Boko Haram in der Tschadseeregion sind die Viehexporte zum Erliegen gekommen.
Die Erträge fließen vor allem in die Verwaltung, den militärischen Bereich und in Infrastrukturmaßnahmen. Durchgreifende Auswirkungen sind bisher jedoch allenfalls im städtischen Bereich und beim Straßenbau feststellbar. Ein nennenswerter industrieller Sektor existiert nicht; allerdings gibt es Anfänge in der lebensmittelverarbeitenden Industrie.

Wichtigster ausländischer Investor ist China. Neben der Erschließung neuer Erdölfelder betreiben chinesische Staatsfirmen eine Pipeline und eine Raffinerie im Norden von N'Djamena (Djermaya). China betreibt außerdem ein neues Kraftwerk zur Versorgung der Hauptstadt mit Elektrizität und eine Zementfabrik im Süden des Landes.
Weitere Wirtschaftspartner sind Frankreich, Südafrika, Türkei, Kanada, Brasilien, Indien und die Golfstaaten.

Außenhandel

Tschad führte 2017 Güter im Wert von gut 2,2 Milliarden Euro (Schätzung, IWF) aus; vor allem Erdöl (1,6 Milliarden), Gold,  Baumwolle, Gummi Arabicum, Sesam und Lebendvieh.

Die Einfuhr belief sich auf rund 1,9 Milliarden Euro. Die Haupt-Importgüter sind Medikamente, Fahrzeuge, Getreide und verzinkte Produkte. Haupthandelspartner sind die USA, die EU-28 und China.

Staatshaushalt

Der IWF erwartet für 2018  Einnahmen in Höhe von circa 1,4 Milliarden Euro, darunter rund 400 Millionen Euro aus Öleinnahmen, sowie Kredite verschiedener Geber von circa 368 Mio. Euro; unter den Ausgaben von 1,35 Milliarden Euro machen Löhne und Gehälter rund 540 Millionen Euro aus, während Investitionen in Höhe von rund 400 Millionen Euro (weitgehend geberfinanziert) erwartet werden.. Die Staatsverschuldung beläuft sich derzeit auf 52,1 Prozent des BIP (Schätzungen IWF, 2017).

Tschad ist seit 2001 Kandidat für die globale Entschuldungsinitiative HIPC (Highly Indebted Poor Countries). Tschad hat im Rahmen der HIPC-Initiative im April 2015 den sogenannten „Entschuldungspunkt“ und damit einen Schuldenerlass in Höhe von 30 Millionen Euro erreicht. Tschad hat damit auch Zugang zu neuen Krediten und Budgethilfe.

Das Wirtschaftswachstum ist fast zur Gänze vom Ölsektor abhängig. 2017 wies Tschad ein nominelles Wachstum von -3,1 Prozent bei einer Inflation von -0,9 Prozent auf. Für 2018 wird ein Wachstum von 3,5 Prozent erwartet (Schätzung IWF). Langfristig soll der volkswirtschaftliche Anteil des Nicht-Öl-Sektors erhöht werden.

Verkehr

Tschad ist ein Binnenland mit einer Nord-Südausdehnung von 1.600 Kilometer und einer maximalen Ost-West-Erstreckung von mehr als 1.000 Kilometer. Der N'Djamena nächstgelegene Seehafen Douala (Kamerun), über den ein Großteil des Außenhandels abgewickelt wird, liegt 1.750 Kilometer entfernt. Das tschadische Straßennetz ist trotz erheblicher Verbesserungen noch nicht ausreichend entwickelt und ein Hindernis für die Wirtschaftsentwicklung. Mit Hilfe von Weltbank, Europäischer Union, seit 2008 auch der Volksrepublik China wird das Netz asphaltierter Straßen erweitert und erreicht heute circa 3.000 Kilometer Länge. N'Djamena ist auf dem Luftweg direkt mit Paris, Addis Abeba, Douala, Jaunde, Maroua, Casablanca, Nairobi, Khartum und Istanbul verbunden.

Umwelt

Etwa 40 Prozent der Fläche des Landes sind der Sahara zuzurechnen; in der sich südlich anschließenden Sahelzone (rund 20 Prozent Anteil) schreitet der Prozess der Desertifikation voran und zwingt Herdenbesitzer dazu, früher zur Migration in den Süden aufzubrechen und ihre Herden zugleich weiter in den Süden zu führen.

Dadurch kommt es zu Konflikten mit Bauern, deren Felder oft noch nicht abgeerntet sind. Im fruchtbareren Süden baut sich erheblicher Ressourcendruck auf als Ergebnis der wachsenden Bevölkerung und der extensiven Anbautechnik. Die Folge ist trotz eines generellen Einschlagverbots die Zunahme von Rodungen. Die Abholzung der Wälder - sie bedecken heute weniger als 10 Prozent der Landesfläche - wirkt sich negativ auf die Wasserführung der Flüsse aus.

Andererseits hält sich die Luftverschmutzung bisher in Grenzen, da es praktisch keine Industrie und ein nur geringes Verkehrsaufkommen gibt. Problematisch ist, dass Tschad über keine Müllbeseitigung verfügt. Auch die Wasserqualität des die Hauptstadt N'Djamena durchfließenden Chari, der den Tschad-See speist, ist wegen fehlender Kläranlagen besorgniserregend.

Der Tschad-See an der Grenze zu Kamerun, Nigeria und Niger bedeckt heute nur noch einen Bruchteil seiner früheren Fläche. Als Lebensgrundlage für etwa 30 Millionen Menschen gelten dem Erhalt seines Ökosystems intensive Anstrengungen, unter anderem durch die multilaterale Tschadseekommission (CBLT), die von der Bundesregierung gefördert wird.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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