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Singapur: Wirtschaft Singapur

04.04.2019 - Artikel

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Singapur verfügt über eine hoch industrialisierte und erfolgreiche Marktwirtschaft, die sich durch Weltoffenheit, weitgehende Korruptionsfreiheit und internationale Vernetzung auszeichnet.

Singapurs Wirtschaftspolitik ist auf eine weitere Globalisierung ausgerichtet (bilaterale Freihandelsabkommen, Regionalisierung/Globalisierung lokaler Firmen, steuerliche Anreize für ausländische Firmen und Fachkräfte). Singapur engagiert sich in ASEAN (Association of East Asian Nations), deren Vorsitz es 2018 führte, APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation), ASEM (Asia-Europe Meeting) wie auch in der WTO  für mehr Liberalisierung und Marktöffnung für Güter und Dienstleistungen. Es setzt sich für regelgebundenen Multilateralismus und offene regionale Blöcke ein. Bilaterale Freihandelsabkommen (FTA) sollen den multilateralen Ansatz ergänzen und beschleunigen. In Kraft sind Abkommen bereits mit den ASEAN-Staaten (ASEAN-Freihandelszone), Australien, VR China, Costa Rica, den EFTA-Ländern, den Ländern des Golf-Kooperationsrats, Indien, Japan, Jordanien, Neuseeland, Panama, Peru, Südkorea, den Gründungsstaaten der Trans-Pazifischen Partnerschaft (neben Singapur: Brunei, Chile, Neuseeland) und den USA. Mit Taiwan wurde ein Freihandelsabkommen unterzeichnet.

Singapur hat 2005 mit Brunei, Chile und Neuseeland die „Trans-Pacific Strategic Economic Partnership“ (TPSEP) gegründet. Diese Vereinbarung war der Vorläufer der sog. Trans-Pacific Partnership (TPP). Die Verhandlungen zwischen den vier ursprünglichen TPP-Ländern und Australien, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Peru, USA und Vietnam zur Erweiterung der TPP auf diese 12 Länder wurden im Oktober 2015 abgeschlossen. Das Abkommen wurde am 4.2.2016 in Auckland / Neuseeland unterzeichnet. Anfang 2017 hat der neue US-Präsident Trump die US-Mitarbeit an TPP beendet. Daraufhin haben die verbleibenden 11 Staaten einen nur wenig reduzierten Text als „Comprehensive and Progressive Trans-Pacific Partnerhsip“ (CPTPP) beschlossen und am 8. März 2018 in Santiago de Chile unterzeichnet. Mittlerweile ist CPTPP in Kraft getreten.

Singapur ist außerdem an den Verhandlungen zu einer „Regional Comprehensive Economic Partnership“ (RCEP) beteiligt, gemeinsam mit den weiteren ASEAN-Staaten sowie Australien, China, Indien, Japan, Neuseeland und Südkorea.  Diese Verhandlungen konnten auch 2018 nicht abgeschlossen werden; nun ist Ende 2019 das Ziel.

Im Dezember 2012 haben die EU (Europäische Union) und Singapur ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen erfolgreich abgeschlossen, der Text wurde im September 2013 paraphiert. Nachdem ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofes  vom Mai 2017 die Frage der Kompetenzverteilung auf europäischer Seite geklärt hat, wurde das in ein (eigentliches) Freihandelsabkommen und ein Investitionsschutzabkommen aufgeteilte Abkommen im Oktober 2018 unterzeichnet , zusammen mit einem Abkommen über die Politische Zusammenarbeit. Das Europäische Parlament hat den Abkommen im Februar 2019 zugestimmt. Das Inkrafttreten des Freihandelsabkommens wird für Ende 2019 erwartet.

Wirtschaftssektoren

Der wichtigste Wirtschaftsbereich des Landes ist der Dienstleistungssektor, welcher rund 71 % des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Dabei ist Singapur in einigen Dienstleistungsbereichen Drehscheibe in der Region (Transport/Logistik, Finanzen). Weitere Bereiche, wie z.B. Bildung, Medien, Gesundheit und Rechtsschutz (Schutz geistigen Eigentums, Schiedsgerichtswesen) sollen weiter ausgebaut werden. Auf internationaler Ebene möchte Singapur Vorreiter in ausgewählten Spitzentechnologien werden (Halbleiter, IT, Bio- und Gentechnologie). Entsprechend investiert die Regierung intensiv in Ausbildung, Forschung und Technologie. Die „Digitalisierung“ von Wirtschaft und Gesellschaft wird in Singapur energisch vorangetrieben.

Der industrielle Sektor macht rund 25% des BIP aus. Hier sind die wichtigsten Wirtschaftsbereiche die ölverarbeitende/chemische Industrie, Elektronikindustrie, Maschinen und Ausrüstungsgegenstände (insbesondere für den Ölbohrbereich), Schiffsreparatur und zunehmend Biotechnologie/Pharmazie.

Der industrielle Bereich wird weitgehend von multinationalen Firmen und einigen großen singapurischen Firmen, die eng mit der Regierung verbunden sind - den sogenannten „Government-Linked Companies (GLCs)“ - dominiert. Die GLCs operieren insbesondere in den Sektoren Energieversorgung, Telekommunikation, Medien, Transport und in einigen Produktionsbereichen (z.B. IT, Schiffbau, Rüstung).

Wirtschaftliche Lage

Aufgrund der starken Exportlastigkeit seiner Wirtschaft (die Außenhandelsquote liegt stets über 200 % und ist damit die höchste der Welt) hängt Singapur sehr von der Entwicklung der Weltkonjunktur, vor allem aber von der in den USA, China und Europa ab. Die Rate des Wirtschaftswachstums hatte seit 2013 abgenommen (Wachstum 2013: 4,7 %, 2014: 3,3 %, 2015 und 2016: 2,0 %); 2017 dagegen nahm sie zur Überraschung vieler wieder zu  (3,6 %) und lag auch  2018 über der Prognose (Schätzung 2,9 %). Regierung und Wirtschaftsinstitute rechnen mit einer Stabilisierung auf einem Niveau von etwa 2%. Die Inflation ist von 2,4 % im Jahr 2013 über 1,0 % (2014) auf -0,5 % (2015 und 2016) gesunken; im Jahre 2017 war sie mit 0,6 % wieder leicht positiv, ebenso 2018 (Schätzung 1,0 %).

Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit

Besondere Herausforderungen für Singapur stellen der wirtschaftliche Aufschwung Chinas und die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit der anderen ASEAN-Länder dar. Hinzu kommen die rasche Alterung der Gesellschaft und die abnehmende Zahl der Arbeitskräfte. Darüber hinaus ist eine strukturelle Anpassung der Wirtschaft notwendig. Durch die bereits eingeleitete Neuausrichtung auf wissensbasierte Bereiche und eine angestrebte Erhöhung der Produktivität ist Singapur bemüht, bei steigenden Standortkosten in einem kompetitiven Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben und trotzdem die Immigration ausländischer Arbeitnehmer, die gesellschaftspolitisch potentiell problematisch ist, zu begrenzen. Auch ist man fest entschlossen, gezielt Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) zu stärken und sie in ihrer Entwicklung mit den ASEAN Wirtschaften früher und stärker zu vernetzen. Eine im Premierministeramt verortete Strategy Group betreibt langfristige Planung der Entwicklung des Stadtstaates.  

Außenwirtschaft

Singapur hat mit einer durchschnittlichen Rate von weniger als einem Prozent ausgesprochen niedrige Zölle. Etwa 96 % aller Importe sind zollfrei (Ausnahmen sind insbesondere alkoholische Getränke, Benzin und Zigaretten). Importlizenzen sind nur für sehr wenige Waren erforderlich und das Zollverfahren ist unkompliziert. Die sehr hohen Verkaufspreise für PKW resultieren nicht aus Importzöllen, sondern aus inländischen Abgaben. Diese sind Teil der Bemühungen der Regierung, die Rolle von PKW für den Singapurer Verkehr zu reduzieren. 

Die wichtigsten Export- und Importprodukte sind Erdölderivate und Chemikalien, Maschinen sowie Ausrüstungsgegenstände und Zubehör (insbesondere elektronische Komponenten). Die verkehrsgünstige Lage Singapurs und die hervorragende Hafeninfrastruktur haben Singapur weltweit zum zweitgrößten Container-Umschlaghafen (nach Shanghai) gemacht.

Das Gesamt-Außenhandelsvolumen belief sich im Jahr 2017 für den Warenverkehr auf rd. 609 Mrd. Euro, für den Dienstleistungsverkehr auf rd. 292 Mrd. Euro (zum Kurs 1 Euro = 1,59 SGD). Die offiziell ausgewiesenen Devisenreserven der Zentralbank betrugen zum Jahresende 2017 rd. 280 Mrd. US-$ (rd. 233 Mrd. Euro). 

Die größten Handelspartner Singapurs im Jahr 2017 waren China, Malaysia, die EU, USA, Hongkong, Indonesien, Taiwan und Japan. Im Jahr 2017 betrug das bilaterale deutsch-singapurische Handelsvolumen 13,4 Mrd. Euro, womit Deutschland innerhalb der EU knapp vor Frankreich lag.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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