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Thailand: Kultur- und Bildungspolitik Thailand

22.03.2019 - Artikel

Kultur- und Bildungspolitik

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand sind eng und vielfältig. Ein Kulturabkommen wurde 1984 abgeschlossen.

Das Goethe-Institut (GI) in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs und der Förderung der deutschen Sprache. 1960 als erstes GI in Südostasien eröffnet, bietet es ein breit gefächertes Programm mit Veranstaltungen wie Filmwochen, Ausstellungen, Konzerten, Workshops, etc. Nach dem vorläufigen Abschluss einer umfangreichen Renovierung und Modernisierung im Jahr 2016 bietet das GI attraktive Räumlichkeiten.

Bei der Entwicklung des Landes kommt den Themen Bildung und (Berufs-)Ausbildung besondere Bedeutung zu. Das Erziehungsministerium verfügt mit rund 20 Prozent des Staatshaushalts über den größten Einzelhaushalt. Ziel ist es, die Schulbildung zu verbessern, die Qualifikation der künftigen Arbeitskräfte und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu sichern.

Die auf zwölf Jahre verlängerte Schulausbildung ist vierstufig aufgebaut: Nach der ein- bis zweijährigen Vorschule folgt die Grundschule, die sechs Jahre dauert. Die weiterführenden Schulen bieten eine sechsjährige Ausbildung an (jeweils drei Jahre in der unteren und höheren Sekundarstufe).

Besondere Anstrengungen unternimmt Thailand, um Kindern und Jugendlichen naturwissenschaftliche Fächer näherzubringen. In diesem Bereich arbeitet das Goethe-Institut mit zahlreichen Schulen zusammen. So können sich Jugendliche und Studierende u.a. während eines jährlichen Wissenschaftsfilmfestivals mit Naturwissenschaften vertraut machen. Dieses Festival, das auf eine Initiative des Goethe-Instituts Thailand zurückgeht, begeistert in zahlreichen Ländern der Region mit Filmen und Vorträgen mittlerweile hunderttausende junger Menschen.

Zwei deutschsprachige Auslandsschulen in Bangkok und Chiang Mai werden von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) als Exzellente deutsche Auslandsschulen unterstützt. 

Insgesamt 46 thailändische Schulen bieten Deutschunterricht an. An dem Programm „Schulen: Partner für die Zukunft“ („PASCH“), das vom Goethe-Institut betreut wird, nehmen derzeit 10 thailändische Sekundarschulen teil. Das Programm sieht eine enge Zusammenarbeit bei der Unterrichtsgestaltung im Fach Deutsch als Fremdsprache sowie der Lehrerfortbildung vor. In vielfältigen Projekten haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse spielerisch zu vertiefen. Thailändische Schüler sind bei der Deutsch-Olympiade des Goethe-Instituts regelmäßig auf den vorderen Plätzen vertreten.

Die Botschaft und das Goethe-Institut unterstützen Thailand bei seinen Bemühungen, den Deutschunterricht im Land zu stärken und auszubauen. Schätzungen zufolge besitzen derzeit etwa 100.000 Thailänder und Thailänderinnen Deutschkenntnisse.

Zehn thailändische Universitäten bieten Deutsch als Haupt- oder Nebenfach an (ca. 1500 Studierende). Vielfältige Partnerschaften bestehen auch im akademischen Bereich: Deutsche Universitäten sind durch rund 200 Partnerschaften mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren (in Bangkok und Chiang Mai) präsent ist, vergibt eine Vielzahl von Stipendien an Studierende und Wissenschaftler aus Deutschland, Thailand und weiteren Ländern in Südostasien. Seit 2016 gibt es auch drei Lektoren der Robert-Bosch-Stiftung in Thailand.

Insgesamt studieren derzeit etwa 150.000 Studierende an den 156 privaten und öffentlichen Hochschulen des Landes. Der Hochschulabschluss wird im Schnitt nach vier bzw. sechs Jahren mit dem Bachelor beziehungsweise dem Master erlangt.

Der deutsch-thailändische Studentenaustausch jenseits fester universitärer Kooperationen beläuft sich derzeit auf jeweils rund 1.000 Austauschstudenten.

Berufsbildung ist ein weiterer Schwerpunkt der deutsch-thailändischen Zusammenarbeit im Kulturbereich. Gemeinsam mit deutschen und thailändischen Unternehmen sowie örtlichen Berufsschulen fördert die Deutsch-Thailändische Handelskammer im Rahmen des “German-Thai Dual Excellence Education”-Projekts die Entwicklung eines dualen Berufsbildungssystems nach deutschem Vorbild in Thailand.

Bangkok ist Sitz der 1965 gegründeten Organisation der südostasiatischen Erziehungsminister (SEAMEO), die bildungspolitische Projekte in der Region begleitet. Deutschland ist seit 1990 assoziiertes Mitglied und Förderer der Organisation.

Kulturförderung

Kulturpolitik gewinnt zunehmend an Bedeutung in Thailand. Unter Federführung des 2003 gegründeten Kulturministeriums wurde die Förderung von Projekten der Bildenden Künste und von Musik kontinuierlich ausgeweitet. Ein wichtiger Aufgabenbereich ist die Bewahrung von Thailands kulturellem Erbe. Zahlreiche Tempelanlagen in Sukhotai und Ayutthaya gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Durch ein Kulturerhaltprojekt am Wat Ratchaburana in Ayutthaya, das von Prof. Hans Leisen von der Fachhochschule Köln geleitet wurde, trug auch Deutschland zur Erhaltung des Weltkulturerbes in Thailand bei.

Ein weiteres Kulturerhaltprojekt war die Digitalisierung von Palmblatthandschriften. Ziel dieses Projekts war es, historische Aufzeichnungen, Geschichten und religiöse Texte buddhistischer Mönche, als kulturelles thailändisches Erbe zu erhalten.

Traditionelle Kultur, darunter der berühmte Tanz „Khon“, der 2018 in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wurde, wird in Thailand auch als ein Mittel zur Tourismusförderung betrachtet. Daneben entfaltet sich aber auch eine immer lebendiger werdende Kunstszene, wobei Gegenwartskunst sich weitgehend unabhängig und ohne öffentliche Förderung entfaltet. Seit der Eröffnung des Bangkok Arts and Cultural Centre im Sommer 2009 hat sich dieses Ausstellungszentrum zu einem dynamischen Mittelpunkt Bangkoker Gegenwartskunst entwickelt. Neben Bangkok ist die Stadt Chiang Mai ein besonders lebendiger Ort der Gegenwartskunst.

Ein wichtiges Ziel der deutschen Kulturarbeit in Thailand ist die Förderung der deutschsprachigen Literatur. Deshalb veranstalten die Botschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gemeinsam mit dem Goethe-Institut Bangkok jedes Jahr in Chiang Mai und Bangkok Literaturlesungen mit Schriftstellern aus den deutschsprachigen Ländern.

Ein zweiter Fokus der deutschen Kulturarbeit in Thailand liegt auf der Förderung von Tanz und Musik aus Deutschland. Das Interesse an klassischem Tanz und Musik steigt bei der wachsenden und zunehmend besser gebildeten Mittelschicht in Thailand. Einzigartig in der ASEAN-Ländergruppe ist das “Bangkok International Festival of Dance & Music”, das 2018 bereits zum 20. Mal stattfand. Die erste Bangkok Biennale 2018 im Bereich der bildenden Kunst wird auch vom Goethe-Institut gefördert.

Mit der  2014 eröffneten Prinz-Mahidon-Halle des Musik-College der Prinz-Mahidol-Universität in Salaya, deren Akustikausstattung von einer deutschen Fachfirma installiert wurde, verfügt Thailand über einen erstklassigen modernen Konzertsaal, der auch die Spielstätte des Thailand Philharmonic Orchestras ist und das  wachsende Interesse an klassischer Musik zeigt. Die Berliner Philharmoniker traten im November 2018 dort zum ersten Mal in Bangkok auf.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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