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Wirtschaft Tadschikistan

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Stand: März 2018

Volkswirtschaftliche Struktur

Die volkswirtschaftliche Struktur ist unter anderem geprägt durch die Folgen des Bürgerkriegs, Abwanderung und Arbeitsmigration, die Gebirgslage, geringe fossile Rohstoffvorkommen und eine anhaltend negative Außenhandelsbilanz. 
Landwirtschaft, Industrie und Handel dominieren als Sektoren, obwohl nur sechs Prozent der Oberfläche des Gebirgslandes überhaupt landwirtschaftlich nutzbar sind. Wasserkraft stellt traditionell die wichtigste Energiequelle dar, erfordert aber umfassende Investitionen und Modernisierung der Infrastruktur.  
In zentralen, von Gebern unterstützten Reformbereichen wie der Neuausrichtung der Landwirtschaft (Umwandlung früherer Kolchosen in selbständige kleine und mittelgroße Agrarbetriebe) sind seit 2009 gewisse Fortschritte zu konstatieren. Tadschikistan ist der ärmste der fünf zentralasiatischen GUS-Staaten. Nach Angaben der Weltbank lebten 2015 31% der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze, 2000 hingegen noch 83%. 
In wichtigen Feldern wie Korruptionsbekämpfung, Registrierung und Schutz von Privateigentum sowie Wirtschaftsförderung sind weitere Reformschritte nötig. 
Nach wie vor gibt es keine bedeutende ausländische Direktinvestitionen westlicher Staaten.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Auch 2016 ist das BIP in US-Dollar laut Weltbank weiter gesunken, auf 6,95 Mrd. insgesamt und 796 USD pro Kopf. In Landeswährung hingegen lag lt. offiziellen Zahlen ein reales Wachstum von 6,9% vor, ähnliche Werte werden von offiziellen Stellen für 2017 und 2018 erwartet.  
In den letzten Jahren wurden die Aluminium- und Baumwollproduktion – und damit auch der Export – nicht zuletzt aufgrund deutlich gesunkener Weltmarktpreise stark zurückgefahren. Seit Ende 2014 hat der tadschikische Somoni krisenbedingt deutlich an Wert gegenüber dem US-Dollar verloren. 
Bis 2016 gingen die Zahl der tadschikischen Gastarbeiter in Russland und Kasachstan und deren Rücküberweisungen stark zurück. Gleichwohl entsprachen sie 2016 laut Internationalem Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) 29% des BIP; einen höheren Wert erzielten weltweit nur Nepal und Liberia. Derzeit reisen wieder mehr Gastarbeiter nach Russland.  
Die Diversifizierung der heimischen Wirtschaft hat nur punktuell Fortschritte gemacht. Faktoren wie Problemfälle im Bankensektor sich nachteilig auf die ökonomische Entwicklung aus.
In den letzten Jahren haben sich einige Länder, vor allem die Volksrepublik China, mit einer Reihe von Infrastruktur-Großprojekten (Energie, Bergbau, Straßenbau) sowie industriellen Investitionen engagiert. Tadschikistan wirbt um Kooperation mit Golfstaaten mit Katar und Saudi-Arabien, die unter anderem Großbauten in der Hauptstadt finanzieren. 
Verbesserungspotenzial besteht in der Diversifizierung der Wirtschaft und der Stärkung des Bildungssystems sowie des Privatsektors. In den Bereichen Korruptionsprävention, Rechtssicherheit, der Steuerverwaltung und Infrastrukturentwicklung sind weiterhin Fortschritte nötig. Eine positive Entwicklung ist im Agrarbereich zu verzeichnen, wo das Angebot sichtbar gewachsen ist.

Wirtschaftssektoren

Nur sechs Prozent der Fläche des Landes sind für die Landwirtschaft geeignet. Der überwiegende Teil der Bevölkerung (etwa 70%) ist dennoch hier tätig. In der tadschikischen Landwirtschaft dominiert die Baumwolle, außerdem werden zunehmend hochwertige Obst (Aprikosen, Weintrauben, Äpfel), Gemüse, Nüsse und Getreide angebaut. Die Nahrungsmittelproduktion deckt insbesondere bei Getreide nicht den Eigenbedarf der Bevölkerung. Das Land ist regelmäßiger Empfänger von Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen sowie diverser bilateraler Geber.
2016 trugen zum BIP bei: Landwirtschaft mit 20,7%, Industrie mit 15,1%, und Handel mit 14%. Hinzu kamen Bau- und Transportgewerbe mit jeweils knapp über 11%. Die Diversifizierung der Wirtschaft sowie die anteilige Erhöhung der Industrieproduktion bleiben Herausforderungen. Bergbau und Baustoffindustrie dagegen haben in den letzten Jahren, vor allem durch chinesische Investitionen, an Bedeutung gewonnen.  
Die Stromversorgung Tadschikistans erfolgt zu 98% durch Wasserkraft. Seit Abtrennung vom zentralasiatischen Stromverbund im Dezember 2009 durch Usbekistan können die in den Wintermonaten erforderlichen Stromimporte nicht mehr erfolgen. Landesweite Stromrationierungen sind die Folge. Gleichzeitig nahm der Stromexport aus Tadschikistan, vor allem nach Afghanistan und Kirgisistan, stark zu. Das Wasserkraftpotential des Landes ist derzeit bei weitem nicht ausgeschöpft, der Bau neuer Wasserkraftwerke ist eine Priorität der Regierung. 
Größtes Wasserkraftwerk ist mit einer Kapazität von 3.000 MW das am Vachsch-Fluss gelegene Nurek. Mit iranischer Unterstützung wurde das erste Aggregat des Wasserkraftwerks Sangtuda II (insgesamt 220 MW) im Süden des Landes 2011 fertiggestellt, das zweite wurde 2014 eingeweiht. Die russische Investition Sangtuda I (670 MW) wurde 2009 fertiggestellt. 2016 wurde der Vachsch-Fluss, an dem das Großkraftwerk Rogun (3.600 MW) entsteht, umgeleitet und mit dem Bau des Dammes begonnen; die Fertigstellung des Kraftwerks wurde für 2027 geplant. Es könnte einen bedeutenden Beitrag zur inländischen Energieversorgung leisten. Die Spannungen mit Nachbar Usbekistan über diesen Staudamm scheinen deutlich verringert.

Außenwirtschaft

Im ersten Halbjahr 2017 stellten Importe 73,11% des Außenhandels dar. Unter den Importpartnern überwogen GUS-Staaten, unter den Exportpartnern hingegen der Nicht-GUS-Raum. 
Das Handelsbilanzdefizit betrug 2016 etwa 2,13 Mrd. USD (2015 noch 2,55 Mrd. USD). Die wichtigsten Außenhandelspartner Tadschikistans waren 2016 in dieser Reihenfolge: China, fast gleichauf: Russland, Kasachstan und Türkei. Dahinter und vor Deutschland: Iran und Schweiz. 

Regionale wirtschaftliche Zusammenschlüsse

Tadschikistan ist bisher nicht der aus der Eurasischen Zollunion am 01. Januar 2015 hervorgegangenen Eurasischen Wirtschaftsunion beigetreten (Mitglieder: Russland, Kasachstan, Belarus, Armenien, Kirgisistan). Seit 2010 ist ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit der EU in Kraft. Zudem ist Tadschikistan Mitglied des GSP-Regime und seit März 2013 auch der WTO. Darüber hinaus besteht eine Mitgliedschaft in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECO).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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