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Taiwan: Wirtschaft Taiwan*

17.04.2019 - Artikel

Charakterisierung der taiwanischen Wirtschaft

Taiwan ist eine hoch entwickelte, stark exportabhängige Marktwirtschaft, die sich aufgrund der politischen Isolation und angesichts zunehmender bilateraler und regionaler Zusammenschlüsse darum bemüht, nicht marginalisiert zu werden und wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit 23,6 Mio. Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) in 2018 von 589,5 Mrd. USD (pro Kopf 25.048 USD) steht Taiwan an 22. Stelle unter den Volkswirtschaften der Welt.

Taiwan positioniert sich als verlässlicher Handelspartner, mit sehr gut ausgebildeten, dynamischen Fachkräften, einer guten Verkehrs-, Kommunikations- und IT-Infrastruktur, Rechtssicherheit, investitions- und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen, hoher Lebensqualität, einem zwar kleinen Binnenmarkt (Bevölkerungszahl wie Australien) aber mit starker Nachfrage nach Markenprodukten, einer idealen geografischen Lage in der Asien-Pazifik-Region und vor allem mit umfangreichen Verbindungen zur nahen Volksrepublik China.

In vielen IT-Produktgruppen ist Taiwan ein nicht wegzudenkender Teil etablierter Zulieferketten und Weltmarktführer bei vielen IT-Komponenten. Bei einer Reihe von IT-Bauteilen ist die weltweite IT-Branche auf taiwanische Schlüsselkomponenten angewiesen. Taiwanische Unternehmen produzieren vor allem als Original Equipment Manufacturer (OEM) wie bspw. Foxconn (HonHai) und treten meist nicht als Marke in Erscheinung. Daher steckt die Entwicklung eigener Marken für Kundenendprodukte noch in den Kinderschuhen (mit Ausnahmen wie HTC, ACER oder ASUS).

In Folge gestiegener Produktionskosten haben taiwanische Unternehmen bedeutende Teile der (End-)Fertigung in den 1990er und 2000er Jahren auf das chinesische Festland verlagert. Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China verlagert sich in zunehmendem Maße die Produktion nach Südostasien (vor allem Vietnam) und durch entsprechende Anreize der Regierung auch zurück nach Taiwan.

Die Verflechtung der taiwanischen Wirtschaft mit China schreitet mit der Entwicklung Chinas zum Absatzmarkt weiter fort. 41% aller taiwanischen Exporte gehen nach China (mit Hongkong), wovon über die Hälfte auf elektronische Komponenten fällt. Taiwanische Unternehmen haben in China kumuliert beträchtliche Investitionen getätigt (geschätzt zwischen 80 und 280 Mrd. USD, was etwa 60% der taiwanischen Auslandsinvestitionen entspricht). Taiwan selbst will sich als Forschungs- und Entwicklungsstandort etablieren und auf ausbildungsintensive Hochtechnologien konzentrieren. So setzt sich das BIP heute nur noch zu knapp 2% aus dem Beitrag der Landwirtschaft, zu gut 35% aus der Industrie und etwa 63% aus dem Anteil der Dienstleistungsbranche zusammen. Taiwan positioniert sich in Zukunftstechnologien, Industrie 4.0 („Smart Machinery“) und fördert zunehmend junge Unternehmer und Start-ups.

Die derzeitigen Herausforderungen der exportorientierten taiwanischen Wirtschaft weisen durchaus eine Ähnlichkeit zu Deutschland auf. Neben den Auswirkungen des US-China-Handelskonflikts bestehen diese vor allem auch in einer alternden Gesellschaft und des dadurch verstärkten Fachkräftemangels.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung, Wirtschaftsklima

Getragen von einem Exportaufschwung – steigende Nachfrage nach Elektronik und ICT –hat die exportabhängige Wirtschaft Taiwans im Jahr 2018 ein Wirtschaftswachstum von 2,66 % erreicht. Auch wenn die Exportabhängigkeit von China nicht verringert werden konnte, so zeigen doch die „New Southbound Policy“ und die Förderung der sog. „5+2 Schwerpunktsektoren“ erste positive Ergebnisse. Mit zunehmendem Erfolg der chinesischen Isolierungsbemühungen investiert Taiwan in seine Stärken, fördert Innovation in den Zukunftstechnologien, orientiert sich Richtung der ASEAN-Staaten sowie weiterer wichtiger Partner und forciert darüber hinaus bilaterale Abkommen. Maßnahmen zur Verbesserung des regulatorischen Umfeldes, Steuerreform, Fachkräftesicherung etc. unterstützen eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik.  Die Inflationsrate im Jahr 2018 betrug 1,35%. Für das Jahr 2019 wird ein Wirtschaftswachstum von 2,27 % erwartet.

Die Arbeitslosenquote bleibt mit 3,66% niedrig. Während MINT-Absolventen sich ihre Stellen aussuchen können, haben es Geisteswissenschaftler eher schwer. Es wird zum Teil am Bedarf vorbei ausgebildet. Arbeitgeber klagen über Fachkräftemangel. Zusätzlich werben China, Hongkong und Singapur um qualifizierte Arbeitskräfte. Die Reallöhne der Beschäftigten sind in den letzten Jahren leicht angestiegen, im Jahr 2018 beträgt dieser 40.959 NTD (rund 1.359 USD). Der Mindestlohn liegt bei 23.100 TWN/Monat (ca. 650 Euro).

2018 wurden ausländische Investitionen in Taiwan in Höhe von 11,4 Mrd. USD (+52,3%) genehmigt und in Höhe von 6,47% realisiert (+ 96%). Im gleichen Jahr wurden ausgehende Investitionen (ohne China) in Höhe von 14,29 Mrd. USD (+23,51%) getätigt. Die genehmigten ausländischen Direktinvestitionen nach China belaufen sich 8,5 Mrd. USD, was einem Rückgang zum Vorjahr um 8,12% entspricht.

Staatliche Investitionen in Taiwan in lokale Infrastrukturprojekte beliefen sich auf 11,6 Mrd. USD (-1,8%), private Investitionen auf 58,8 Mrd. USD (+31,2%).

Einbindung in die Weltwirtschaft, Außenhandel

Taiwan ist seit 2002 als „Separates Zollgebiet Taiwan, Penghu, Kinmen und Matsu (Chinese Taip-ei)“ Mitglied der WTO und seit 1991 der APEC (als „member economy Chinese Taipei“). 2009 wurde Taiwan Mitglied des „Government Procurement Agreement (GPA)“ der WTO und kam damit einer langjährigen Forderung der ausländischen Unternehmen nach. Das GPA gewährt grundsätzlich einen besseren Zugang zu öffentlichen Aufträgen. Dennoch tun sich ausländische Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen schwer insbesondere im Infrastrukturbereich, da Ausschreibungen oft durch zu einseitige Ausrichtung auf den niedrigsten Preis und bürokratische Vertragsregeln nicht leistungsorientiert sind.Auch die mangelnde Verfügbarkeit von Ausschreibungen und regulatorischer Bestimmungen in englischer Sprache oder Regeln zur Ortsansässigkeit von Firmen sind hierbei durchaus problematisch.

Die „European Chamber of Commerce Taipei (ECCT)“ vertritt die Interessen europäischer (einschließlich deutscher) Unternehmen in Taiwan wirkungsvoll. Das Deutsche Wirtschaftsbüro Taipei (DWB) konzentriert sich auf den bilateralen Handel und Investitionen. Die GTAI unterhält ein Korrespondentenbüro in Taipei und veröffentlicht regelmäßig aktuelle Branchen- und Trendberichte zu Taiwan.

Mit etwa 4.000 Ausstellern auf über 90 deutschen Messen gehört Taiwan regelmäßig zu den 10 wichtigsten Ausstellerländern in Deutschland.

Aufgrund der starken Abhängigkeit vom Außenhandel ist Taiwan eine grundsätzlich offene Volkswirtschaft. Da Taiwans BIP-Wachstum von Exporten getragen wird, ist Taiwan auf freien Handel angewiesen. Nichttarifäre Handelshemmnisse wie Zertifizierungsbestimmungen, die mangelnde Anerkennung ausländischer Prüfsiegel oder Einschränkungen für Importe aus China stellen dennoch nicht unbedeutende Barrieren im sonst gut funktionierenden Handel mit Taiwan dar.

Verflechtungen mit Deutschland

2018 lag Taiwan aus deutscher Sicht mit 18,1 Mrd. Euro Umsatz an 27. Stelle in der Rangfolge der Handelspartner (+5,2%,5. Stelle in Asien hinter VR China, Japan, Südkorea, Indien); bei den Importen mit 10,2 Mrd. Euro an 24. Stelle (+7,5 %, 4. Stelle in Asien)und bei den Exporten mit 7,9 Mrd. Euro an 34. Stelle (+2,4%, 7. Stelle in Asien)

Aus taiwanischer Sicht blieb Deutschland auch 2018 fünftwichtigster Lieferant (hinter VR China, Japan, USA und Südkorea). Die Importe nahmen insgesamt um 8,3% zu und beliefen sich auf 9,96 Mrd. USD. Taiwans Exporte nach Deutschland sind in 2018 ebenfalls um 9,5% auf 7,01 Mrd. USD gestiegen.

Taiwan exportiert nach Deutschland zu 57% (+9,0%) Maschinen und Elektronik, zu 14% (+12%) Basismetalle, zu 11% (+14,0%) Transportmittel (Fahr- und Flugzeuge sowie Schiffe) und importiert aus Deutschland hauptsächlich Maschinen und Elektronik zu 36% (+19,8%), Chemikalien zu 23% (+2,8%) und Transportmittel zu 20% -2,0%).

Die Entwicklung deutscher Investitionen ist im Jahr 2018 stark angestiegen; allerdings führen aufgrund des geringen Volumens einzelne Investitionen oder Firmen-Akquisen zu extremen statistischen Schwankungen: Deutsche Firmen investierten in 2018 in Taiwan 642,4 Mio. USD (2017: 155,52 Mio. USD), u.a. DHL Global Forwarding (Niederlassung in Taichung). Merck, Linde, Evonik, Siemens und Bayer unterhalten wichtige F&E Zentren in Taiwan. Enercon (Onshore Turbinen) wie auch SiemensGamesa (Offshore Turbinen) eröffneten Ende 2017 Asia-Pacific Regionalbüros, seit März 2019 ist auch EnBW mit einer Niederlassung vertreten.

Seit 1952 belaufen sich die Investitionen auf insgesamt 3,54 Mrd. USD (drittgrößter Auslandsinvestor).

Taiwanische Investitionen in Deutschland sind 2018 auf 18,72 Mio. USD gesunken (2017: 33,70 Mio. USD) und bestehen u.a. in der Partnerschaft von Gogoro mit Coup (Bosch-Gruppe) für ein E-Scooter Sharing Angebot in Berlin.

Umwelt- und Klimapolitik

Der subventionierte Elektrizitätsmarkt ist noch von altmodischen, monopolistischen Zügen gekennzeichnet. Die Energieversorgung ist nahezu zu 100% importabhängig. Über 85 % der Primärenergieversorgung ist fossiler Herkunft, was für Taiwan kombiniert mit geringer Energieeffizienz in allen Bereichen OECD-weit einen der höchsten CO2-Ausstöße pro Kopf bedeutet. Industrie und Öffentlichkeit haben sich jedoch an die subventionierten Strom- und Benzinpreise gewöhnt, weshalb einige zaghafte Preiserhöhungen der Regierung in den letzten Jahren stets zu Protesten führten, obwohl private Haushalte und kleine Unternehmen hiervon weitgehend ausgenommen wurden.

Taiwan strebt – obwohl sich die Bevölkerung im November 2018 in einem Referendum gegen eine gesetzliche Verankerung dieses Ziels gestimmt hat – an, schrittweise aus der Atomenergie auszusteigen. Die Lizenzen der drei aktiven AKWs laufen 2019, 2023 und 2025 sukzessive aus. Das 4. AKW wurde 2012 vor Inbetriebnahme eingemottet. Grund hierfür waren die Proteste nach Fukushima. Die Opposition drängt auf Weiternutzung der Atomkraft.

Aktuell fördert die Regierung den Ausbau von offshore Wind (5,5 GW bis 2025) und PV (20 GW bis 2025). TWN verfügt über einige der besten offshore Lokationen der Welt, deutsche Entwickler (wpd), Turbinenlieferanten (SiemensGamesa) sowie diverse Zulieferer incl. Service sind engagiert.

In der hiesigen Debatte über Atomkraft und Energieversorgung wird regelmäßig auf Deutschland rekurriert.

Weitere wichtige Bereiche für deutsche Firmen sind Maschinenbau, Industrie 4.0, industrielle IoT und Künstliche Intelligenz.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

* Die Bezeichnung „Länder“ in der Auswahlliste umfasst Staaten, Provinzen und Territorien. Sie spiegelt nicht die Position der Bundesregierung hinsichtlich des Status eines Landes oder einer Region wider.

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