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Wirtschaft Syrien

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Stand: April 2010

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Die syrische Wirtschaft befindet sich in einem Transformationsprozess von der Staatswirtschaft hin zu einer sozialen Marktwirtschaft. Im Zuge von Wirtschaftsreformen wurden eine Reihe wichtiger Schritte unternommen: Syrien hat in den letzten Jahren unter anderem ein Banken- und Versicherungswesens sowie eine konvertierbare Währung eingeführt und Maßnahmen zur Investitionssicherheit getroffen.

Die Bevölkerung nimmt mit durchschnittlich 2,5Prozent seit Anfang der 90er Jahre zu (fast 40Prozent der Bevölkerung sind jünger als 14 Jahre). Die verdeckte Arbeitslosigkeit dürfte bei über 20Prozent liegen.

Der Staatshaushalt konnte durch erhebliche Kürzungen der Subventionen auf Diesel seit 2008 entlastet werden. Zur Abfederung damit verbundener sozialer Härten erhalten bedürftigeBevölkerungsgruppen (etwa 30Prozentder Haushalte) nunmehr direkte Subventionen. Eineweitere Entlastung des Staatshaushalts wird von der für 2010 geplanten Einführung einer Mehrwertsteuer erwartet.

Wegen seiner geringen Verflechtung mit den internationalen Märkten ist Syrien von der Weltwirtschaftskrise nur in relativ geringem Umfang betroffen. Die Folgeerscheinungen der Krise machen sich jedoch auch inSyrien bemerkbar: Das Wachstum des realen Bruttosozialprodukts ist 2009 auf schätzungsweise 2,5Prozent gesunken (2008: 5,1Prozent, 2007: 6,3Prozent). Die Inflationsrate lag 2009 Schätzungen zufolge bei 7,5Prozent.

Das Budget 2010 enthält mit einer Erhöhung des Investitionsvolumens um rund 19Prozenteine stärkere Entwicklungsorientierung. Für den nächsten Fünfjahresplan (2011-2015) soll eine weitere Erhöhung der öffentlichen Investitionen geplant sein. Geplante Schwerpunkte sind Vizepremierminister Dardari zufolge ein Ausbau der Verkehrsinfrastruktur sowie Investitionen in den Bereichen Energie (vor allem erneuerbare Energien) und Wasser/Abwasser.

Energie

Öleinnahmen trugen lange Zeit zu mehr als der Hälfte des syrischen Haushalts bei und machten zwei Drittel der syrischen Exporte aus. Die Dominanz des Ölsektors nimmt jedoch stetig ab. Die syrische Ölproduktion war zwischenzeitlich (2007-2009) auf ca. 370.000 Barrel pro Tag gefallen und soll derzeit wieder bei 400.000 Barrel pro Tag liegen. Die Produktion in den bestehenden Ölquellen sinkt beständig, und der Export von Öl ist seit 2004 deutlich zurückgegangen.

Vorrangig wird eine verstärkte Erdgasnutzung angestrebt. Derzeit werden täglich ca. 12,5 Millionen Kubikmeter Erdgas gefördert, die ausschließlich zur heimischen Energieproduktion verwendet werden. Syrien verfügt nach Angaben des syrischen Ölministeriums über Erdgasreserven von ca. 284 Milliarden Kubikmeter. Seit 2002 kooperiert Syrien wieder verstärkt mit internationalen Energieunternehmen für Neuexplorationen im Öl- und Gasbereich. Das Interesse an erneuerbaren Energien ist in den vergangenen Jahren gestiegen, langfristig will Syrien auch auf Solarenergie setzen.

Außenhandel

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) sind die bedeutendsten Handelspartner Syriens. Mehr als 30Prozent der syrischen Exporte gehen dorthin. Die Handelsbeziehungen zu den Mitgliedstaaten der GAFTA (Greater Arab Free Trade Association), zur Türkei sowie China, Iran, Indien und Malaysia wachsen zunehmend. Auf der EU-Importseite sind Deutschland, Italien und Frankreich die bedeutendsten Lieferanten. Die wichtigsten Ausfuhrgüter Syriens sind Erdöl und Erdölprodukte, daneben Nahrungsmittel, Textilien und Bekleidung. Die Haupteinfuhrgüter sind Maschinen und Transportausrüstungen, Metalle und Metallerzeugnisse, Kraftfahrzeuge, Nahrungsmittel und chemische Produkte.

Der weit überwiegende Teil der Staatseinnahmen stammt noch aus dem Erdölgeschäft (Erlöse und Steuern) - eine problematische Struktur angesichts abnehmender syrischer Erdölförderung bei gleichzeitiger Zunahme notwendiger Ölimporte, die zu hohen Weltmarktpreisen eingekauft werden müssen. Durch die Förderung der Privatwirtschaft und die Verbesserung des Steuer- und Finanzsystems versucht der Staat, alternative Einnahmequellen zu erschließen.

Syrien unterliegt seit 2004 US-Wirtschaftssanktionen. Diese umfassen im Wesentlichen ein Exportverbot für US-Produkte nach Syrien, landwirtschaftliche Produkte nicht eingeschlossen. Für medizinische Güter, Ersatzteile für die zivile Luftfahrt und IT-Komponenten können Ausnahmegenehmigungen erteilt werden.

Verkehrsinfrastruktur

Von den drei Mittelmeerhäfen Lattakia, Tartus und Banias hat Lattakia die größte Bedeutung, insbesondere für den Containerverkehr; Tartus ist für Massengüter wichtig, Banias für Ölexporte. Innerhalb des Landes wird der größte Teil des Verkehrs auf der Straße abgewickelt (ca. 50.000 km Straßennetz, davon ca. 38.000 km asphaltiert). Das ca. 3000 Kilometer lange Eisenbahnnetz spielt bisher im Wirtschaftsleben des Landes nur eine untergeordnete Rolle. Es soll aber ausgebaut werden. Flughäfen gibt es in Damaskus, Aleppo, Lattakia, Deir ez-Zor und Kamischli. Die Fluggesellschaft Syrian Arab Airlines verfügt mittlerweile über sechs Airbusflugzeuge und zwei im April 2010 in Betrieb genommene ATR-72-Passagierflugzeuge.

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