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Sudan: Wirtschaft Sudan

29.08.2019 - Artikel

Sudan gehört zu den ärmsten und dabei am höchsten verschuldeten Ländern der Welt (Least Developed Country – LLDC). Die Ernährungslage der Bevölkerung ist vielerorts besorgniserregend, insbesondere im Westen, Osten und Süden des Landes. Neben Konflikten führen auch Dürreperioden und Überschwemmungen immer wieder zu Hungerkatastrophen, die humanitäre Hilfe erfordern. Wassermangel und Wüstenbildung sind charakteristisch für weite Landesteile und wirken entwicklungshemmend.

Gleichzeitig verfügt Sudan über reiche Bodenschätze, darunter Öl, Erze, Edelmetalle, insbesondere Gold, das Nilwasser und potenziell fruchtbares Ackerland sowie ein relativ gut ausgebildetes Arbeitskräftereservoir. Mit der Unabhängigkeit Südsudans 2011 verlor Sudan ca. 20% des BIPs und 75% der Ölquellen und leidet seit dieser Zeit an einer strukturellen Wirtschaftskrise, die sich mit den Protesten und den politischen Unruhen seit 2018 noch einmal erheblich verstärkt hat. Entscheidend für die wirtschaftlichen Probleme ist allerdings die enorme Korruption und Selbstbereicherung des „Systems Baschir“.

Sudan ist infrastrukturell, insbesondere in den Bereichen Energieversorgung, Wasser/Abwasser, Telekommunikation und Verkehr unzureichend erschlossen. Es besteht großer Entwicklungsbedarf in allen Bereichen. Für die Regierung sind Militär- und sicherheitsverwandte Ausgaben prioritär. Die Ausgaben für Bildung sinken kontinuierlich.

Wirtschaftsstruktur und –politik

Die Wirtschaftspolitik Sudans unter dem Bashir-Regime war von einem hohen Grad an Dirigismus, Bürokratie und einer bedeutenden Rolle staatlicher Unternehmen am Wertschöpfungsprozess geprägt. Seit Mitte der 1990er Jahre verfolgt die Regierung in Khartum in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ein wirtschaftliches Reformprogramm zur Modernisierung und marktwirtschaftlichen Orientierung des Landes.

Zentrale Reformanliegen richten sich auf fortschreitende Privatisierung, die Umgestaltung des Steuersystems (z.B. Einschränkung von Privilegien und Befreiungen; Ausdehnung der Besteuerungsbasis), Erhöhung der fiskalpolitischen Transparenz und Effizienz (z.B. durch verbesserte Datenbasis), Subventionsabbau und weiterem Abbau administrativer und rechtlicher Hürden (z.B. im Zollbereich) im regionalen Wettbewerb um stärkeren Zufluss von ausländischem Investitionskapital. Kritikpunkt beim Budgetansatz sind hohe Subventionen auf Grundnahrungsmittel und Treibstoffe sowie die mit angeblich bis zu 40 Prozent des Haushalts sehr hohen Militärausgaben. Die neue Übergangsregierung steht damit vor der großen Herausforderung, die Wirtschaft weiter zu reformieren und zu öffnen.

Sonderproblem: Außenverschuldung

Die internationale Verschuldung Sudans ist mit etwa 51 Mrd. USD (Stand Dezember 2016) besorgniserregend. Die Staatsverschuldung wird in 2019 voraussichtlich 165,1 Prozent des BIP betragen. Sudan erfüllt die technischen Kriterien für Schuldendiensterleichterungen im Rahmen der Initiative für hochverschuldete arme Länder (HIPC-Initiative). Eine solche wird jedoch angesichts der innenpolitischen Lage von zahlreichen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft kritisch gesehen. Ohne eine Streichung von der „Terrorliste“ und die Erfüllung weiterer Bedingungen ist ein Schuldenerlass nicht abzusehen. Mit Amtsantritt der zivilen Übergangsregierung wollen die USA über eine solche Streichung verhandeln. Auch die EU begleitet diesen Prozess konstruktiv und setzt sich in einem systematischen Dialog mit Sudan dafür ein, den Zugriff auf Gelder von Internationalem Währungsfonds und Weltbank und einen Schuldenschnitt zu ermöglichen.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Seit der Unabhängigkeit Südsudans versucht Sudan seine Produktionsstruktur weiter zu diversifizieren. Insbesondere der Bergbausektor sowie Landwirtschaft und Nahrungsmittel-produktion sollen ausgebaut werden. Beim Goldexport hat sich Sudan zum Ziel gesetzt, die Nummer Eins Südafrika als weltweit führenden Produzenten zu überholen.

Bedeutendster Wirtschaftszweig ist der Ölexport, gefolgt von der Landwirtschaft, die etwa ein Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Außenwirtschaft

Die Regierung bemüht sich um ausländische Direktinvestitionen, die vor allem aus Indien, China und der arabischen Halbinsel in das Land fließen. In der Praxis herrschen dennoch weiter zahlreiche bürokratische Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung. Auch die durchweg schwache Infrastruktur bildet einen Hemmschuh.

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