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Südafrika: Wirtschaft Südafrika

08.08.2019 - Artikel

Überblick

Südafrika ist nach Nigeria und vor Ägypten gemessen am BIP derzeit die zweitgrößte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents und einziges afrikanisches Mitglied der G20.

Wichtige Standortvorteile sind die im regionalen Vergleich gute Infrastruktur, ein Finanzsektor auf Weltniveau, erhebliche Rohstoffreserven, in Teilbereichen exzellente Wissenschaft sowie ein verlässliches und unabhängiges Rechtssystem.

Andererseits ist das Erbe der Apartheid trotz vieler Fortschritte noch nicht überwunden. Ein Großteil der früher benachteiligten schwarzen Bevölkerungsmehrheit lebt weiterhin in Armut. Noch immer bleibt vielen Menschen der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Elektrizität, Wasser oder Krankenvorsorge verwehrt. 15,6 Prozent hatten laut Weltbank 2017 keinen elektrischen Strom und 11,4 Prozent keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die häufig mangelhafte Bildung trägt zur hohen Arbeitslosigkeit bei, die offiziell bei 29 Prozent liegt. Die Schere zwischen arm und reich geht extrem auseinander: Der die ungleiche Verteilung von Einkommen messende Gini-Koeffizient der Weltbank erreicht für Südafrika einen der höchsten Werte weltweit. Immer noch müssen ca. 22 Prozent der Südafrikaner in absoluter Armut leben. 19,2 Prozent der Einwohner erhielten Anfang 2017 Sozialhilfe.

Wirtschaftsstruktur

Der Rohstoffsektor hatte 2018 einen Anteil von ca. 7,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im Bergbausektor waren 2018 441.775 Menschen beschäftigt. Dies sind ca. 108.000 weniger als 2012.

Quantitativ hat der Finanzsektor mit ca. 22 Prozent den größten Anteil am südafrikanischen BIP. Die Branche stützt sich auf eine hoch differenzierte, westlichen Standards entsprechende Banken- und Versicherungslandschaft und die Johannesburger Börse (Johannesburg Stock Exchange, JSE), an der an einem Tag mehr Umsatz erzielt wird als an allen anderen afrikanischen Wertpapierbörsen zusammen in mehreren Monaten.

Das verarbeitende Gewerbe trägt mit ca. 13,5 Prozent mit einem steigenden Anteil zum BIP bei, ist aber steigenden Energiepreisen und einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ausgesetzt.

Der private Konsum (rund 60 Prozent des BIP) und der öffentliche Konsum sind seit dem Ende der Apartheid immer wichtigere Faktoren geworden, die Investitionsneigung des Privatsektors ist demgegenüber seit der internationalen Finanzkrise von 2008/2009 stark zurückgegangen.

Vor dem Hintergrund einer bewusst und langfristig angelegten Entwicklungspolitik zur Überwindung der Folgen der Apartheid ist der Staat als Arbeitgeber und Investor zunehmend bedeutend. Dabei stützt er sich auch auf öffentliche Unternehmen. Die bedeutendsten sind Eskom (Stromerzeugung), South African Airways (Fluggesellschaft), Sasol (Ölproduktion/Großchemie), Denel (Rüstung) und Transnet (Transport).

Insbesondere mit großen Infrastrukturprojekten in den Bereichen Transport, Energie und Wasser beabsichtigt die südafrikanische Regierung die Bedingungen für die Wirtschaft weiter verbessern und so verstärkt private Investitionen aus dem In- und Ausland anziehen.

Das Investitionsklima wird allerdings belastet durch hohe Anforderungen an lokale Wertschöpfung, gesetzliche Regelungen zur Beteiligung von während der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsgruppen und eine hohe politische Unsicherheit u.a. aufgrund der zerstrittenen Regierungspartei ANC. 2013 erfolgte die Kündigung der bilateralen Investitionsschutzverträge mit Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten. Ab dem Inkrafttreten der Kündigung am 23. Oktober 2014 gilt für bis dahin getätigte Investitionen ein Bestandsschutz von 20 Jahren. Im Juli 2018 ist das Investitionsschutzgesetz “Protection of Investment Act” in Kraft getreten, das ein einheitliches Investitionsschutzniveau bieten soll.

Außenwirtschaft

Der Außenhandel Südafrikas ist grundsätzlich frei. Im “Doing Business”-Index der Weltbank belegt das Land Platz 82 von 190. Damit liegt das Land weit über dem Durchschnitt der Region südlich der Sahara und vor Brasilien. Russland, Indien und China sind die BRICS-Nationen, die Südafrika im Ranking überholt haben. Besonders gut schneidet Südafrika beim Schutz von Minderheitsinvestoren, am schlechtesten bei der Stromversorgung ab.

Rohstoffe stellten mit 16,1% den größten Anteil am südafrikanischen Export 2017 gefolgt von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen (ca. 11%), NE-Metalle (10,4%) und Nahrungsmitteln (8,9%). Die südafrikanischen Importe wurden insbesondere von Chemischen Erzeugnissen, Maschinen, Elektronik, Rohöl, Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, sowie Nahrungsmitteln dominiert. Der Wert der Exporte erhöhte sich 2018 um ca. 7 Prozent, während die Importe um ca. 12,5 Prozent zulegten. Die Handelsbilanz weist inzwischen einen Überschuss aus. Wichtigste bilaterale Handelspartner Südafrikas 2018 – gemessen am Handelsvolumen – waren China, Deutschland, die USA, Indien und Japan. Das Handelsvolumen mit Deutschland stieg deutlich von 16,8 Mrd. EUR 2017 auf rd. 17 Mrd. EUR im Jahr 2018.

Südafrika ist Mitglied diverser internationaler Wirtschaftsorganisationen, wie zum Beispiel des Internationalen Währungsfonds, der Welthandelsorganisation und der Weltbank. Darüber hinaus besteht seit 2007 mit der Organisation for Economic Co-operation and Development (in der Südafrika nicht Mitglied ist) eine enge – schriftlich vereinbarte – Kooperation. Des Weiteren ist Südafrika Teil der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC, der Zollunion SACU sowie des Entwicklungsprogramms NEPAD der Afrikanischen Union.

Das seit Oktober 2016 angewendete Wirtschaftspartnerschaftsabkommen Economic Partnership Agreement (EPA) zwischen der Europäischen Union, der Republik Südafrika und weiteren Staaten in der Region südliches Afrika verleiht den gegenseitigen Handelsbeziehungen neue Impulse.

Haushalt und Finanzpolitik

Fiskal- und Geldpolitik sind im Vergleich der Schwellenländer vorbildlich. Südafrika ist im G20-Rahmen gerade bei Regulierungsfragen (Basel-III-Abkommen) ein wichtiger Partner.

Das vor der Finanzkrise von 2008/09 sehr niedrige Haushaltsdefizit ist aufgrund antizyklischer Maßnahmen von Regierung und Zentralbank stark angestiegen. Das schwache BIP-Wachstum (0,8 Prozent im Jahr 2018) und das nach wie vor hohe Leistungsbilanzdefizit (3,4 Prozent) 2018 verringern den fiskalischen Handlungsspielraum und begründen einen hohen externen Finanzierungsbedarf, der überwiegend durch Portfolio-Zuflüsse gedeckt wird. Das Haushaltsdefizit für das Fiskaljahr 2018/19 beträgt 4,4 Prozent.

Der Kurs des Rand, eine der weltweit am stärksten gehandelten Schwellenlandwährungen, hat sich seit der massiven Abwertung Ende des Jahres 2015 etwas erholt und liegt im August 2019 bei ca. 14 Rand pro US-Dollar. Starke Ausschläge im Rand-Kurs sind jedoch nicht außergewöhnlich und ergeben sich insbesondere aus unerwarteten externen Entwicklungen in den USA sowie von innenpolitischen Ereignissen, die die politische Stabilität des Landes beeinflussen.

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