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Kultur und Bildung Südafrika

Artikel

Stand: Mai 2018

Grundlinien der Kulturpolitik

Grundlage der südafrikanischen Kulturpolitik ist das 1996 veröffentlichte “Weißbuch der Regierung über Kunst, Kultur und Kulturerbe„. In ihm sind die staatlichen Grundlinien zur Schaffung der Finanzierungs- und institutionellen Rahmenbedingungen für die Förderung und den Schutz südafrikanischer Künste und Kultur sowie des kulturellen Erbes festgeschrieben. Die Einrichtung “Business and Arts South Africa„ trifft sich regelmäßig mit Vertretern der südafrikanischen Wirtschaft, um Wirtschaft und Kultur besser zu vernetzen und Sponsorenmitteln für Kulturprojekte einzuwerben.

Der Rückbesinnung auf die eigene afrikanische kulturelle Identität (“African Renaissance„) wird große Bedeutung zugemessen. Die Kulturpolitik Südafrikas basiert auf der Überzeugung, dass der politisch gewollte Transformationsprozess der Gesellschaft auch im kulturellen Bereich zu erfolgen hat. Im Vordergrund steht die Bewahrung des breit gefächerten kulturellen Erbes. Kulturprojekten, die die afrikanische Identität betonen, wird besondere öffentliche Aufmerksamkeit zuteil. Staatliche Kulturinstitutionen wurden entsprechend reformiert und umstrukturiert. Die Stärkung der Regionen ist dabei ein Ziel.

Bildungspolitik und Erziehungswesen

Die Regierung Südafrikas versteht die Reorganisation der staatlichen Bildungspolitik und des Erziehungswesens als kulturpolitische Schlüsselaufgabe. Das durch die Apartheid-Politik nach Rassen getrennte und qualitativ differenzierte Erziehungssystem galt stets als augenfälliges Symbol für Rassismus und Unterdrückung. Im April 1994 öffneten sich die staatlichen Schulen allen Kindern. Es wurden ein einheitliches, nicht-rassenorientiertes Erziehungssystem und die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Das Erziehungsministerium wurde 2010 in zwei neue Ministerien aufgeteilt, die für das Erziehungssystem insgesamt federführend sind: Department of Basic Education (bis einschließlich Sekundarschulabschluss: NSC) und Department of Higher Education and Training (Hochschulen und berufliche Bildung).

HIV/Aids, die schlechte materielle Ausstattung der Schulen vor allem im ländlichen Raum, ein genereller Mangel an Lehrern sowie unzureichende Anreize für die Ergreifung des Lehrerberufs trüben die Erfolgsaussichten vieler Schüler und Studenten. Beide Ministerien haben dieses Problem erkannt und versuchen, diese Mängel durch gezielte Investitionen zu beheben. In Südafrika gibt es elf offizielle Sprachen. Die sprachliche Vielfalt des Landes wird von der Regierung ausdrücklich begrüßt und gefördert. Ein Pilotprojekt zur verbindlichen Einführung einer weiteren afrikanischen Sprache in allen staatlichen Schulen und Universitäten ist angelaufen. Fremdsprachen werden als sogenannte second additional language angeboten. Deutsch wird an etwa 70 Schulen unterrichtet.

Mit dem Higher Education Act leitete die Regierung 1997 die Transformation des Universitätswesens ein. Die 2004 und 2005 erfolgten Zusammenschlüsse von Universitäten und Fachhochschulen („Technikons“) und die damit verbundene Reduzierung von 36 auf 21 Hochschulen verfolgten das Ziel, das bisherige Apartheidssystem der Trennung in „weiße“ und „schwarze“ Universitäten zu beseitigen. Zudem wurde die Einrichtung von zwei neuen Universitäten in bisher unterversorgten Provinzen beschlossen. Der fortdauernde komplexe Transformationsprozess erfordert bis heute große Managementanstrengungen und einen langen Atem.

Weiterhin dominiert die Frage der Studienfinanzierung die politische Diskussion. Entgegen der Empfehlungen einer von ex-Präsident Zuma eingesetzten Expertengruppe beschloss die ANC-Konferenz Mitte Dezember 2017, dass ab 2018 für alle Studienanfänger aus ehemals benachteiligten Gruppen die Ausbildung kostenfrei sein soll. Es gibt offene Fragen zur Finanzierung.

Insgesamt sind sowohl das Berufsbildungs- als auch das Hochschulsystem Südafrikas weiterhin von großen Qualitätsunterschieden geprägt. Insbesondere die Berufsschulen sind bislang nur unzureichend auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes eingestellt und sollen grundlegend reformiert werden. Die Regierung sucht die enge Zusammenarbeit mit Deutschland im Bereich Berufsbildung.

Förderung von Forschung und Wissenschaft

Südafrikas differenzierte, leistungsfähige Forschungslandschaft liegt im afrikanischen Vergleich bei allen einschlägigen Indikatoren an der Spitze. Exzellente Forschung existiert vor allem in jenen Feldern, in denen Südafrika einen natürlichen Standortvorteil besitzt: Rohstoffe einschl. Verarbeitungsprozesse, Anthropologie, Radioastronomie und Biodiversität. Erklärtes Ziel der südafrikanischen Politik ist der Wandel von einer rohstoffbasierten hin zu einer wissensbasierten Wirtschaft. Das südafrikanische Wissenschaftsministerium (DST) strebt an, die Forschungsausgaben bis 2018 schrittweise trotz zuletzt rückläufiger Tendenz auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben.

Sportpolitik

Südafrika ist eine begeisterte Sportnation. Die Menschen begeistern sich vor allem für Ballspiele wie Rugby, Cricket und Fußball. Rugby und Cricket werden traditionell (noch) überwiegend von der weißen Bevölkerung, Fußball hingegen gegen (noch) überwiegend von Schwarzen gespielt und entsprechend über die Medien verfolgt. Die Sportpolitik verfolgt das Ziel, diese Trennung allmählich zu überwinden. Universitäten etwa bieten zunehmend auch andere Sportarten an.

Die erfolgreiche Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2010, der ersten Veranstaltung dieser Art auf afrikanischem Boden, war ein wichtiger Schritt zur Überwindung von althergebrachten gesellschaftlichen Beschränkungen im Sport.

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